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Brüderlich

Nicht nur Brüder, sondern auch Stief- oder Halbbrüder verbrüdern sich. Brüder im Geiste können Kegelbrüder, aber auch Tippelbrüder sein. Sie müssen dafür keine Brüderschaft trinken, können aber brüderlich verbunden sein.

Ende Januar 2006 starb einer der beliebtesten deutschen Bundespräsidenten: Johannes Rau. Der Volksmund hatte ihm den scherzhaften Beinamen „Bruder Johannes“ gegeben, nicht nur weil sein Redestil manchmal an einen Geistlichen erinnerte, sondern auch in Anlehnung an einen kirchlichen Brauch.

Die kirchlichen Brüder

Der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau auf einer Veranstaltung. Über ihm ein Kreis, der aussieht wie ein Heiligenschein

Johannes Rau engagierte sich auch in der Kirche für ein brüderliches Miteinander

Denn schon während des Nationalsozialismus hatte sich Rau in einer christlichen Oppositionsbewegung engagiert, der Bekennenden Kirche. Geleitet wurde sie von dem sogenannten Bruderrat, einem Zusammenschluss führender Theologen, die Widerstand gegen die nationalsozialistische Kirchen- und Religionspolitik leisteten. Zeitlebens handelte Rau nach dem Motto: „Versöhnen statt spalten.“ Mit Raus Spitznamen sind wir schon im Stichwort Bruder.

Das Lexikon bietet neben dem verwandtschaftlichen Begriff mehrere Synonyme an. Eines bezieht sich auf den kirchlichen, klösterlichen Bereich. Die Mönche in den Klöstern leben als Brüder in brüderlicher Gemeinschaft. Sie sind Ordensbrüder und begrüßen sich mit „Bruder“ und dem jeweiligen Vornamen. Wie Bruderrat und Bruderschaft ist auch der Begriff des geistlichen Bruders eng mit dem kirchlichen Leben verbunden. Es handelt sich um jemanden, der ein theologisches Studium absolviert hat. Nicht zu verwechseln mit dem Bruder im Geiste, jemandem der ähnlich denkt wie man selbst. Aber verlassen wir nun die klösterlichen Mauern und wenden uns den weltlichen Brüdern zu.

Die weltlichen Brüder

Eine Gruppe junger Männer fährt auf Fahrrädern mit Bierflaschen in Händen auf einem Radweg und freut sich

„Bruder Lustig“ ist nicht nur bei Kegelbrüdern immer dabei

Als Bruder wird auch ein Freund, ein Genosse, ein Mitglied derselben Vereinigung bezeichnet. Zu nennen wären hier der Sangesbruder oder der Kegelbruder. Die einen singen gemeinsam in einem Chor, die anderen mögen das Erlebnis, gemeinsam mit anderen kegeln zu gehen. Kegelbrüder sind eine geradezu verschworene Gemeinschaft, die sich besonders auf Ausflügen unverwechselbar als solche zu erkennen geben.

Denn Bruder Lustig ist immer dabei. Als solchen bezeichnet man – wie der Name sagt – einen stets lustigen, zu allerlei Späßen aufgelegten Mensch. Der Begriff stammt von dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm, in dem der Soldat „Bruder Lustig“ mit seiner kumpelhaften, aber auch schlauen Art durchs Leben kommt. Er ist nicht zu verwechseln mit Bruder Leichtfuß. Der ist notorisch leichtsinnig, versteht es, alles locker zu nehmen und fällt erstaunlicherweise meist auf die Füße, wenn er sich mal zu weit aus dem Fenster gelehnt hat.

Ohne Geschwister gibt es keinen Bruder

Der verstorbene US-Sänger und Songwriter Michael Jackson (M) mit seinen Brüdern (von links nach rechts): Tito, Randy, Jackie, Jermaine und Marlon.

Jede Menge Brüder: die „Jacksons“

Das Wort „Bruder“ ist ein merkwürdiges Wort. Es bekommt seine Bedeutung nämlich erst durch die Existenz anderer Menschen. Ein Bruder braucht Geschwister, um Bruder sein zu können, mindestens ein weibliches oder ein männliches Geschwisterteil. Die Eltern sind dieselben. Trennen sich die leiblichen Eltern allerdings und gehen eine neue Partnerschaft ein, dann kann ein Bruder plötzlich mindestens einen Halb- oder Stiefbruder bekommen.

Die Bedeutung des Wortes „Bruder“ aus etymologischer Sicht ist allerdings etwas weiter gefasst gewesen. Das Wort stammt von dem alt- beziehungsweise mittelhochdeutschen Wort bruoder – eine Bezeichnung für männliche Blutsverwandte innerhalb einer Großfamilie, die zur gleichen Generation gehörten.

