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Fokus Osteuropa

Bosnien-Herzegowina: Von der Stabilisierung zur Integration

Miroslav Lajcak übernimmt ab 1. Juli das Amt des internationalen Bosnien-Beauftragten. Zudem vertritt er auch die EU. DW-RADIO erklärte er, wie er sich die Zusammenarbeit mit dem Land und die "Brüsseler Phase" vorstellt.

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In Doppelfunktion ab Juni

DW-RADIO: Herr Lajcak, was werden Ihre ersten Schritte in Ihrem neuen Amt in Bosnien-Herzegowina sein?

Miroslav Lajcak: Zunächst möchte ich Bosnien-Herzegowina sowie seinen Einwohnern meine Hochachtung aussprechen. Sie haben schwere Zeiten hinter sich und viel Besseres verdient. Ich glaube, unsere Hauptaufgabe liegt darin, gemeinsam daran zu arbeiten. Die Verantwortung der bosnisch-herzegowinischen Politiker ist dabei von ausschlaggebender Bedeutung, ebenso die Anstrengungen aller Bürger. Selbstverständlich werde ich dabei helfen. Im Augenblick werde ich keine großartigen politischen Erklärungen abgeben, weil ich noch in einer Übergangsphase bin und mich auf meine Mission vorbereite. Vor Ort gibt es außerdem einen Hohen Repräsentanten, der dazu befugt ist, sich politisch zu äußern. Wenn meine Zeit gekommen ist, bin ich bereit, näher darauf einzugehen.

In Bosnien-Herzegowina kommt die Polizeireform nicht voran, daran scheitert auch eine erste Annäherung an die EU. Herr Lajcak, haben Sie eine Formel oder einen "Schlüssel" dafür?

Natürlich habe ich den Ehrgeiz, dieses "Schloss" zu knacken. Zudem nutze ich die Zeit vor meinem Amtsantritt zu Beratungsgesprächen mit den Global Players, den Regierungen und Entscheidungsträgern, so dass ich, wenn ich nach Sarajewo komme, die Unterstützung und das Verständnis der internationalen Gemeinschaft für mein Vorgehen haben werde. Daher glaube ich, dass es noch zu früh ist, um auf diese Frage zu antworten. Ich glaube jedoch fest daran, dass Bosnien seine Zukunft gestalten will und nicht in die Vergangenheit zurückgeht. Die Vergangenheit ist so schrecklich, dass keiner dorthin zurück versetzt werden möchte. Also müssen wir die Schritte definieren, die wir in Richtung Zukunft machen müssen und uns darüber verständigen. Jeder muss geben, wenn er nehmen will. Das ist eine elementare Logik, die ich umsetzen möchte.

Man sagt über Sie, Sie seien ein vielseitig versierter Verwaltungsexperte und dazu fähig, Institutionen aufzubauen, zu stärken sowie einen Staat dahin zu führen, dass er funktioniert. Gilt das auch für Bosnien-Herzegowina?

Noch einmal: Die Hauptarbeit liegt bei den Bosniern, es ist Ihr Land, Ihre Zukunft und die liegt in Ihrer Verantwortung. Mein Mandat von der internationalen Gemeinschaft ist sehr umfangreich und mächtig. Zudem verfüge ich über persönlich Erfahrung, unter anderem aus einem Land, das erfolgreich ähnliche Herausforderungen gemeistert hat – allerdings in politischer Hinsicht nichts vergleichbar Schlimmes durchgemacht hat. Ich war an der Integration meines Landes in die EU und die NATO beteiligt. Das sind zusätzliche Erfahrungen, die ich einbringen kann. Aber Hausaufgaben sind Hausaufgaben und müssen zu Hause erledigt werden.

Ihre Vorgänger hatten als Hohe Repräsentanten jeweils eine Aufgabe, Sie hingegen werden zwei Positionen bekleiden: Sie werden der Hohe und Spezielle Repräsentant – also gleichzeitig Vertreter der EU und der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina. Werden Sie in dieser Doppelfunktion noch Zeit haben, auf die ganz alltäglichen Forderungen der Menschen in Bosnien-Herzegowina eingehen zu können?

Natürlich glaube ich das. Ich denke, das ist logisch und es ist die Zeit dafür gekommen, uns von der "Dayton-Phase" zu entfernen und sich der "Brüsseler Phase" zu nähern – also aus der Phase der Stabilisierung hin zur Phase der Integration.

Alen Legovic, Brüssel
DW-RADIO/Bosnisch, 15.5.2007, Fokus Ost-Südost

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