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Aktuell Europa

Boulevardzeitung "The Sun" startet Kampagne für den "Brexit"

Britische Boulevardjournalisten und Europa? Das ist ungefähr eine Kombinaton wie Fish und Chips mit Jägersauce. Es geht schwer zusammen. Das Massenblatt "The Sun" macht nun Stimmung für den "Brexit". Shocking.

Mit ihrer Kampagne für den Austritt Großbritanniens aus der EU gibt die britische Boulevardzeitung "The Sun" dem "Brexit"-Lager starken Rückenwind. "Wir müssen uns selbst vom diktatorischen Brüssel befreien", schrieb die meistgelesene britische Tageszeitung auf ihrer Titelseite und auch auf ihrer Webseite. "Wir werden die wichtigste politische Entscheidung unseres Lebens treffen", wandte sich die Redaktion an ihre 4,5 Millionen Leser. Sie fordere jeden Wähler dazu auf, beim EU-Referendum am 23. Juni mit "LEAVE" (verlassen) zu stimmen. Ihre Kampagne nannte die Zeitung "BeLEAVE in Britain", eine Wortneuschöpfung, die den Glauben der Briten an ihr Land ohne die EU stärken soll.

Dass die europaskeptische konservative Zeitung zum "Brexit" aufruft, ist angesichts der jüngsten Berichterstattung keine Überraschung. Die "Sun" war es auch, die für eine Titelgeschichte Anfang März mit der Schlagzeile "Queen unterstützt Brexit" gerügt worden war. Darin berichtete die britische Tageszeitung unter Berufung auf anonyme Quellen über zwei EU-kritische Bemerkungen der Königin.

Allerdings ist die "Sun", die zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehört, nun die erste große nationale Zeitung, die öffentlich eine Wahlempfehlung abgibt. Damit erhöht sie auch den Druck auf Premierminister David Cameron und sein Pro-EU-Lager. Die Zeitungen "Times" und "Guardian" zitierten Vertreter aus dem Umfeld des Pro-EU-Lagers, dass sich dort eine gewisse "Panik" breit mache.

Rule, Britannia!

Brüssel sei "gierig, verschwenderisch und schikanierend", schrieb die "Sun". Das Referendum am Donnerstag kommender Woche biete nun die Chance, "Großbritannien noch größer zu machen, unsere Demokratie zurückzuerobern und unsere Werte und Kultur zu wahren, auf die wir zu Recht stolz sind". Den Verfechtern des EU-Verbleibs warf die Zeitung vor, die Briten mit Horrorszenarien über ein Leben außerhalb der EU schockieren zu wollen.

Großbritannien Premierminister David Cameron

Was macht der Premier, wenn der Brexit kommt?

Und die Umfragen? Im Prinzip liegen die Gegner und Befürworter eines EU-Austritts von Großbritannien gleichauf. Eine Zusammenstellung des Forschungsprojekts WhatUKThinks, das die jüngsten sechs Umfragen berücksichtigte, sah das "Brexit"-Lager nun mit 51 Prozent vor den EU-Befürwortern mit 49 Prozent. Nicht berücksichtigt wurden dabei aber die noch unentschlossenen Wähler, die eine entscheidende Rolle spielen könnten.

ml/sti (AFP, rtr)