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Aktuell Nahost

Brüchige Waffenruhe im Jemen

Mit dem Beginn neuer Friedensverhandlungen für den Jemen ist in dem Bürgerkriegsland eine Waffenruhe in Kraft getreten - zumindest theoretisch: Schon gibt es Vorwürfe, die Huthi-Rebellen hätten sie gebrochen.

Anhänger der Huthi-Bewegung Ende November in Sanaa bei einer Demonstration gegen die saudischen Luftangriffe (Foto: Reuters)

Anhänger der Huthi-Bewegung Ende November in Sanaa bei einer Demonstration gegen die saudischen Luftangriffe

Seit Monaten versinkt der Jemen in einem Bürgerkrieg, jetzt gibt es mit Friedensverhandlungen neue Hoffnung für das bitterarme Land. Die einwöchige Waffenruhe, die mit den Gesprächen begann, sei der erste wichtige Schritt bei dem Versuch, die Feindseligkeiten zu beenden und einen dauerhaften Frieden zu schaffen, erklärte der UN-Sondergesandte Ismail Ould Cheikh Ahmed. Ein Scheitern der Friedensgespräche hätte für das Land und die Menschen katastrophale Folgen, warnte er.

Unter UN-Vermittlung trafen sich in dem Schweizer Ort Magglingen Vertreter der Regierung und der schiitischen Huthi-Rebellen, um über eine Beendigung der Krise zu beraten. Ziel der UN-vermittelten Verhandlungen sei es, "eine dauerhafte Beilegung der Krise im Jemen zu erreichen", sagte UN-Sprecher Ahmad Fawzi. Nach seinen Angaben nahmen an den Gesprächen zwölf Unterhändler und sechs Berater von beiden Konfliktparteien teil. "Diese Verhandlungen sollen für einen dauerhaften und umfassenden Waffenstillstand, für mehr Sicherheit, für eine bessere humanitäre Situation sowie für eine Rückkehr zu einem friedlichen und geordneten Übergang sorgen", sagte Fawzi.

Mohammed Abdul-Salam, Leiter der Huthi-Delegation in Genf (Foto: Reuters)

Mohammed Abdul-Salam, Leiter der Huthi-Delegation in Genf

Gegner der Huthis warfen den Rebellen und ihren Verbündeten vor, die Waffenruhe in mehreren Provinzen gebrochen zu haben. Ein führender Vertreter der Huthi-Partei Ansar Allah wies die Meldungen zurück. "Wir halten uns an den Waffenstillstand", erklärte Ali al-Kahum. Die Huthi-Rebellen hatten sich im Vorfeld nicht offiziell zu der Feuerpause bekannt. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, nach Beginn der Waffenruhe um 12.00 Uhr (Ortszeit) sei mancherorts weiter Gefechtslärm zu hören gewesen.

Im Jemen tobt seit Monaten ein Bürgerkrieg. Erste Friedensverhandlungen in der Schweiz waren im Juni gescheitert. Die Huthi-Rebellen haben große Teile des Jemens unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt Sanaa. Verbündet sind sie mit Anhängern des früheren Langzeitherrschers Ali Abdullah Saleh, der 2012 im Zuge des arabischen Aufstands die Macht abgeben musste. Die Rebellen kämpfen gegen Anhänger von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, den die Rebellen aus Sanaa vertrieben haben.

Komplexe Konfliktlinien

Kompliziert ist die Lage im Jemen auch deswegen, weil es viele unterschiedliche Interessen gibt. Hadi ist verbündet mit Kräften, die eine Abspaltung des früheren Südjemens vorantreiben wollen. Vor Ort kämpfen häufig lokale Gruppen mit eigener Agenda sowie der jemenitische Ableger der Terrororganisation Al-Kaida gegen die Huthis.

Seit März bombardiert zudem eine von Saudi-Arabien geführte Koalition die Rebellen und ihre Verbündeten aus der Luft. Das sunnitische Königreich wirft ihnen vor, vom schiitischen Iran unterstützt zu werden. Riad betrachtet Teheran als seinen Erzrivalen.

Große Teile der Infrastruktur im Jemen sind zerstört. Die UN hatten zuletzt im November auf die verheerende humanitäre Lage im Land hingewiesen. Mehr als 14 Millionen Menschen hätten keinen gesicherten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Seit März wurden nach UN-Angaben mehr als 5700 Menschen getötet, rund 2,5 Millionen Jemeniten wurden vertrieben.

stu/fab (afp, dpa)

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