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Fokus Südosteuropa

Bosnisch-Kroatische Grenzgänger besorgt

Die kroatische Regierung strebt eine Gesetzesänderung an, um sich Klarheit über die Anzahl ihrer Staatsbürger zu verschaffen. Doch insbesondere die Kroaten in Bosnien-Herzegowina fürchten deswegen um ihre Pfründe.

Karte von Bosnien und Herzegowina (Foto: Wikimedia)

Bosnien-Herzegowinas lange Grenze zu Kroatien

Die kroatische Regierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem sich der Inhaber einer doppelten Staatsbürgerschaft entscheiden muss, in welchem Land er seinen Hauptwohnsitz hat. Durch diese Gesetzesänderung will die kroatische Regierung das Melderegister auf den aktuellen Stand bringen. Demnach werden alle Personen, denen nachgewiesen wird, dass sie nicht an ihrem Erstwohnsitz leben, aus dem Melderegister gestrichen.

Kroatisch-bosnisches Grenzgebiet betroffen

Bosnischer und kroatischer Pass (Foto: DW)

Viele bosnische Kroaten haben die doppelte Staatsbürgerschaft

Schätzungen zufolge wären etwa 90.000 Kroaten aus Bosnien und Herzegowina betroffen. Sie wären gezwungen, sich für Kroatien als Hauptwohnsitz zu entscheiden. Denn ein Wohnsitz in Kroatien bringt viele Vorteile, besonders für Grenzgänger, sagt der Journalist Emil Karamatić aus dem kroatisch-bosnischen Grenzgebiet. Hierbei spielen praktische Überlegungen meist eine wichtigere Rolle als politische.

Bereits im ehemaligen Jugoslawien hätten viele Menschen aus dem Grenzgebiet in Kroatien gearbeitet: "Und so ist es bis heute geblieben. Viele, die im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet leben, schreiben ihre Kinder in Kroatien in die Schule ein. Ferner haben viele - und nicht nur bosnische Kroaten - Immobilien in Kroatien gekauft", erklärt Karamatić.

Dort auch gemeldet zu sein ist für viele emotional wichtig. Auch wenn die Abmeldung des Hauptwohnsitzes keinen Verlust der kroatischen Staatsbürgerschaft mit sich bringt, haben viele Betroffene Angst vor diesem Schritt. Die kroatische Staatsbürgerschaft gibt ihnen bei der Erinnerung an den Bosnienkrieg auch ein Gefühl der Sicherheit.

Vertriebenen droht Statusverlust

Vom Krieg zerstörtes Gebäude in Mostar mit sichtbaren Granateinschüssen (Foto: DW)

Zahlreiche Häuser müssen noch wiederaufgebaut werden wie dieses in Mostar

Vor einem weiteren Problem stünden viele im Bosnien-Krieg nach Kroatien geflüchtete bosnischen Kroaten, deren Häuser noch immer zerstört sind. Tomislav Tomljanović, Vertreter der bosnischen Kroaten, erklärt, dass diese ihren Erstwohnsitz in Bosnien-Herzegowina behalten müssten. Sonst würden sie ihren Anspruch auf Wiederaufbauhilfe verlieren: "Ich hoffe wirklich, dass die Änderungen des kroatischen Gesetzes über den Wohnsitz sich nicht auf die aus Bosnien-Herzegowina Vertriebenen beziehen, die noch nicht ihr Recht auf Wiederaufbau umgesetzt haben." Diese könnten ihr Recht nur wahrnehmen, wenn sie einen Antrag auf Rückkehr stellten und dafür müssten sie auch bosnische Ausweise mit einer bosnischen Meldeadresse vorlegen.

Politischer Hintergrund?

Porträt vom kroatischen Präsidentschaftskandidaten der HDZ Andrija Hebrang (Foto: WDR)

HDZ verliert Unterstützung -Präsidentschaftskandidat Hebrang fiel durch

Der politische Analyst Pejo Gašparović sieht sogar die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern gefährdet. Er befürwortet zwar, dass Kroatien sein Melderegister in Ordnung bringt und Missbrauch ausräumt, allerdings sei der Zeitpunkt falsch gewählt. Das Gesetz könne den Eindruck erwecken, dass die regierende Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) die herzegowinischen Kroaten dafür bestrafen wolle, dass sie nicht mehrheitlich den Präsidentschaftskandidaten der HDZ Andrija Hebrang unterstützt hätten, spekuliert Gašparović. Hebrang war in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 27.12.2009 ausgescheiden. Die Herzegowina galt bis dahin als Hochburg der HDZ.

Reaktionen auf den Gesetzentwurf im benachbarten Kroatien gibt es auch unter den politischen Parteien der Kroaten in Bosnien-Herzegowina. Die Meinungen sind gespalten. Die einen lehnen es kategorisch ab, glauben aber nicht, dass es im Parlament verabschiedet werden wird. Sie argumentieren, dass sich Kroatien in seiner Verfassung dazu verpflichtet hat, Sorge für die Kroaten in Bosnien-Herzegowina zu tragen. Andere wiederum sehen keine Gefahren für die kroatischen Bürger von Bosnien und Herzegowina und wollen erst einmal den Ausgang der Abstimmung im kroatischen Parlament abwarten, bevor sie Stellung beziehen.

Autoren: Samir Huseinović / Mirjana Dikić

Redaktion: Fabian Schmidt

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