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Aktuell Amerika

Boston-Bomber Zarnajew zum Tode verurteilt

Im Prozess um den Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf haben sich die Geschworenen auf das Strafmaß geeinigt. Der überlebende Attentäter Dschochar Zarnajew erhielt die Todesstrafe.

Vor dem Gericht in Boston warten Journalisten und Gegner der Todesstrafe (Foto: Reuters)

Vor dem Gericht in Boston warten Medienvertreter und Gegner der Todesstrafe

Die zwölf Männer und Frauen der Geschworenenjury des Bundesgerichts in Boston hatten nur zwei Optionen: Todesstrafe oder lebenslange Haft. Die Jury hatte Dschochar Zarnajew bereits Anfang April für schuldig befunden, den islamistisch motivierten Anschlag auf den Marathonlauf in der US-Ostküstenstadt am 15. April 2013 gemeinsam mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan verübt zu haben. Seit Ende April ging es in einem zweiten Prozessabschnitt um das Strafmaß. Für ein Todesurteil war die Einstimmigkeit der Geschworenen notwendig. Das Urteil soll durch eine Giftspritze vollstreckt werden.

Die Brüder hatten im Zielbereich des Boston-Marathons zwei selbst gebaute Sprengsätze gelegt, die kurz nacheinander detonierten. Drei Menschen wurden bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 getötet, 264 Menschen wurden verletzt. Auf der Flucht hatte das Bruderpaar auch einen Polizisten erschossen und einen Autofahrer entführt. Tamerlan, der ältere der beiden aus Tschetschenien stammenden Brüder, wurde bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet, Dschochar wurde vier Tage nach dem Anschlag festgenommen.

Politisches Statement?

Die Staatsanwaltschaft hatte den Abschluss der Verhandlungen genutzt, um Zarnajew erneut als kaltblütigen Mörder und Terroristen darzustellen. Mit dem Anschlag habe er ein politisches Statement abgeben wollen. Es bestehe kein Zweifel daran, dass Zarnajew den Tod verdiene. Zu den Anklagepunkten zählte unter anderem der Einsatz von Massenvernichtungswaffen.

Die Verteidigung versuchte dagegen, die Mitschuld Zarnajews an dem Anschlag zwar offen einzugestehen, ihn aber als Mitläufer seines älteren Bruders darzustellen. Der Junge habe unter mangelnder Unterstützung seiner Eltern gelitten und sich deshalb seinem radikalisierten Bruder Tamerlan angeschlossen.

Der Bundesstaat Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980-er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem staatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.

qu/MM/kle (afpe, rtre, dpa)