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Afrika

Brüchiger Frieden im Südsudan

22 Jahre lang wütete der Bürgerkrieg im Südsudan, dessen Ende vor fünf Jahren mit einem Friedensvertrag besiegelt wurde. 2011 soll nun über eine Unabhängigkeit des Südens abgestimmt werden. Doch die Angst wächst.

UN-Hauptmann Soerro aus Brasilien und Major Rashid aus Tansania (Foto: Daniel Pelz)

UN-Soldaten im Einsatz

Nachmittags um zwei rücken die beiden Männer aus, die heute in der Stadt Wao den Frieden sichern sollen. Hauptmann Renato Soerro aus Brasilien und Major Abdul-Razack Rashid aus Tansania stecken beide in grau-grünen Militäruniformen, auf der rechten Schulter prangt das blaue Zeichen der Vereinten Nationen. Sie sind zwei der 10.000 UN-Soldaten im Sudan. In ihrem weißen Geländewagen fahren sie auf Streife durch Wao, der zweitgrößten Stadt des Südsudan. Am Ausgang des UN-Stützpunktes sind Sandsäcke aufgetürmt, hinter denen ein Maschinengewehr aufgebaut ist. Kenianische Blauhelme starren mit Ferngläsern in Richtung Stadt, doch bisher hat die Morgen-Patroullie noch keine besonderen Vorkommnisse gemeldet. Im Gegensatz zu anderen Gegenden ist Wao ein ruhiges und friedliches Revier, sagt Hauptmann Soerro. "Insbesondere in der Nähe der Grenze zwischen Nord- und Südsudan ist die Lage anders als hier in Wao. Es gibt Konflikte wegen des Grenzverlaufes und wegen der Ölfelder." Außerdem gebe es dort auch ethnische Auseinandersetzungen, so der Hauptmann. Der freundliche UN-Beobachter drückt es diplomatisch aus, denn die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache: Gerade erst gab es wieder 100 Tote bei Zusammenstößen zwischen verschiedenen Volksgruppen. Eine Hinterlassenschaft des Krieges, als die nordsudanesische Regierung verschiedene Ethnien mit Waffen versorgte, als Gegengewicht zu den Rebellen.

Schleppender Friedensprozess

UN-Beobachter fahren durch Wao (Foto: Daniel Pelz)

UN-Streife durch die Stadt Wao

Doch auch in Wao klappt es nicht immer mit dem Friedensvertrag. Die UN-Beobachter merken es, als sie einen weißen Torbogen durchqueren. Verblichene arabische Schriftzeichen prangen darauf. Hinter dem verlassenen Wachhäuschen liegen weiße und braune Baracken. Das ist das Quartier der gemeinsamen Einheiten aus Nordsudanesischer Armee und der früheren Rebellen der südsudanesischen Volksbefreiungsfront, kurz SPLA. Der Friedensvertrag von 2005 setzte sie ein mit dem Ziel, sie zur Kernzelle einer gemeinsamen Armee werden zu lassen. Doch die Kasernen sind ausgestorben. Einige Männer sitzen unter den ausladenden Ästen eines Mangobaumes, ein Soldat in verblichener Uniform schiebt ein Fahrrad. "Die Soldaten machen gemeinsames Ausdauertraining. Aber wir haben noch nie gesehen, dass sie gemeinsam eine militärische Ausbildung absolvieren, oder auf Manöver gehen." Den größten Teil des Tages säßen die Männer, getrennt nach nordsudanesischen und südsudanesischen Soldaten, einfach in der Kaserne, sagt Soerro.

Unabhängigkeit als einziger Ausweg?

Ein Schild warnt vor Landminen im Südsudan (Foto: Daniel Pelz)

Tödliche Gefahr - Landminen sind allgegenwärtig

Für viele Südsudanesen ist das nur ein weiterer Beweis, dass das Friedensabkommen nicht funktioniert. Ein Kommandant der früheren Rebellen-Armee SPLA ist bereit, dass auch ins Mikrofon zu sagen. Seinen Namen möchte er aber nicht im Radio hören. Er ist baumlang und sein T-Shirt ziert ein Bild des verstorbenen Rebellenführers John Garang. "Wir sind doch immer noch im Krieg“, sagt er, als das Aufnahmegerät noch aus ist. Denn eine Zusammenarbeit mit dem Norden ist für ihn nach 22 Jahren Konflikt undenkbar – militärisch und politisch. "Wir können nicht mit jemandem zusammenarbeiten, der uns besetzt hat, der uns unsere Rechte gestohlen hat, der uns gekränkt hat. Der uns wie Diener oder Sklaven behandelt." Gleichberechtigt seien sie nie gewesen und im Süden gebe es immer noch keine Schulen, keine Straßen und keine Krankenhäuser - es gebe gar nichts, sagt der Kommandant. Wie für viele Südsudanesen kommt für ihn nur die Unabhängigkeit in Frage, wenn 2011 die Übergangsperiode endet. Er lacht nur auf die Frage, ob der Südsudan wirklich Waffen gekauft hat und seine Truppen an der Grenze zum Norden in Stellung gebracht hat. Der Norden habe doch schließlich viel mehr.

Die Angst bleibt

Die Überreste eines panzers im Südsudan (Foto: Daniel Pelz)

Überreste eines Panzers

Den UN-Beobachtern Renato Soerro und Abdul-Razak Rashid bietet sich auf der Streife ein friedliches Bild im Stadtzentrum von Wao. Rechts und links stehen einstöckige, flache Steinhäuser, vor denen junge Männer Fahrräder reparieren und Händler den Anwohnern Sonnenbrillen, Waschmittel und Radios anbieten. Eine Gruppe Jungen in blauen Schuluniformen läuft an den Häusern vorbei. Seit einem Jahr hat Wao Strom und die Handymasten schießen förmlich in die Höhe. Doch auf ihren Patrouillien merken die UN-Blauhelme, wie tief die Angst vor einem neuen Krieg sitzt. Zum Beispiel, als der internationale Gerichtshof vor wenigen Wochen ein Urteil zur Grenzziehung zwischen Nord und Süd fällte. "Die Stadt war ausgestorben. Die Menschen saßen zuhause, das Radio ans Ohr gepresst, in der Hoffnung, Informationen darüber zu bekommen, ob es Truppenbewegungen im Sudan gibt. Es lag richtig Spannung über der Stadt", sagt Soerro.

Nach anderthalb Stunden sind Renato Soerro und Abdul-Razak Rashid wieder am UN-Stützpunkt angekommen. Über Funk melden sie das Ende der Patrouillie. Für heute herrscht Frieden in Wao.

Autor: Daniel Pelz

Redaktion: Michaela Paul

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