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Fokus Osteuropa

Bosnien: Gedenken an Opfer von Gefangenenlager

Vor 15 Jahren wurde das Lager "Keraterm" eingerichtet, wo etwa 3.000 Menschen festgehalten wurden. Jetzt gedachten Überlebende und Angehörige den Opfern. Ihr Wunsch: Die Verantwortlichen sollen endlich bestraft werden.

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Gedenkmarsch für die Opfer

Mit einer Kranzniederlegung haben Überlebende und Angehörige am vergangenen Mittwoch (25.7.) der zahlreichen Opfer des Lagers "Keraterm" gedacht. Während des Krieges, zwischen 1992 und 1995, wurden dort, in der Nähe der nordbosnischen Stadt Prijedor, über 3.000 Menschen gewaltsam festgehalten. Das Lager war von der damaligen Führung der Republika Srpska eingerichtet worden, um gefangen genommene Bosniaken und bosnische Kroaten dort zu internieren. In den Hallen einer Keramikfabrik auf dem Lagergelände wurden zahlreiche Gefangene grausam gefoltert und getötet.

Appell an Banja Luka

Jedes Jahr erinnern Vertreter der bosnischen Vereinigung " Izvor" (deutsch: "Quelle") an die Verbrechen, die sich vor 15 Jahren in "Keraterm" ereigneten. Der Vorsitzende der Vereinigung, Fatima Fazlagic, sagte bei der Gedenkfeier: "Von dieser Stelle aus möchten wir an die bosnische Justiz und an das Bezirksgericht in Banja Luka appellieren, endlich ihre Arbeit aufzunehmen und sich mit dem Fall "Prijedor-Lager" zu befassen." An der Gedenkfeier nahmen auch ehemalige Lagerinsassen teil. Sie erinnern sich nur zu gut an Entwürdigungen und unmenschliche Misshandlungen, die ihnen angetan wurden. Elvir Behlic erzählt: "Eine Katastrophe! Ich zittere immer noch, wenn ich daran denke. Die haben sogar versucht, uns mit Gas zu vergiften. Ich habe meine Jacke genommen und die als Kopfbedeckung benutzt. Danach konnte man Schüsse hören. Ich bin dabei verletzt worden, die Narben an meinem Bein sind noch sichtbar."

Kein Glaube an Gerechtigkeit

Die ehemaligen Lagerinsassen erinnerten daran, dass sich viele Menschen, die die Verbrechen im Lager "Keraterm" begangen haben, noch immer auf freiem Fuß befinden. Es gebe kaum Hoffnung, dass sie irgendwann gefasst und vor Gericht gestellt werden, sagt der ehemalige Gefangene Hase Besic aus dem bosnischen Kozarac, der inzwischen in Deutschland lebt. Er erinnert sich: "Ich bin aus einem Bus gestiegen. Da fingen sie sofort an, mich zu schlagen. Ich musste mich hinknien, damit sie mich besser verprügeln können, wie sie sagten. Gerechtigkeit? Ich glaube nicht, dass es irgendwann Gerechtigkeit geben wird."

Keine Fortschritte

Bisher gibt es keine neuen Erkenntnisse darüber, wo die meisten ermordeten Bosniaken und bosnischen Kroaten begraben wurden. Aus einem Massengrab in Hrastova Glavica, 30 Kilometer entfernt von Prijedor, wurden 126 Leichen exhumiert. Sie konnten mittels DNA-Analyse identifiziert werden. Edin Ramulic, ebenfalls Mitglied der Organisation "Izvor", betonte: "Es passiert nichts. Wir kommen jedes Jahr hierher. Es wurde niemand für dieses Verbrechen angeklagt, die Überreste von anderen Opfern sind nicht gefunden worden"

Dragan Maksimovic
DW-RADIO/Bosnisch, 25.07.2007, Fokus Ost-Südost

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