Brüderliche Gefühle

Ein älterer Junge (rechts) tröstet seinen jüngeren Bruder, der gestürzt war, indem er ihm auf die Finger pustet.

Fürsorge des großen für den kleinen Bruder: „Ein bisschen pusten, dann tut’s nicht mehr weh!“

Nicht nur in einer Großfamilie durchleben Brüder eine Bandbreite von Gefühlen. Alles ist möglich. Da hätten wir die Bruderliebe, aber auch den Bruderhass und den Brudermord, den schon die Bibel beschreibt. Zum Beispiel in der Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt und auf die Frage seines Herrn, wo dieser sei, antwortet: „Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Nicht nur in der Bibel, sondern in fast allen Gattungen der Literatur ist der Bruderstreit oder der Bruderzwist ein oft gewähltes Motiv.

Der deutsche Dichter Friedrich von Logau fand gar, dass Streit zwischen Brüdern normal sei. In seinem aus zwei Zeilen bestehenden Kurzgedicht aus dem 17. Jahrhundert schreibt er: „Brüder haben ein Geblüte, selten aber ein Gemüte.“ Die Liebe zwischen Brüdern, das herzliche brüderliche Verhältnis, kommt dagegen meist zu kurz. Anders ist das, wenn sich zum Beispiel der große Bruder fürsorglich um den kleinen Bruder kümmert. Umgekehrt können natürlich auch kleine Brüder auf ihre großen aufpassen. Allerdings kann ein körperlich kleinerer Bruder durchaus auch der ältere sein. Das schönste Kompliment ist in jedem Fall: „Bruderherz, du bist wirklich der Größte!“

Brüder können auch gewählt werden

Zwei Frauen trinken Brüderschaft

„Ab sofort duzen wir uns!“

Brüder gibt es aber auch in sogenannten Wahlverwandtschaften, in denen man – wie mit richtigen Brüdern – eng verbunden ist. Bundesbrüder studentischer Verbindungen gehören ebenso dazu wie Waffenbrüder, ein Begriff aus der Militärsprache für jemanden, mit dem man Seite an Seite kämpft. Nicht zu vergessen die Blutsbrüder, die durch unterschiedliche Riten symbolisieren, dass sie zueinander gehören. Brüder auf Zeit sind dagegen Saufbrüder, wie manche Tippelbrüder – die umgangssprachliche Bezeichnung für Obdachlose.

Brüderschaft trinken werden sie wahrscheinlich eher nicht. Bei diesem Ritual verhakt man gegenseitig je einen Arm ineinander und führt sein gefülltes Trinkgefäß zum Mund. Hierzulande wird meist Bier, Wein oder Sekt gewählt. Wer mit jemandem Brüderschaft trinkt, darf den anderen jetzt duzen. Übrigens: Auch Frauen trinken Brüderschaft und nicht – wie mancher denken mag – Schwesterschaft. Und – wie Männer – verbrüdern sie sich auch mit anderen, wenn sie etwas durchsetzen wollen und verschwestern sich nicht.

Alle Menschen werden Brüder

Dass gar ein ganzes Volk ein Volk von Brüdern sein soll, in dem sich die Machthaber mit Bruderkuss begrüßen, ist nicht erst zu Zeiten der sozialistischen Staaten im 20. Jahrhundert propagiert worden. Schon Friedrich Schiller formuliert die Wunschvorstellung in seinem Gedicht „An die Freude“, dem Ludwig van Beethoven in seiner 9. Sinfonie ein musikalisches Denkmal gesetzt hat: „Alle Menschen werden Brüder.“




Fragen zum Text

Anna und Lisa wollen bei ihrem Vater eine Erhöhung des Taschengeldes erreichen. Sie …
1. verschwestern sich.
2. schließen Blutsbrüderschaft.
3. verbrüdern sich.

Das Kurzgedicht von Friedrich von Logau bedeutet: …
1. Brüder, die adeliger Abstammung sind, sind hochnäsig.
2. Brüder haben dieselben Eltern, sind aber emotional verschieden.
3. Brüder, die Brüderschaft trinken, verstehen sich nicht immer.

Ahmed ist der älteste von drei Brüdern. Für die anderen kann er nicht sein: …
1. der kleine Bruder.
2. der Größte.
3. der große Bruder.


Arbeitsauftrag
Erstelle eine Liste mit positiven, aber auch negativen Eigenschaften, die ein Bruder haben beziehungsweise nicht haben sollte. Schreibe anschließend einen fiktiven Text mit dem Titel „Idealer Bruder gesucht“. In diesem kannst du die Eigenschaften aus deiner Liste verwenden. Du könntest so beginnen: „Ich wünsche mir einen Bruder, der sehr nett sein soll. Er soll aufmerksam sein, ….“

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