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Fokus Osteuropa

Bosnien-Herzegowina: Schlechte Bedingungen für Minenräumer

Etwa eine Million Landminen gibt es Schätzungen zufolge noch immer in Bosnien. Sie werden in mühevoller Arbeit entschärft – zwar mit internationaler Hilfe, doch oft von schlecht bezahlten Minenräumern ohne Absicherung.

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Gefährlicher Job für wenig Geld

Landminen sind in Bosnien-Herzegowina fast ein Teil des Alltags geworden. So wurden seit dem Ende des Krieges über 1.570 Menschen durch Minenexplosionen getötet, zahlreiche Menschen, darunter viele Kinder, schwer verletzt und verstümmelt. Um das Land von der heimtückischen Last zu befreien, arbeiten zurzeit knapp 3.100 Minenräumer an dieser gefährlichen Aufgabe. Doch deren Arbeitsbedingungen sind nach wie vor sehr schlecht. Nur die Hälfte der Minenräumer hat überhaupt einen Arbeitsvertrag. Der Durchschnittslohn eines bosnischen Minenräumers beträgt etwa 500 Euro. Damit möglichst viel Geld übrig bleibt, verzichteten viele auf die notwendigen Versicherungen, erklärt der stellvertretende Leiter des Mine Action Center, der bosnisch-herzegowinischen Agentur für Minenräumung, Ahdin Orahovac: "Leider sind die Minenräumer hauptsächlich mit kurzfristigen Zeitverträgen beschäftigt. Und sie werden oft gezwungen, Arbeitsverträge zu unterschreiben, die ihnen keine Sozial- und Rentenversicherung gewährleisten."

Politische Unterstützung

Die schlechte Bezahlung der Minenarbeiter blieb auch dem neuen Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft für Bosnien-Herzegowina, Miroslav Lajcak, nicht verborgen: "Das ist furchtbar. Das ist eindeutig zu wenig. Ich werde jeden öffentlichen Auftritt und jedes Gespräch mit den internationalen Partnern und Sponsoren dafür nutzten, um auf dieses Problem hinzuweisen", sagte er jetzt.

Um seine Entschlossenheit zu demonstrieren, hatte Miroslav Lajcak, Nachfolger des Deutschen Christian Schwarz-Schilling, ein Minenfeld im Norden Bosniens besucht, auf dem gemeinsam schwedische EUFOR-Soldaten und bosnische Minenräumer arbeiten. Dabei kletterte der slowakische Diplomat selber auf die schwere Maschine für Minenräumung: "Man hat das Gefühl, etwas sehr Nützliches zu machen. Und die Arbeit mit dieser Minenräumungsmaschine ist sehr einfach. Sie reagiert wirklich auf jede Handbewegung", schilderte Lajcak seine Eindrücke.

Minenräumung bis 2019

Die Maschine, von der Miroslav Lajcak so begeistert war, wurde von Schweden zur Verfügung gestellt. Trotzdem müssen die bosnischen Minenräumer in äußerst mühsamer Handarbeit die übrig gebliebenen Minen finden und entschärfen. Nach Schätzungen der bosnisch-herzegowinischen Agentur für Minenräumung werden erst 2019 alle bekannten Minenfelder geräumt sein - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das dafür notwendige Geld bereitgestellt wird.

Dejan Sajinovic
DW-RADIO/Bosnisch, 26.7.2007, Fokus Ost-Südost

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