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Fokus Osteuropa

Brücke von Mitrovica wieder freigegeben

Die KFOR hat die Kontrolle über die Brücke in Mitrovica der kosovarischen Polizei übergeben. Mit diesem Schritt sind große Hoffnungen verbunden: sind die ethnischen Spannungen zwischen Albanern und Serben überwunden?

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Noch im vergangenen Jahr kam es in Mitrovica zu ethnischen Unruhen

„Brücke der Freundschaft“, „ Brücke der Zusammenarbeit“ oder „Brücke der Verbindung und Kommunikation“, so werden Brücken üblicherweise bezeichnet. Dies gilt aber nicht für die Mitrovica-Brücke über dem Fluss Ibar: Diese Brücke war in den letzten sechs Jahren Symbol der Trennung, der Konflikte und sogar des Blutvergießens. An dieser Stelle wurden noch im März letzten Jahres mehrere Menschen ermordet. Seitdem herrscht dort Ruhe. Am vergangenen Montag (6.6.) wurde die Kontrolle über die Brücke der kosovarischen Polizei, die aus Albanern, Serben und Vertretern anderer Nationalitäten zusammengesetzt ist, übergeben. Am Anfang wird die Brücke nur für eine Stunde täglich benutzt werden dürfen, demnächst steht sie wieder 24 Stunden am Tag für den Verkehr offen.

Trend der Entspannung fortsetzen

Oliver Ivanovic, Vertreter der „Serbischen Liste“ im Parlament in Pristina, ist der Meinung, die Übergabe der Brücke werde nicht viel verändern, weil „die kosovarische Polizei im Norden dieser Provinz sowieso meistens aus Serben besteht. Das sind die Einheimischen, die das Vertrauen der dortigen Bevölkerung sowieso schon jetzt genießen“, sagt Ivanovic.

Der Präsident des Bezirks Mitrovica-Süd, Faruk Spahija, hofft dagegen, dass dieser Schritt eine klare symbolische Botschaft senden wird, und dass der Trend der Entspannung der Beziehungen zwischen Albanern, Serben und anderen ethnischen Gemeinschaften sich fortsetzen wird. Dabei hebt er insbesondere die Rolle der Bürger hervor: „Die Eröffnung der Brücke ist in erster Linie durch das Engagement der Bürger ermöglicht worden, da wir schon längere Zeit in Mitrovica keine nennenswerten Zwischenfälle verzeichnen mussten. Dabei ist die Zusammenarbeit zwischen KFOR, UNMIK und Behörden auf lokaler Ebene in diesem für Mitrovica sehr wichtigen und zentralen Objekt zu erwähnen“, so Spahija. Er selbst ist überzeugt, dass die Kosovo-Polizei ihre neue Aufgabe erfolgreich bewältigen wird.

Sollten keine bedeutenden Zwischenfälle in näherer Zukunft auftreten, wird die Brücke zwischen dem 13.-19. Juni täglich jeweils sechs Stunden für Fahrzeuge freigegeben. Die unbegrenzte Freigabe für den Verkehr ist für den 18. Juli geplant. Ivanovic betont aber, diesem Akt solle keine allzu große politische Bedeutung beigemessen werden, schließlich „sei es normal, dass die Polizei für Sicherheit sorge und den Verkehr regele. Die Brücke sei sowieso nie mit LKWs und Sandsäcken kontrolliert worden“.

Zusammenarbeit ist entscheidend

Faruk Spahija hat die Hoffnung, die Brücke werde endlich wieder ihren Zweck erfüllen: Menschen zu verbinden, und nicht zu trennen: „Es sollte auf jeden Fall eine Brücke der Verbindung werden. In letzter Zeit hatten wir eine ganze Reihe von Projekten, die gezeigt haben, dass die Bürger selbst Initiative ergreifen und helfen wollen – besonders dann, wenn es um ihren Alltag geht. In diesen Projekten haben die Vertreter aller Nationalitäten zusammengearbeitet, Albaner, Serben und andere. Wir sind davon überzeugt, dass dies der Wille aller Bürger Mitrovicas ist“, erklärt Spahija. Sein Optimismus basiert auf dem Beispiel des bosnischen Viertels in Mitrovica, wo man, wie er sagt, auf der Straße immer öfter Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft im Gespräch sehen kann: Erwachsene, vor allem aber Kinder.

Bahri Cani,

DW-RADIO/Albanisch, 7.6.2005, Fokus Ost-Südost

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