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Europa

"Brüder, reicht die Hand zum Bunde"

Mit einem historischen Festakt im Schloss von Versailles haben Deutschland und Frankreich den 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags gefeiert. Glanzvoller Auftakt einer neuen Etappe der Zusammenarbeit im Dienste Europas?

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Kanzler Schröder und Präsident Chirac haben gut lächeln

Es war das erste Mal, dass die deutsche Nationalhymne im prächtigen Kongress-Saal des Versailler Schlosses zu hören war. Ein historischer Augenblick, ebenso wie die zuvor zu Ende gegangene gemeinsame Sitzung deutscher und französischer Abgeordneter. Fast 900 Parlamentarier waren zusammengekommen, um die deutsch-französische Freundschaft zu bekunden. Alle Redner würdigten diesen feierlichen Akt als herausragendes Ereignis. Bundeskanzler Schröder betonte:

"Zum ersten Mal in der Geschichte unserer beiden Länder treten heute Nationalversammlung und Bundestag in gemeinsamer Plenarsitzung zusammen. Das setzt nicht nur einen besonders würdigen Rahmen für die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages. Es ist auch ein beindruckendes Zeichen für die Subtanz unserer Beziehungen."

Zusammenarbeit bilateral

Der französische Staatschef Jacques Chirac ging auf die besondere symbolische Bedeutung des Schlosses von Versailles ein - vormals ein Ort der gegenseitigen Demütigungen zwischen Deutschen und Franzosen, nun könnte es zu einem Symbol ihrer Freundschaft werden:

"Künftig wird Versailles, das unser kollektives Gedächtnis so sehr geprägt hat, die brüderlichen Bande zwischen Deutschland und Frankreich und darüber hinaus zwischen allen Völkern unseres Kontinents symbolisieren. Dies meine Damen und Herren, ist der Zweck ihrer Anwesenheit in diesem feierlichen Augenblick, bei dem Deutsche und Franzosen an den Sinn ihrer Aussöhnung und ihrer Freundschaft, an die Bedeutung ihrer Union, an ihre Ambitionen für die Zukunft erinnern wollen."

Beide Staatsmänner wiederholten nochmals die wichtigsten Ergebnisse ihres Treffens im Élysée-Palast am Vormittag, nämlich dass Deutschen und Franzosen künftig auch die Möglichkeit einer Doppel-Staatsbürgerschaft eröffnet werden soll. Von der Asylpolitik über die Familien- bis zur Verteidigungspolitik wollen beide Regierungen ihre Haltung eng miteinander abstimmen. In beiden Ländern soll das Amt eines Generalsekretärs für die deutsch-französische Zusammenarbeit geschaffen werden. Die Beauftragten sollen im Bundeskanzleramt und im Amt des französischen Premierministers angesiedelt werden, um die Arbeit der Regierungen abzustimmen.

Zusammenarbeit international

Und auch in der Außenpolitik wollen Deutschland und Frankreich eine gemeinsame Linie vertreten. So sollen auch bei Abstimmungen im Weltsicherheitsrat die deutsche und die französische Position möglichst übereinstimmen. Hier stand natürlich die Irak-Frage im Vordergrund: Deutschland und Frankreich wollen ihre Haltung im UN-Sicherheitsrat nach Angaben von Gerhard Schröder eng miteinander abstimmen.

Dabei gehe es um eine notwendig friedliche Lösung, sagte der Bundeskanzler nach dem Gipfeltreffen mit Chirac am Morgen in Paris. In seiner Rede vor den Abgeordneten in Versailles betonte er dann lediglich, ohne den Irak explizit zu erwähnen:

"Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, in dem derzeit vier europäische Staaten globale Verantwortung für Frieden und internationale Sicherheit tragen, in diesem Sicherheitsrat haben wir besonders enge Abstimmung vereinbart. Das scheint mir fundamental, gerade in dieser so schwierigen Zeit. Wir setzen uns gemeinsam dafür ein, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seine zentrale Aufgabe, den internationalen Frieden zu erhalten, auch in diesem Konflikt wirklich erfüllen kann."

Ähnlich äußerte sich auch Jacques Chirac. Der Krieg sei nicht unvermeidbar, so der französische Präsident. Deutschland und Frankreich würden sich eng abstimmen, damit sämtliche Friedenschancen genutzt werden könnten.

Bescheidenheit kommt an

Nach knapp 50 Minuten war die historische Sitzung im Versailler Schloss denn auch schon beendet: Ein kleiner abschließender Empfang und dann mussten sich die deutschen Parlamentarier schon wieder sputen, um in Bussen zu ihren vier Sondermaschinen der Flugbereitschaft zurückzukommen: Eine Übernachtung in Paris war aus Kostengründen nicht drin. Im Gepäck hatten sie Geschenke, die den ostentativ bescheidenen Charakter des historischen Ereignisses widerspiegelten: Zwei Sonderbriefmarken und eine Gedenkmedaille.

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