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Fokus Osteuropa

Bosniens Firmen drohen Verluste

Bosnische Unternehmen könnten Schaden erleiden, wenn sie nicht rechtzeitig und glaubhaft ihre Ansprüche auf Immobilien in Serbien anmelden. Hintergrund sind wirtschaftliche Verflechtungen aus Zeiten Ex-Jugoslawiens.

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Bosnische Gewerbeobjekte auch in Belgrad

Der Zerfall Jugoslawiens wirkt bis heute nach. Das gilt auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Konkret geht es um Immobilien bosnischer Firmen, die im heutigen Serbien liegen. Im vergangenen Jahr war von serbischer Seite eine Frist bis Ende Mai gesetzt worden, bis zu der die bosnische Seite die Ansprüche hätte gelten machen müssen. Als diese Frist nun ergebnislos verstrich, hat Belgrad die Frist um weitere drei Monate verlängert, damit die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien den Eigentumsstatus ihrer Immobilien in Serbien klären können.

Desinteresse in Sarajewo?

Igor Gavran von der Außenhandelskammer von Bosnien-Herzegowina macht eine Ungerechtigkeit aus. Die Regierung in Bosnien habe seinerzeit das Eigentum den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien ohne Wenn und Aber zurückgegeben und dabei keine Gegenleistung eingefordert. Das räche sich nun. „Die Immobilien unserer Firmen sind nicht zurückgegeben worden. Ein großer Teil ist bereits vereinnahmt worden. In Serbien bahnt sich nun das schlimmste Szenario an: Es wird immer augenscheinlicher, dass unsere Firmen enorme Verluste werden hinnehmen müssen, ohne eine entsprechende Entschädigung zu erhalten. Außerdem unternimmt Sarajewo nichts, um dies zu verhindern“, so Gavran. Den Beweis für das fehlende Interesse im Lande an den bosnischen Immobilienansprüchen in Serbien sieht er darin, dass die Nachricht von der Fristverlängerung überhaupt nicht kundgetan worden sei.

Dem Vorwurf der Passivität tritt Bosniens Außenminister Alkalaj entgegen. Man habe Serbien eine diplomatische Note gesendet. Zudem sei der Geschäftsträger in der bosnischen Botschaft in Belgrad explizit instruiert worden, diese Frage bei jedem Treffen mit serbischen Vertretern an die Spitze der Prioritätenliste zu setzen. Alkalaj zeigt sich allerdings verwundert, „dass keine einzige Firma aus Bosnien und Herzegowina beim Ministerium um Hilfe ersucht hat.“

Das kann Igor Gavran von der bosnischen Außenhandelskammer nicht bestätigen. „Die Unternehmen wenden sich sehr wohl an die Außenhandelskammer und erhalten unsere volle Unterstützung. Wir haben auch kürzlich beim Treffen mit Serbiens Vize-Premier Dinkic während seines Sarajewo-Besuches dieses Thema angesprochen. Außerdem haben wir unsere Informationen und unseren Kenntnisstand an die bosnischen Institutionen geleitet“, sagte Gavran.

Verluste in Milliardenhöhe befürchtet

Falls bis zum Ablauf der Frist keine Einigung zwischen Bosnien und Serbien erzielt wird, überschreiben die zuständigen serbischen Behörden das Besitzrecht über die betroffenen Immobilien auf diejenigen Unternehmen in Serbien, die das Eigentum inzwischen nutzen. Die dürften sich freuen. Die Agentur für Privatisierung in Serbien hat rund 150 Gewerbeobjekte von Unternehmen aus Bosnien erfasst. Medienberichten aus Sarajewo zufolge handelt es sich jedoch um fast 1000 Gewerbeobjekte, die an Serbien fallen würden. Der Wert der Objekte beliefe sich auf mehr als zwei Milliarden Euro.

Autor: Dragan Maksimovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Birgit Görtz

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