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Musik

Brückenschlag: Classic meets Jazz

Die Jazz-Combo Nicolas Simion Group und das Kammerorchester aus Brasov in Rumänien präsentierten in der Bonner Bundeskunsthalle eine einzigartige CD mit eigenen Kompositionen.

Jazz-Musiker Nicolas Simion (Foto: Christoph Giese)

Jazz-Musiker Nicolas Simion

Schon bei den Proben verständigen sich die Musiker in mindestens drei Sprachen: Rumänisch, Deutsch und Englisch. Auch die beiden unterschiedlichen Musikstile, die das Projekt "Classic meets Jazz" zusammen bringt, scheinen manchmal wie unterschiedliche Sprachen zu sein - in denen man aber auf faszinierende Weise miteinander und mit dem Publikum kommunizieren kann. "Das Schöne an dieser Mischung zwischen neuer klassischer Musik und Jazz ist, dass man versucht, sich irgendwo in der Mitte zu treffen und genug Raum für Improvisation zu finden, um das Ganze doch organisch zu gestalten", sagt der Jazz-Musiker Nicolas Simion, der das Projekt "Classic meets Jazz" ins Leben gerufen hat.

Die Idee zum Projekt entstand vor 25 Jahren

Simion beim Konzert in Bonn (Foto: DW)

Simion beim Konzert in Bonn

Der rumänischstämmige Künstler lebt seit 1997 in Köln. Mit klassischer Musik hat er sich schon seit der Schulzeit beschäftigt. In Bukarest studierte er an der Musikakademie, und in den frühen 80er Jahren gründete er in Rumänien seine erste Band, die nach kurzer Zeit zur erfolgreichsten Jazzformation des Landes wurde.

Das Projekt "Classic meets Jazz" ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Seine Idee, originelle Dialoge zwischen einer Jazz-Combo und einem Symphonieorchester zu erschaffen, entstand schon vor mindestens 25 Jahren, erinnert sich Nicolas Simion. Und das ist ihm auf meisterhafte Weise gelungen: zum Beispiel in seiner eigenen Komposition "Prayer" (Gebet). "Dieses Stück ist eine Widmung für meine Mutter, die sehr religiös ist", erzählt Nicolas Simion. "Auch wenn ich keine Kirchenlieder direkt zitiert habe, eher Stimmungen – die Musik transportiert diese Ruhe, den Glauben und die Hoffnung."

Eine spannende Premiere für die Musiker

Auch für die Jazzmusiker aus der Nicolas Simion Group - Antonis Anissegos, Chris Dahlgren, Alan Jones, Florian Stadler und Norbert Scholly - ist das Projekt "Classic meets Jazz" eine spannende Premiere. "Das Besondere an dieser Sache ist, dass zum ersten Mal jeder aus der Gruppe die Möglichkeit hatte, eine Komposition zu schreiben für ein Orchester", erklärt der deutsche Jazz-Gitarrist Norbert Scholly. In seiner Komposition "Piece for Strings and Jazz Ensemble" beschreibt er einen Zustand der völligen Entspannung.

Auch die rumänischen Komponisten Sabin Pautza, Dan Dediu und Cristian Marina schrieben eigens für dieses Projekt Stücke, die im Spannungsfeld zwischen Jazz und neuer klassischer Musik angesiedelt sind. In "Spiele IX" (Ecchos) von Sabin Pautza finden sich melodisch-rhythmische Elemente der rumänischen Folklore wieder.

Die Phantasie des Jazz fasziniert auch den Dirigenten

Dirigent Sabin Pautza (Foto: DW)

Dirigent Sabin Pautza

Der rumänische Komponist Sabin Pautza, Ende der 80er Jahre künstlerischer Leiter des ältesten Symphonieorchesters in Pennsylvania/USA, hat schon in den berühmtesten Konzertsälen der Welt - wie der Carnegie Hall in New York - eigene Kompositionen dirigiert. Am 22. März leitete er das Konzert "Classic meets Jazz" in der Bundeskunsthalle in Bonn. Die Zusammenarbeit mit den Jazzmusikern und dem Symphonieorchester aus der rumänischen Stadt Brasov sei ihn sehr spannend, "weil man im Jazz so viel Phantasie braucht und immer spontan sein muss, um das selber mitzubringen, was nicht in den Partituren steht."

Vor dem Auftritt in Deutschland wurde das Konzert schon zwei Mal gespielt. "Und jedes Mal klingen die Improvisationen im Jazz anders", meint der Dirigent. Klassik und Jazz zusammen zu bringen, ohne dass das Ergebnis wie ein Stilbruch wirkt, ist eine große Herausforderung für Musiker. Das sagt auch der Jazz-Pianist Antonis Anissegos.

Die Suche nach einer eigenen Sprache

Das Kammerorchester aus Brasov (Kronstadt)

Das Kammerorchester aus Brasov (Kronstadt)

"Einerseits ist das eine Art Utopie - sich in der Mitte zu treffen mit der Jazz-Combo und dem Orchester", sagt der aus Griechenland stammende Musiker, der heute in Berlin lebt. Beim Komponieren seines Stücks habe er es bewusst vermieden, bekannte Stile zu verwenden: "Ich habe nicht eindeutig einen Jazzstil oder klassischen Stil verwendet, sondern eine eigene Sprache gesucht und beide Ensembles in diese Welt eingeladen."

In der Komposition "Nau" ("Neun" auf Esperanto) von Antonis Anissegos ist es eine Welt, in der alle Instrumente gleichberechtigt sind und in der Noten und Rhythmen als Interpretationen der Zahlenmuster aus der Theorie des Wissenschaftlers Marco Rodin auftreten. Erfrischend anders, geistvoll und voller innerer Spannung - das Projekt "Classic meets Jazz" zeigt, dass gerade die Widersprüche von verschiedenen Stilen zu einer eigenwilligen Harmonie führen können: eine sehr empfehlenswerte CD, nicht nur für Jazz- und Klassik-Fans.

Autorin: Alexandra Scherle

Redaktion: Robert Schwartz