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Europa

Brötchen für Europa aus Bosnien

Die Bäckerei Klas prosperiert durch den Handel mit der EU - eine der wenigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten aus Bosnien. Denn die Bedingungen sind für Unternehmer schwierig. Daniel Heinrich aus Sarajevo.

Mirsad Zuyd, Bäckermeister aus Sarajevo (Foto: DW/Heinrich)

Mirsad Zuyd lässt sich von den schwierigen Verhältnissen in seiner Heimat nicht entmutigen

An Bäckermeister Mirsad Zuyd ist alles breit: Die Schultern, der Bauch, die Hände. Es ist fünf Uhr morgens, es ist viel zu früh - und trotzdem ist auch sein Grinsen breit, als er dem DW-Reporter in der riesigen Produktionshalle der Großbäckerei am Rande Sarajevos die Hand entgegenstreckt. Im Akkord rollen die frischen Brote auf blauen Bändern vorbei. Produktionsleiter Zuyd ist zufrieden.

"Es läuft richtig gut - vor allem während des Ramadan haben die Leute unsere Produkte wie verrückt gekauft." In den letzten drei Jahren konnte die Bäckerei ihren Umsatz um fast ein Drittel auf knapp vierzig Millionen Euro steigern, sagt er im Gespräch mit der DW: "Mich freut es vor allem für unsere Mitarbeiter. Viele von ihnen sind überhaupt froh, dass sie Arbeit haben."

Zuyds Arbeitgeber, die Bäckerei Klas, ist eine der wenigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten in Bosnien-Herzegowina. Der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung im kleinen Balkan-Staat, Karsten Dümmel, kennt sich mit schwierigen Rahmenbedingungen aus. In der DDR hat er als Bürgerrechtler gegen den Unrechtsstaat opponiert, in Afrika jahrelang im Umfeld korrupter politischer Systeme gearbeitet. Aus seiner Sicht sei in Bosnien-Herzegowina ein ganz bestimmter "Typ" gefragt, um als Unternehmer Erfolg zu haben: "Die meisten Leute, die hier wirtschaftlich erfolgreich sind, waren jahrelang im Ausland und haben sich dort kreativ ausleben können. Die kommen zurück und schaffen es mit dicken Ellenbogen und großen Ideen, sich hier durchzusetzen. Aber das ist nicht in der Gewohnheit der Menschen drin."

"Keine Transparenz auf dem Markt"

Einer, der diese unternehmerische Durchsetzungskraft, aber auch die ständigen Kämpfe mit verkrusteten politischen Strukturen verkörpert, ist Rusmir Hrvic. Er ist der Geschäftsführer der AS-Group, einem Firmenkonglomerat, das in Bosnien mehr als 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktpalette reicht von Lebensmitteln bis zu Textilien. Trotz seines jugendlichen Auftretens sieht er müde aus im hauseigenen Maßanzug. Er spricht aus, was viele Unternehmer im Land denken.

"Ich sehe die größten Schwierigkeiten in der Gesetzeslage. Da muss viel mehr getan werden", seufzt der Unternehmer: Es gebe keine Transparenz auf dem Markt in Bosnien." Vor allem bei Exporten in die EU "verschläft unsere Politik eine Gelegenheit nach der anderen, die bosnischen Gesetze an EU-Normen anzupassen".

Karsten Dümmel , Lieter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajevo (Foto: DW/Heinrich)

Karsten Dümmel: Bosnische Unternehmer mit Auslandserfahrung schaffen es am ehesten

Viele im Land scheint die Mischung aus Korruption und Vetternwirtschaft zu lähmen. Das bestätigt auch Charlotte Hermelink, Leiterin des Goethe-Instituts in Sarajevo. "Meine Beobachtung ist, dass Politiker für sich und ihre Freunde und ihre Verwandte, ihre Seilschaften und für ihre Ethnien arbeiten: Das gilt für Bosniaken, Kroaten oder Serben gleichermaßen", sagt sie im Gespräch mit der DW: "Es gibt einfach keinen Begriff für das, was man in Deutschland unter 'Allgemeinwohl' versteht, dem man als Politiker verpflichtet ist, ganz unabhängig von der politischen Parteizugehörigkeit."

Politik und Wirtschaft: Gegeneinander statt miteinander

Auch die Zahlen geben Hermelink Recht. Transparency International listet Bosnien-Herzegowina im aktuellen Korruptionsindex weltweit auf Platz 76. Damit liegt das Land hinter Jamaika oder El Salvador. Für Karsten Dümmel gibt es einen klaren Frontverlauf zwischen Wirtschaft und Politik. Gegeneinander statt miteinander scheint das Motto zu sein: "Wenn ich hier mit Firmenchefs zusammentreffe, egal aus welchem Bereich, dann haben die einen Satz für mich: 'Haltet uns die Politik vom Leib, damit wir arbeiten können.' Das sagt eigentlich schon alles aus."

Zurück in der Morgendämmerung, zurück in der Großbäckerei Klas, zuckt Mirsad Zuyd nur leicht mit den Schultern. Er kennt die Zahlen, er kennt die Verhältnisse. Er ist damit groß geworden, sie bestimmen seinen Alltag. Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, will er sich seine gute Laune nicht verderben lassen. Die Erfolgsgeschichte von Klas geht für ihn weiter.

"Zum einen wollen wir noch mehr exportieren. Europa ist so ein großer Markt, der uns so viele Chancen bietet." Zum anderen wollen er und seine Kollegen mit ihrer Geschichte auch ein Signal an die eigenen Landsleute senden: "Seht her: Wir haben es geschafft, trotz dieser ganzen Schwierigkeiten in unserem Land." Und wenn sie es schaffen könnten, sagt er zum Abschied: "Heißt das, dass auch im Rest des Landes Erfolgsgeschichten möglich sind."

Es sind nicht nur seine breiten Unterarme und sein Lächeln, die einen an diesem Morgen glauben lassen, dass er Recht behalten könnte.