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Aktuell Amerika

Boston-Attentäter entschuldigt sich

"Ich möchte mich jetzt bei den Opfern und bei den Überlebenden entschuldigen" - mit diesem Satz meldete sich Dschochar Zarnajew erstmals im Prozess zu Wort. Dann besiegelte das Gericht das Urteil: die Todesstrafe.

"Ich bin schuldig", sagte Dschochar Zarnajew zum Abschluss seines Prozesses. "Daran gibt es keinen Zweifel. Ich bereue die Leben, die ich genommen habe, und das Leid und den Schaden, den ich angerichtet habe", erklärte der zum Tode verurteilte, 21-jährige Attentäter vor dem Bundesgericht der US-Küstenstadt Boston.

Zarnajew brach sein zweijähriges Schweigen beim Prozess, nachdem mehrere Überlebende und Angehörige von Opfern bei der Anhörung das Wort ergriffen hatten. Der junge Mann bat Gott um Vergebung. "Ich bete zu Allah, dass er Erbarmen mit den Verstorbenen hat. Ich bitte Allah, mit mir, meinem Bruder und meiner Familie Erbarmen zu haben."

Schwerster Terroranschlag seit 9/11

Eine Geschworenenjury hatte Zarnajew bereits vergangenen Monat für schuldig befunden, gemeinsam mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan im Zielbereich des Boston-Marathons zwei selbstgebaute Sprengsätze zur Explosion gebracht zu haben. Drei Menschen wurden bei dem Attentat getötet, mehrere der 264 Verletzten verloren Arme oder Beine. Der Anschlag gilt als der schwerste in den USA seit den Terrorattacken vom 11. September 2001.

Explosion beim Boston Marathon 2013 (Foto: rtr)

Anschlag auf den Boston-Marathon am 15. April 2013: Kurz vor dem Zieleinlauf explodierten die beiden Sprengsätze

Auf der Flucht erschoss das Bruderpaar einen Polizisten und entführte einen Autofahrer. Tamerlan wurde bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet, Dschochar vier Tage nach dem Anschlag festgenommen.

Einfluss des radikalisierten Bruders

Die Zarnajew-Brüder stammen aus einer tschetschenischen Familie und waren als Kinder mit ihren Eltern in die Vereinigten Staaten eingewandert. Dschochar Zarnajew ist seit 2012 Staatsbürger der USA und studierte an der University of Massachusetts in Dartmouth Meeresbiologie.

Die Zarnajew-Brüder unter den Zuschauern (Foto: rtr)

Die Zarnajew-Brüder unter den Zuschauern (Foto: rtr)

Sein älterer Bruder Tamerlan hatte sich dem radikalen Islam zugewandt und soll bei einem Aufenthalt im Kaukasus Anfang 2012 Kontakt zu extremistischen Gruppen gehabt haben. Die Verteidigung hatte argumentiert, dass Dschochar unter dem Einfluss seines Bruders gehandelt habe, konnte damit das Todesurteil aber nicht abwenden.

Todesstrafe nach Bundesrecht

Der Bundesstaat Massachusetts, in dem Boston liegt, hat die Todesstrafe eigentlich abgeschafft. Der Fall wurde aber nach Bundesrecht verhandelt. Zarnajew steht eine Reihe von Rechtsmitteln zur Verfügung, um gegen das Urteil vorzugehen. Die Vollstreckung der Todesstrafe ist auf Bundesebene äußerst selten. Seit der Rückkehr zur Todesstrafe auf Bundesebene Ende der 80er Jahre wurden nur drei Häftlinge hingerichtet. Darunter war Timothy McVeigh, der im April 1995 bei einem Anschlag in Oklahoma City mehr als 160 Menschen tötete.

cw/sti (afp, rtr)