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Sport

Boxer Cruz: "Ich bin ein stolzer, schwuler Mann"

Orlando Cruz ist weltweit der erste Spitzen-Boxer, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Sein Outing ist ein Paukenschlag in der Faustkampf-Szene – und könnte eine Signalwirkung für andere Sportarten haben.

Boxer Orlando Cruz in Puerto Rico (Foto:Dennis M. Rivera Pichardo/AP/dapd).

Boxer Orlando Cruz in Puerto Rico

Bisher hatte Orlando Cruz allenfalls unter Boxexperten einen klingenden Namen, seit dem 5. Oktober 2012 kennt ihn die ganze Welt. Dafür sorgte er aber nicht mit seinen Fäusten im Ring. Es waren seine Worte, die ihm den plötzlichen Ruhm bescherten: Er sei ein "stolzer, schwuler Mann", sagte der 31-Jährige der Nachrichtenagentur AP. "Ich habe mehr als 24 Jahre für meine Karriere gekämpft. Dabei wollte ich immer zu dem stehen, was ich mache", erklärte der siebenmalige Landesmeister Puerto Ricos. Damit gilt er als erster aktiver Profiboxer, der sich zu seiner Homosexualität bekennt.

Die Pressemitteilung von Orlando Cruz war nur wenige Sätze lang, doch sie zerschmetterte eines der größten Klischees, die das Profiboxen zu bieten hat: Boxer und schwul? Das schien unmöglich. Cruz wollte ein Tabu brechen in der Harte-Männer-Welt des Boxens. Er sagte, er wolle für Kinder ein Vorbild sein, die im Boxen eine berufliche Karriere anstrebten. "Ich war und werde ein stolzer Puerto Ricaner sein, und ich war und werde immer ein stolzer Homosexueller sein", so Cruz.

Chance auf einen WM-Kampf

Orlando Cruz stammt aus Puerto Rico, das als ausgesprochen liberal gilt. Sportlich kann er auf eine beeindruckende Bilanz verweisen. 18 seiner 21 Profikämpfe hat er gewonnen, neun davon durch K.o. In zwei Wochen wird er nun umso mehr im Rampenlicht stehen. Denn am 19. Oktober tritt er in Florida gegen den Mexikaner Jorge Pazos an. Es geht um die Krone im Federgewicht des Nordamerika-Verbandes NABO. Mit einem Sieg, wäre er Anwärter auf einen großen WBO-Titelkampf. Sein öffentlichkeitswirksames Outing könnte ihm dabei sogar helfen, denn Profi-Boxen ist auch seit jeher ein Geschäft mit prominenten Namen.

Boxer Orlando Cruz in Puerto Rico (Foto:Dennis M. Rivera Pichardo/AP/dapd).

Schwul und selbstbewusst: Boxer Orlando Cruz könnte zum Vorbild für andere werden

Ein Outing eines schwulen Profiboxers hat es noch nicht gegeben. Der Amerikaner Emile Giffith, in den 60er und 70er Jahren Weltmeister im Welter-, Halbmittel- und Mittelgewicht, outete sich nach dem Ende seiner Karriere als bisexuell. Die Bekenntnisse des heute 74-Jährigen in einem 2008 veröffentlichten Buch gehören zu den wenigen Dokumenten, die den Profisport mit Homosexualität in Verbindung bringen. "Ich muss immer daran denken, wie seltsam das ist. Ich töte einen Mann, und die meisten Leute verstehen das und verzeihen mir. Hingegen, ich liebe einen Mann, und so viele halten das für eine unverzeihliche Sünde, was mich zu einem schlechten Menschen macht", schrieb Griffith, der mit 310 gekämpften WM-Runden bis heute einen Weltrekord hält

Jeder geoutete Sportler "ein Leuchtturm"

Die Reaktionen auf Cruz' Schritt waren positiv: So lobte Ex-Weltmeister Henry Maske Cruz für dessen "sehr mutigen Schritt", ergänzte aber vielsagend: "Er muss schon wissen, was alles auf ihn zukommt." Generell glaubt Maske nicht, dass Cruz an möglichen Anfeindungen oder Beschimpfungen im Ring zerbrechen werde. Gunter A. Pilz, renommierter Sportsoziologe aus Hannover, glaubt, das Cruz' Outing kein Nachteil für ihn ist – und zugleich ein wichtiger Schritt für die Sportwelt. "Vielleicht hilft er auch grundsätzlich, den Irrglauben zu korrigieren, Schwule seien grundsätzlich verweichlicht. Schwul gleich schwach gleich nicht männlich - wie es auch in den jüngsten Diskussionen im Fußball immer heißt -, das hebelt er voll aus." Der Soziologe geht "eher nicht davon aus", dass Cruz als Nestbeschmutzer der Männerszene Boxen betrachtet und angefeindet werden könnte. Jeder Sportler, der sich oute, sei "momentan ein Leuchtturm".