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Bildung

Boxen für die Bildung

Er hat sich vom Heimkind zum Betriebsratschef von Porsche hochgeboxt. In seiner Freizeit engagiert sich Uwe Hück für benachteiligte Jugendliche. Dafür machte ihn die didacta jetzt zum "Bildungsbotschafter 2013".

Foto 4357 zeigt den Betriebsratschef von Porsche Deutschland, Uwe Hück, beim Thaibox-Training mit benachteiligten Jugendlichen im Pforzheimer Sportverein FSV Buckenberg. Für sein Engagement erhielt Hück auf der didacta 2013 den Titel des Bildungsbotschafters. Das Bild wurde der Deutschen Welle für ein Portrait Hücks kostenfrei von Porsche zur Verfügung gestellt

Bildungsbotschafter Uwe Hück

Sie dreschen auf den Boxsack ein, als ginge es um ihr Leben. Sie schreien, laufen und lachen. Beim Thaibox-Traning im Pforzheimer Stadtteil Buckenberg zeigen die Jungen buchstäblich, was in ihnen steckt. Und das ist mehr als Aggression, Gewalt und Gleichgültigkeit. "Gut achtzig Prozent der Jugendlichen, die ich hier trainiere, sind ehrgeizig und begeistert", sagt Uwe Hück. "Sie möchten aus ihrem Leben etwas Gutes machen und dabei will ich ihnen helfen."

Was es heißt, sich in seinem Leben durchboxen zu müssen, weiß Hück sehr genau. Er hat es vom Heimkind und Sonderschüler zum Betriebsratschef und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG geschafft. Von ganz unten also nach ganz oben. Seine Kontakte in Wirtschaft und Politik nutzt der 50-jährige Betriebsratschef heute, um denen zu helfen, die - genau wie er damals – keine gute Perspektive in der deutschen Gesellschaft haben. Dafür hat ihn die Bildungsmesse didacta zum "Bildungsbotschafter 2013" ernannt.

Mit Respekt und Disziplin

Foto 0375 zeigt den Betriebsratschef von Porsche Deutschland, Uwe Hück, beim Thaibox-Training mit benachteiligten Jugendlichen im Pforzheimer Sportverein FSV Buckenberg. Für sein Engagement erhielt Hück auf der didacta 2013 den Titel des Bildungsbotschafters. Das Bild wurde der Deutschen Welle für ein Portrait Hücks kostenfrei von Porsche zur Verfügung gestellt

Bildungsbotschafter Uwe Hück

Zugang zu den Jungen, unter denen viele Migranten, Schulabbrecher und jugendliche Straftäter sind, findet Hück über das Boxen. Er trainiert die jungen Männer zweimal in der Woche, hört ihnen zu, hilft bei Bewerbungen, sorgt für Nachhilfe in der Schule, ermutigt, tröstet und diszipliniert die Jugendlichen. Die jüngsten Sportler, die bei Hück trainieren, sind 12 Jahre alt, die ältesten schon über 30 Jahre. "Wir lernen zuerst Disziplin, dann die Kampfkunst", erzählt Branislaw. "Und wenn wir nicht respektvoll miteinander umgehen, gibt es von Uwe auch schon mal einen auf die Mütze."

Schließlich kommt es auf die Haltung an. Nicht nur im Sport, auch im Leben. Davon ist Uwe Hück überzeugt und das bringt er den Jungs in den Trainingsstunden bei. "Ihr könnt Fehler machen, aber daraus lernen. Doch was ihr niemals dürft, ist wegschauen", betont er, "ihr müsst vor jedem Respekt haben." Und so erzählt der Betriebsratschef davon, dass er alle Arbeiter auf dem Werksgelände des Weltkonzerns grüßt, auch die Straßenreiniger.

Kampf für Gerechtigkeit

Respekt ist das, was Hück in seiner Kindheit wohl am meisten vermisst hat. Seine Eltern verlor er früh, lebte in verschiedenen Kinderheimen und entwickelte dort ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit. Gerne erzählt er, wie er den Erzieher anging, weil er sich alleine Wurst und Käse aufs Butterbrot gönnte, wie er in der Disco Vietnamesen gegen bullige GI's verteidigte. Und wie er sich gegen den Meister in der Porsche-Lackiererei auflehnte, weil er ständig die Mitarbeiter demütigte.

"Je mehr Widerstand ich bekomme, desto stärker bin ich", betont Hück. Im Heim traute dem aufsässigen Jungen niemand zu, dass er den Sprung von der Sonder- zur Hauptschule schaffen würde. Nach einem sehr guten Abschluss organisierte er sich als 15-Jähriger selbst eine Lehrstelle als Maler. Ein berühmter Kämpfer wollte Hück werden. Er entdeckte das Thaiboxen, das Schlagen mit Händen und Füßen, und trainierte mit eiserner Disziplin. Zweimal wurde er Europameister in dieser Sportart.

Der Betriebsratschef von Porsche Deutschland, Uwe Hück, tritt einen jugendlichen Gegener beim Thaibox-Training. (Copyright: Porsche AG)

Eigentlich wollte er Weltmeister im Thai-Boxen werden. Statt dessen machte Uwe Hück Karriere als Betriebsrat.

Vom Thaiboxer zum Betriebsratschef

Weil er Thai-Box-Weltmeister werden wollte und dafür Geld brauchte, ging Hück als Schichtarbeiter in die Lackiererei von Porsche. Dort fiel er durch seinen Einsatz für die Mitarbeiter auf. Er nahm kein Blatt vor den Mund, war mutig und laut. Manche bezeichneten ihn auch als "Großmaul", aber er war und ist beliebt. Denn er kann schlicht und klar reden. So machte er als Betriebsrat Karriere statt als Thaiboxer.

Schon seit Beginn der 1990er Jahre trainiert Hück Jugendliche in Brennpunktvierteln rund um Stuttgart. Er will ihnen helfen, ihre Aggressionen in positive Energie umzuwandeln. Durch seinen Einsatz sei die Jugendkriminalität in den Problemvierteln deutlich zurückgegangen, meint Hück. "Wir dürfen niemanden aufgeben", appelliert er an Wirtschaft und Politik.

Betriebsratschef von Porsche Deutschland, Uwe Hück, bei einer Rede vor Aktionären des Porsche-Konzerns. (Copyright: Porsche AG)

Hück nutzt seine guten Kontakte zur deutschen Wirtschaft und Politik für die Jugendlichen

Von seinem neuen Titel als "Bildungsbotschafter 2013" erhofft sich der Betriebsratschef nun mehr Öffentlichkeit und Spender. Mit einer Lernstiftung will er Jugendlichen Nachhilfeunterricht finanzieren, damit sie einen guten Schulabschluss schaffen. Und er hat noch eine Mission, die Sport und Schule miteinander verbindet: "Jede Schule in Deutschland braucht eine Turnhalle", fordert der Thaiboxer. "Denn dort lernen die Kinder Selbstbewusstsein, aber auch Teamgeist und Respekt."

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