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Afrika

Botswana wird chinesisch

Wer mit dem Flugzeug nach Gaborone reist, wird schon am Airport von chinesischen Schriftzeichen begrüßt. Dort baut Syno Hydro einen zweiten Terminal. In ganz Botswana ist China allgegenwärtig. Von Katrin Gänsler

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Billy Lee ist vor vier Jahren nach Botswana gekommen

Der Sir-Seretse-Khama-Airport, der 13 Kilometer vom Zentrum Gaborones entfernt liegt, ist eine der größten Baustellen Botswanas. Hunderte Arbeiter, die überwiegend aus China kommen, werkeln an einem neuen Terminal. Wie der einmal aussehen wird, lässt sich im Moment nur erahnen. Das Gebäude ist bislang nicht viel mehr als ein riesiges Gerüst. Dennoch will die chinesische Firma Syno Hydro es noch bis zum Jahresende fertig stellen. Es ist ein ehrgeiziges Ziel, was Yuan Jinliang, Direktor der Syno-Hydro-Niederlassung in Botswana, gerne zugibt.

Keine Eile in Botswana

Sir Seretse Khama Flughafen in Botswana

Das chinesische Unternehmen Syno Hydro erweitert den Flughafen

Doch Syno Hydro ist im Zugzwang. Denn der Bau, in den rund 433 Millionen Pula – umgerechnet 44,5 Millionen Euro – investiert werden, soll für das Unternehmen zum Vorzeigeobjekt im südlichen Afrika werden, dem viele weitere Projekte folgen könnten. Dass sich die Firma dafür ausgerechnet Botswana ausgesucht hat, hat gute Gründe. “Es ist friedlich hier. Und außerdem gibt es im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern wenig Korruption“, erklärt Jinliang. Ganz reibungslos läuft die Zusammenarbeit aber längst nicht immer ab. Vor allem über das langsame Tempo ärgert sich der Direktor. “Aber hier gibt es ein Sprichwort: Keine Eile in Botswana“, sagt er bedauernd.

Unzufriedenheit herrscht aber auch auf Seiten der Botswaner. Hinter vorgehaltener Hand schimpfen viele, dass die Chinesen – rund 12.000 leben derzeit im Land – nur Billig-Produkte bringen, schlechte Arbeit leisten und immer mehr Geschäftszweige dominieren. Dazu gehört das Morupule-Elektrizitätswerk, das von Industrie und der Commercial Bank of China finanziert wird. In das Projekt sollen rund 800 Millionen US-Dollar gesteckt werden. Beliebt ist das chinesische Engagement also längst nicht immer, was ein junger Mann aus Gaborone deutlich macht: "Sie übernehmen so viele Gebäude. In jedem Gebäude, das Du hier in Gaborone betrittst, siehst Du chinesische Geschäfte.“ Und sein Freund ergänzt: „Wenn ein Unternehmen ins Ausland geht, dann sollte es auch Einheimische anstellen. Aber die Chinesen bringen sogar ihre Hilfsarbeiter mit.“

Chinesen wehren sich gegen Monopol-Vorwürfe

Oriental-Plaza

Im Oriental Plaza haben chinesische Einwanderer ihr Geschäftszentrum errichtet

Ivan Lo, der Vorsitzende der Botswana Chinese Cooperation Organisation, kennt die Vorwürfe. “Die hören wir immer. Aber wir kontrollieren den Markt nicht. Das macht der Preis. Wenn hier etwas für 5 Pula – 51 Cent – verkauft wird, verkaufen die Chinesen es für drei Pula“, sagt Lo, der aus Hongkong stammt und mittlerweile seit 14 Jahren im südlichen Afrika lebt.

Im Land der guten Geschäfte

Heute hat Lo ein Restaurant, mehrere Bekleidungsgeschäfte und handelt mit gebrauchten Autos. Sein Büro hat er im chinesischen Zentrum Gaborones, im Oriental Plaza, wo chinesische Verkäufer vor ihren kleinen Geschäften auf Kundschaft warten. Einer von ihnen ist Billy Lee. Er ist vor vier Jahren gekommen, als sein Onkel, der mit Auto-Zubehör sein Geld verdient, Unterstützung brauchte. Heute verkauft Billy Lee alles von Lenkradschonern über Sprays für glänzendere Felgen bis hin zu Lautsprechern. “Botswana ist gut, um Geschäfte zu machen, besser als andere Plätze“, findet Lee. Ein Problem hat der Einwanderer allerdings: Er spricht wie die meisten seiner Landsleute nur wenig Englisch. Tageszeitungen aus Botswana haben ihn bislang nicht interessiert. Umso mehr freut er sich nun über die neu gegründete Oriental Post, die er liest, wenn keine Kundschaft im Laden ist.

Oriental-Plaza

Genutzt, nicht geliebt: Chinesische Geschäfte

Die Zeitung auf Chinesisch hat eine Auflage von 2000 Stück und ist im vergangenen Monat zum ersten Mal kostenlos verteilt worden. Nun erscheint sie alle 14 Tage und finanziert sich aus Anzeigen. Ziel der Zeitung sei es, so Chefredakteur Jimmy Tian, dass die Chinesen mehr über ihr Gastland lernen .“Viele wissen kaum etwas über die Politik und die Kultur hier.“ Doch dem Chefredakteur geht es längst nicht nur um Völkerverständigung. Er denkt auch wirtschaftlich und will, dass die Auflage bald an die 3000 Exemplare hat. Doch nicht nur das: Schon im nächsten Jahr, so wünscht er sich, soll die Zeitung wöchentlich erscheinen und dann nicht mehr vom botswanischen Zeitungsmarkt wegzudenken sein.

Autorin: Katrin Gänsler

Redaktion: Dirk Bathe