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Politik

Boykott-Aufruf überschattet Wahl in Afghanistan

Die erste demokratische Wahl in der Geschichte Afghanistans ist vorüber. Bereits als sie noch lief, zeichnete sich ein Fiasko ab: 14 Kandidaten riefen wegen falscher Farbmarkierungen zum Boykott der Wahl auf.

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Streit um falsche Farbe am Finger

Bei der ersten freien und demokratischen Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist es am Samstag (8.10.2004) zu Unregelmäßigkeiten gekommen. In einigen Wahllokalen der Hauptstadt Kabul war die Tinte, mit der die Daumen der Wähler zur Verhinderung mehrfacher Stimmabgaben markiert werden sollten, abwaschbar. Das berichteten Wahlbeobachter und Wähler.

Wahlkampf in Afghanistan

Wahlkampf in Afghanistan

Der Sprecher der nationalen Wahlkommission Faruk Wardak sagte, dass in einigen Wahllokalen aufgrund von Verwechslungen statt der wasserunlöslichen Tinte zur Markierung der Daumen eine eigentlich für die Stimmzettel gedachte Tinte benutzt wurde. Um mehrfache Stimmabgaben zu verhindern, werden die Daumen der Wähler mit der Tinte markiert, die erst nach einigen Tagen abwaschbar ist. Die Wahlkommission hatte sich auf dieses System geeinigt, da es in dem riesigen und schwer zugänglichen Afghanistan kein öffentliches Meldesystem gibt und anders kaum zu verhindern ist, dass sich Bürger mehrere Wählerkarten erschleichen und in verschiedenen Wahllokalen gleich mehrfach zur Urne gehen.

"Keine legitime Wahl"

Der Urnengang wurde zwar fortgesetzt. Jedoch nahmen 14 der gegen Amtsinhaber Hamid Karsai angetretenen Kandidaten das Problem zum Anlass, zum Boykott der Wahl aufzurufen. Sie forderten, das Ergebnis nicht anzuerkennen. "Die heutige Wahl ist keine legitime Wahl. Wir nehmen an der heutigen Wahl nicht teil", sagte der Kandidat Abdul Satar Serat nach einem Treffen von Kandidaten oder deren Vertretern in Kabul, als die Wahl bereits lief. Die Kandidaten hätten eine entsprechende Erklärung unterschrieben und forderten in einer Petition den Abbruch der Wahl, so Sirat nach den Beratungen, die in seiner Wohnung stattfanden.

Die Wahlbehörde lehnt es nach einer Krisensitzung jedoch ab, die Wahl abzubrechen und bereits abgegebene Stimmen für ungültig zu erklären.

Amtsinhaber Hamid Karsai sprach bei der Stimmabgabe von "einem großen Tag für das afghanische Volk".

Sicherheitsprobleme

Insgesamt bewarben sich 18 Politiker um das Präsidentenamt. Zwei hatten jedoch bereits vor der Abstimmung ihre Kandidatur zurückgezogen, standen aber dennoch auf den Wahlzetteln.

Die Wahllokale schlossen am Samstagabend (Ortszeit / 15.30 Uhr MESZ), obwohl immer noch Wähler anstanden, um ihre Stimme abzugeben. Sie hatten zwei Stunden länger als geplant geöffnet. Bis zum Montag wurde mit ersten Trends gerechnet. Die afghanische Wahlbehörde will am 30. Oktober
das Endergebnis verkünden. Sollte es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen kommen, soll diese am 20. November stattfinden.

Die Abstimmung fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt, da die Taliban-Milizen gedroht hatten, die Wahl mit Gewalttaten stören zu wollen. Der Sprecher der Taliban, Abdul Latif Hakimi, teilte am Samstag mit, bei Kämpfen in der Provinz Farah im Westen des Landes seien acht afghanische Soldaten getötet worden. In der südafghanischen Provinz Urusgan hätten Rebellen vier Menschen erschossen. In der südostafghanischen Provinz Paktika sei es zu schweren Kämpfen gekommen. In den südafghanischen Provinzen Helmand und Sabul seien zehn Raketen abgefeuert worden. Keiner dieser Vorfälle wurde vom Verteidigungsministerium bestätigt. (mas)

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