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Politik

Brückenschlag im Beduinenzelt

Beim ersten Besuch eines deutschen Kanzlers in Libyen haben beide Seiten eine Vertiefung ihrer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen vereinbart. Die deutsche Wirtschaft hofft auf Milliardenaufträge.

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Ein Kanzler in der Wüste


Lange konnte der Kanzler nicht schlafen. Bis um zwei Uhr in der Nacht gingen die ersten Gespräche mit Revolutionsführer Muammar el Gaddafi, dann wenige Stunden später am frühen Morgen ging's mit Kleinflugzeugen Richtung Wüste, dorthin, wo deutsche Unternehmen ihre Erdölfelder haben und immer neue Bohrlöcher entstehen.

Anders als in Schröders Heimatland Niedersachsen schlummert in Libyen jede Menge hochwertiges Öl und Gas, das Potential ist noch längst nicht ausgeschöpft. Bis 2010, heißt es, soll die tägliche Erdölproduktion verdoppelt werden. Und Deutschland möchte der nach Italien wichtigster Wirtschaftspartner Libyens bleiben. Dafür warb Schröder hier mitsamt einer starken Wirtschaftsdelegation, die ihn begleitet. Das alles sei nun endlich möglich, so Schröder, das Eis zwischen Libyen und dem Westen scheint gebrochen.

"Die Richtung stimmt"

"Dieses Land hat sich politisch verändert", sagte der Kanzler. "Natürlich ist das noch nicht vergleichbar mit dem, was wir von uns zu Hause kennen, aber die Richtung stimmt und ich glaube, die Internationale Staatengemeinschaft hat ein Interesse daran, Libyen einzubinden in die internationale Gemeinschaft."

Schröder traf sich zweimal mit Gaddafi. In Beduinenzelten, die wie aus Tausendundeiner Nacht anmuten. Grüne, dicke Kissen, helle Polster, weiche Teppiche und vor den Zelten Kamele und Dromedare. Und ein sichtlich zufriedener Gaddafi, mittlerweile 61-jährig, in weinrotem Gewand: "Es ist ein Freundschaftsbesuch und (…) wir wünschen uns, dass Libyen dafür belohnt wird, unsere Massenvernichtungswaffen-Programme endgültig zu stoppen und für das, was wir für den internationalen Frieden getan haben."

Flüchtlinge und Perspektiven

Belohnung, das stellt Gerhard Schröder in Anführungszeichen. Gemeint sei damit eher das Angebot einer Perspektive, näher an Europa heranzurücken oder stärker in Libyen zu investieren. Doch auch sensible Themen seien angesprochen worden, sagte Schröder nach dem Treffen mit Gaddafi, also Menschenrechtsfragen, Berichte über Folter oder unmenschliche Haftbedingungen. Das läge ihm am Herzen.

Und natürlich habe man auch über die Flüchtlingsfrage gesprochen, sagt Schröder. Aber weniger über die Idee, Auffanglager in Libyen zu errichten, von wo aus unzählige Afrikaner versuchen, nach Europa zu gelangen. Vielmehr habe man intensiv darüber diskutiert, was man denn tun kann, den Menschen in ihren Heimatländern eine Perspektive zu geben.

Der Besuch Schröders war nach Entschädigungszahlungen Libyens für die Opfer des La-Belle-Attentats von vor siebzehn Jahren möglich geworden. Nun sollen die bilateralen Beziehungen normalisiert werden. Dafür soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingesetzt werden. Schröder betonte zum Abschluss seiner zweitägigen Visite: "Unser beider Blick ist nach vorn gerichtet."

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