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Aktuell Amerika

Boston-Bomber vor Gericht

Fast zwei Jahre nach dem Anschlag auf den Marathonlauf von Boston hat der Prozess gegen den überlebenden mutmaßlichen Attentäter begonnen. Die erste Mamutaufgabe: die Auswahl der Geschworenen.

Allein das könnte Monate dauern. Das zuständige Bundesgericht im US-Staat Massachusetts hat 1200 Kandidaten vorgeladen, so viele wie nie zuvor für einen Geschworenenprozess in den Vereinigten Staaten. Aus ihnen werden ein Dutzend gewählt.

Der mutmaßliche Attentäter Dschochar Zarnajew hatte laut Anklage zusammen mit seinem Bruder Tamerlan am 15. April 2013 im Zielbereich des Marathonlaufs in Boston zwei in Rucksäcken versteckte selbstgebastelte Bomben gezündet. Drei Menschen kamen ums Leben, als nahe der Ziellinie des Sportereignisses die Sprengsätze explodierten, mehr als 260 wurden verletzt. Insgesamt 16 Opfern wurden die Beine ganz oder teilweise abgerissen.

Es handelt sich um den schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Insgesamt werden dem mittlerweile 21-Jährigen 30 Anklagepunkte vorgeworfen, darunter der Gebrauch einer "Massenvernichtungswaffe". Laut Anklageschrift sollen die Brüder den Anschlag gemeinsam geplant und die Bomben aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammengebaut haben. Überwachungsvideos zeigen die Tsarnajew-Brüder, wie sie die Sprengstoffrucksäcke am Rande der Laufstrecke ablegten. Dschochar plädiert dennoch in allen Punkten auf nicht schuldig.

Todesstrafe oder lebenslänglich

Die große Frage des Prozesses ist, ob der Angeklagte der Todesstrafe entgehen kann. In Massachusetts ist die Todesstrafe zwar seit dem Jahr 1982 abgeschafft, der Prozess wird aber vor einem Bundesgericht in Boston abgehalten. Und vor knapp einem Jahr ermächtigte US-Justizminister Eric Holder die Staatsanwaltschaft ausdrücklich, die Todesstrafe zu fordern. Allerdings liegt Massachusetts im eher liberalen Nordosten der USA, laut Umfragen hält dort eine Mehrheit eine lebenslange Haftstrafe für angemessen. Experten erwarten, dass die Verteidiger ihren Mandanten als einen leicht beeinflussbaren jungen Mann charakterisieren werden, der von seinem älteren Bruder, der zunehmend radikale muslimische Sichtweisen entwickelt habe, dominiert worden sei.

Nach dem Anschlag konnten sich die Brüder zunächst tagelang verstecken. Als die Bundespolizei FBI Fahndungsfotos von Überwachungskameras am Anschlagsort veröffentlichte, fuhren die jungen Männer laut Anklageschrift mit weiteren Sprengsätzen und einer halbautomatischen Schusswaffe zum Campus der Universität MIT. Auf ihrer Flucht erschossen die Brüder einen Polizisten. Tamerlan starb bei der Verfolgungsjagd, Dschochar wurde verletzt und schließlich in einem trockengelegten Boot im Bostoner Vorort Watertown gefasst.

Anschlagauf den Boston Marathon (Archivbild: picture alliance AP)

Boston 15. April 2013: schwerster Terroranschlag seit 9/11

Der Anschlag von Boston erschütterte Amerika. Der Angeklagte war bei dem Anschlag 19 Jahre alt. Der junge Mann tschetschenischer Abstammung lebte seit seinem achten Lebensjahr in den USA, ging dort auf eine Highschool. Er besitzt die US-Staatsbürgerschaft.

Die Familie war 2002 in die USA ausgewandert. Zum Zeitpunkt des Anschlags lebten die beiden Söhne ohne ihre Eltern in den USA. Diese waren inzwischen in die Hauptstadt der russischen Kaukasusrepublik Dagestan, Machatschkala, gezogen.

qu/sti (dpa, afp, APE)