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Aktuell Welt

Botschaften im Strudel der Gewalt

Die Wut über einen Mohammed-Schmähfilm hat mehr als ein Dutzend islamischer Staaten erfasst. Angesichts gewalttätiger Proteste und Angriffe auf westliche Botschaften rief UN-Generalsekretär Ban zu Besonnenheit auf.

Es gebe keine Rechtfertigung für die Tötungen und die Brutalität, die der im Internet aufgetauchte Film ausgelöst habe, sagte Ban Ki Moon bei einer Sitzung der UN-Vollversammlung. Es sei beschämend, wenn das Grundrecht auf Meinungsfreiheit durch einen bewusst provozierenden, "hasserfüllten und ekelerregenden Film" ausgenutzt werde. Ebenso falsch sei es aber auch, die Wut über den Film auszunutzen, die nur einen Kreislauf von Vorwürfen und sinnloser Gewalt in Gang halte. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, bezeichnete den Film als "bösartig".

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf mehrere westliche Botschaften in der arabischen Welt scharf. Gleichzeitig rief das mächtigste UN-Gremium die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ihren internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Missionen nachzukommen.

Islamische Welt in Aufruhr

Die Proteste in der islamischen Welt waren nach den Freitagsgebeten eskaliert. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum stürmte ein wütender Mob die deutsche Botschaft, zerschlug Fenster sowie Mobiliar und legte Feuer. Die Polizei griff kaum ein. Auch in die US-Vertretung drangen aufgebrachte Demonstranten ein. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden drei Menschen getötet.

In Tunis konnte die Polizei auch mit Schusswaffen und Tränengas Hunderte Menschen nicht davon abhalten, in die US-Botschaft einzudringen und zu randalieren. Mindestens drei Menschen starben. An der amerikanischen Schule in der tunesischen Hauptstadt wurde Feuer gelegt, Unterricht fand zu dem Zeitpunkt allerdings nicht statt. In Kairo soll ein Demonstrant bei Zusammenstößen mit der Polizei nahe der dortigen US-Botschaft getötet worden sein. In der nordlibanesischen Stadt Tripoli starb ein Mann nach Angaben aus Sicherheitskreisen, als Demonstranten versuchten, ein Regierungsgebäude zu stürmen. Auch im Jemen, in Afghanistan, Malaysia, Bangladesch, Pakistan, im Iran und im Irak gingen Menschen wegen des Schmähfilms auf die Straßen.

Obama beschwört Standhaftigkeit angesichts der Gewalt

Für die vier in Libyen getöteten amerikanischen US-Diplomaten hat US-Präsident Barack Obama Gerechtigkeit gefordert. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er bei einer Trauerzeremonie auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews. Dort waren am Abend die Särge mit den Toten eingetroffen. In seiner sehr persönlichen Rede zollte der Präsident den getöteten Botschaftsangehörigen seinen Respekt.

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Zeremonie für getötete US-Diplomaten

Zugleich stellte er klar, dass sich die USA von der eskalierenden Gewalt in Nahost nicht von ihrem weltweiten Engagement zurückschrecken ließen. "Die Vereinigten Staaten werden sich niemals aus der Welt zurückziehen", sagte Obama in seiner Ansprache: "Wir werden niemals aufhören, für Freiheit und Würde zu sorgen, die jede Person verdient."

Zuvor hatte US-Außenministerin Hillary Clinton von einer Gewalttat gesprochen, die niemand verstehen könne. "Das ist vollkommen sinnlos, das kann nicht hingenommen werden", sagte sie. Die Regierungen in den Unruheländern im Nahen Osten müssten die Sicherheit wiederherstellen. Und die Menschen dort sollten nicht die "Tyrannei der Diktatur, gegen die Tyrannei des Mobs" eintauschen. Sie spielte damit auf die politischen Umwälzungen des Arabischen Frühlings an.

US-Präsident Barack Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei der Trauerfeier für die vier in Bengasi getöteten Diplomaten (Foto: dapd) eingestellt von rb

Emotionale Trauerfeier für die vier in Bengasi getöteten US-Diplomaten

Inzwischen ermittelt eine US-Behörde gegen den mutmaßlichen Produzenten des islamfeindlichen Videos wegen eines möglichen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen. US-Medien vermuten einen 55-jährigen Mann aus Kalifornien hinter dem Schmähfilm. Er soll wegen Bankbetrugs eine Gefängnisstrafe abgesessen haben, anschließend galt eine fünfjährige Bewährungszeit. Während dieser sei ihm untersagt gewesen, das Internet zu nutzen oder seinen Namen zu ändern. Den etwa 13 Minuten langen Film soll er unter einem Pseudonym produziert haben. Mit einem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen könnte er sich Gerichtsdokumenten zufolge eine erneute Haftstraße einhandeln.

rb/gmf (afp, dapd, dpa, rtr)

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