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Fokus Osteuropa

Bosnische Muslime wollen extremen Bewegungen entgegenwirken

Die Islamische Gemeinschaft in Bosnien hat in Sarajewo eine Resolution vorgestellt. Darin wird vor unangemessenen Interpretationen des Islam gewarnt.

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Wollen bosnische Muslime härteren Kurs gegen Islamisten?

Auf einer Sitzung hat das höchste Organ der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, das Rijaset, am Dienstag (7.11.9 in einer Resolution einen eindeutigen Standpunkt gegenüber unterschiedlichen Herangehensweisen und Interpretationen des Islam bezogen. Auch wenn die Aktivitäten von Wahabiten in Bosnien-Herzegowina nicht ausdrücklich genannt werden, ist offensichtlich, dass die Resolution hier Stellung beziehen will. Die Wahabiten-Bewegung in Bosnien wird von einigen arabischen Staaten vornehmlich von Saudi-Arabien gefördert und finanziert.

Der Generalsekretär des Rijaset, Muhamed Salkic, verlautbarte folgende Position dieses Organs: "Das Rijaset der Islamischen Gemeinschaft sieht sich bereits seit längerer Zeit damit konfrontiert, dass der Islam von einigen Individuen und Gruppen unangemessen interpretiert wird. Diese versuchen, die Muslime zu beunruhigen und in der bestehenden guten Situation Zwietracht und Spaltung unter den Muslimen hervorzurufen." Auch das Oberhaupt der Islamischen Gemeinschaft, Reis ul-ulema Mustafa Ceric, sagte, diese Resolution sei eine Warnung an diejenigen, die in Bosnien-Herzegowina den Islam unangemessen interpretierten: "Diese Resolution ist nicht das Ende. Das heißt, damit wird ein Prozess eingeleitet innerhalb der Islamischen Gemeinschaft und in ihrer Umgebung, damit die Dinge wieder ins Lot kommen."

Resolution als Vorbeugemaßnahme

In einer Fernsehsendung hat kürzlich einer der Anführer der Wahabiten-Bewegung in Bosnien-Herzegowina, Abu Hamza, Ceric persönlich angegriffen und ihn als Verräter des ursprünglichen Islam bezeichnet. Das Oberhaupt der Islamischen Gemeinschaft ging auf diese Vorwürfe nicht näher ein. Ihm zufolge haben kürzlich Zwischenfälle in der mehrheitlich von Bosniaken bewohnten Region Sandzak, auf serbischem und montenegrinischem Gebiet, die Islamische Gemeinschaft zutiefst beunruhigt. Dort hatten Wahabiten Moscheebesucher angegriffen. "In Bosnien haben wir keine aggressiven Gruppen, die die Ordnung in der Islamischen Gemeinschaft stören. Kann es sie geben und kann das geschehen, was im Sandzak geschehen ist? Wir arbeiten jedenfalls daran, dem vorzubeugen, damit das eben nicht geschieht."

Die jüngste Resolution ist als Ergänzung einer ähnlichen im März verabschiedeten Resolution zu betrachten. Damit hat die Islamische Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, ungeachtet der diplomatischen Ausdrucksweise und allgemeinen Formulierungen, einen härteren Kurs gegen importierte missionarische Aktionen einzuschlagen, die ihre Interpretation und Praxis des Islam bosnischen Muslimen aufzwingen möchten.

Zoran Pirolic, Sarajewo
DW-RADIO/Bosnisch, 8.11.2006, Fokus Ost-Südost

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