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Aktuell Amerika

Boston-Attentäter angeklagt

Eine Woche nach dem Anschlag beim Boston-Marathon ist gegen den Überlebenden der beiden Tatverdächtigen Anklage erhoben worden. Ihm droht die Todesstrafe.

Der 19-jährige Dschochar Zarnajew müsse sich wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen sowie der arglistigen Zerstörung von Eigentum mit tödlichem Sprengstoff vor Gericht verantworten, erklärte das US-Justizministerium. Justizminister Eric Holder betonte in Washington. Zarnajew müsse für den Tod von drei Menschen und die Verletzungen der mehr als 180 weiteren Opfern zur Verantwortung gezogen werden. "Wir haben einmal mehr gezeigt: Wer unschuldige Amerikaner angreift und unsere Städte zu terrorisieren versucht, kann sich der Strafe nicht entziehen", fügte Holder hinzu.

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Gedenken: Boston hält inne

Die Anklage wurde dem schwer verletzten Zarnajew im Krankenbett eröffnet. Während der Anklageverlesung sei Zarnajew "wach, mental aufnahmefähig und bei klarem Verstand" gewesen, gab Richterin Marianne B. Bowler zu Protokoll. Auf die Frage, ob der infolge seiner Verletzungen sprechunfähige Angeklagte in der Lage sei, einige Fragen zu beantworten, habe er deutlich genickt. Ein einziges Wort habe Zarnajew gesagt und dies sei ein "Nein" auf die Frage gewesen, ob er sich einen Anwalt leisten könne. Als Tag für die erste Anhörung des Beschuldigten wurde der 30. Mai festgelegt.

Keine Militärtribunale für US-Bürger

Das Weiße Haus betonte, Zarnajew werde nicht als "feindlicher Kämpfer" behandelt, wie dies von einigen Republikanern gefordert worden war.

"Wir werden diesen Terroristen durch unser ziviles Justizsystem bestrafen", sagte der Sprecher von Präsident Obama, Jay Carney. Da Zarnajew US-Staatsbürger sei, könne ihm nicht als feindlicher Kämpfer vor einem Militärtribunal der Prozess gemacht werden. Weiter erklärte Carney, die US-Justiz habe seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bewiesen, dass sie der anhaltenden Bedrohung gewachsen sei.

Der aus Tschetschenien stammende Zarnajew soll vor einer Woche gemeinsam mit seinem 26 Jahre alten Bruder Tamerlan den Doppel-Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben. Tamerlan war in der Nacht zum Freitag bei einer Verfolgungsjagd von Polizisten getötet worden. Dschochar Zarnajew selbst wird derzeit im Krankenhaus wegen Verletzungen behandelt, die er während einer Schießerei mit der Polizei erlitt.

Aufgrund einer Schusswunde am Rachen, die er sich laut Ermittlern wohl bei einem Selbstmordversuch zufügte, kann er nur schriftlich kommunizieren.

Schweigeminute für die Terroropfer

Zu Ehren der Anschlagsopfer wurde am Montag eine Schweigeminute eingelegt: Um 14.50 Uhr Ortszeit (20.50 Uhr MESZ), dem Zeitpunkt der ersten Explosion an der Marathonstrecke am Montag vor einer Woche, stand das Leben in der US-Ostküstenmetropole Boston und im gesamten Bundesstaat Massachusetts für eine Minute still. Anschließend läuteten in ganz Massachusetts die Kirchenglocken. Auch US-Präsident Barack Obama nahm in seinem Amtssitz in Washington an der Schweigeminute teil.

qu/re/wl (rtr, dpa , afp)

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