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Fokus Südosteuropa

Bosnien - Paradies der Auto-Mafia

Seit vielen Jahren macht die Auto-Mafia vielen Bosniern das Leben schwer. Oft werden die Besitzer von gestohlenen Autos angerufen und aufgefordert, ihre Fahrzeuge für mehrere Tausend Euro zurückzukaufen.

Ein Parkplatz in Sarajevo (Foto: DW)

Lösegeld für geklaute Autos

Bei Razzien in Bosnien-Herzegowina hat die Polizei jüngst 30 Verdächtige festgenommen, die einer berüchtigten Auto-Mafia angehören sollen. Die Verbrecherbande muss sich neben Autodiebstahl auch für Dokumentenfälschung und Hehlerei verantworten. Die meisten Autos sollen benachbarten Serbien weiterverkauft worden sein.

Die Diebe versuchen aber auch oft, die gestohlenen Autos an die Besitzer zurück zu verkaufen. "Ich hatte einen guten VW Golf. Nachdem er gestohlen wurde, haben mich die Diebe kurze Zeit später angerufen und wollten mit mir über das 'Lösegeld' verhandeln," sagt Denis, eines der Opfer.

Ein bewaffneter Polizist. Im Hintergrund ein Auto (Foto: DW)

Polizei hebt Autoschieber-Bande aus

Er ging zum vereinbarten Übergabeort, wurde dort aber erneut bestohlen. "Ein Mann kam zu mir und fragte mich, ob ich das Geld dabei habe. Einige meiner Freunde waren in einer ähnlichen Situation und zahlten den verlangten Betrag. Nachdem ich ihm das Geld ausgehändigt hatte, sagte er, dass ich mein Auto innerhalb von zehn Minuten wieder bekommen würde. Das war aber nicht der Fall", erzählt Denis.

Kurze Zeit später wurde der Verdächtige zwar festgenommen, aber von Denis Auto fehlt nach wie vor jede Spur. "Die Diebe haben wahrscheinlich den Fahrzeugbrief und andere Unterlagen gefälscht und die Zahlen auf dem Chassis des Autos verändert. Wer weiß wo die neuen Besitzer sind, oder wo das Auto gelandet ist", sagt Denis.

Kriminelle mit guten technischen Kenntnissen

Die Diebe von gestohlenen Autos sind Meister der Täuschung und verbessern sich ständig. "Die Auto-Mafia ist gut ausgestattet und verfügt über hervorragende technische Kenntnisse. Die benutzt keine alten Werkzeuge, sondern arbeitet zunehmend mit Laptops und anderen hoch entwickelten elektronischen Geräten", erklärt Boris Grubesic, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Boris Grubesic, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Bosnien und Herzegowina (Foto: DW)

Grubesic beklagt Verwicklung von Polizisten

Käufer von Gebrauchtwagen in Sarajevo glauben, dass man nicht genug vorsichtig sein kann. "Man sollte bei den zuständigen Dienstellen überprüfen, ob der Wagen gestohlen wurde" warnt ein Bürger in Sarajevo.

Verdächtige Beamte

Die Auto-Mafia ist gut organisiert. Wie in jeder Mafia-Organisation sind auch hier, die Aufgaben klar verteilt. "Es gibt Leute, die für den Diebstahl eines Kraftfahrzeugs zuständig sind, dann die, die das Auto verstecken sollen, Unterlagen fälschen und die Fahrzeuge illegal über die Grenze von Bosnien und Herzegowina bringen", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Grubesic erklärt, dass in solche kriminellen Aktivitäten oft auch Beamte verwickelt sind, wie eine Polizeiaktion kürzlich gezeigt hat. Dabei waren ein serbischer Polizist und ein bosnisch-herzegowinischer Grenzpolizist verhaftet worden.

Regionale Zusammenarbeit

Ein Automarkt in Sarajevo (Foto: DW)

Autokäufer müssen Mißtrauisch sein

Immer öfter stehlen die Diebe Autos in einem Land und verkaufen es dann mit gefälschten Dokumenten in einen anderen Staat. Besonders beliebt sind deutsche und französische Autos. Nach Polizeiangaben wurden in Bosnien und Herzegowina im letzten Jahr über 3000 Fahrzeugen gestohlen. In letzter Zeit sind es oft Luxusfahrzeuge, die in den Nachbarstaaten, Serbien und Kroatien auf Abnehmer warten.

Kleinere Autos werden oft auseinandergebaut und in Teilen an Schrotthändler verkauft. "Deshalb ist die zwischenstaatliche Zusammenarbeit im Kampf gegen die Auto-Mafia von großer Bedeutung. Diese Kooperation wird immer besser und wir hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird", sagt Grubesic.

Autor: Samir Huseinovic/Belma Fazlagic-Sestic

Redaktion: Fabian Schmidt

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