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Fokus Osteuropa

Bosnien fürchtet Gas-Lieferstopp aus Russland

Noch aus Kriegszeiten hat Bosnien-Herzegowina hohe Schulden beim russischen Energieunternehmen Gasprom. Das droht nun damit, Gaslieferungen schon zum 1. Februar einzustellen - eine Katastrophe für den Balkanstaat.

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Sarajewo bald ohne Heizung?

Zunächst einmal die gute Nachricht: Nachdem sich die Versorgungslage im Westeuropa nach den drastischen Lieferausfällen von russischem Erdgas zu Jahresbeginn wieder normalisiert hatte, gibt es auch in Bosnien-Herzegowina Entwarnung. Trotzdem ist die Energieversorgung des Landes nicht gesichert. Da Sarajewo seine Schulden aus den Kriegszeiten (1992-1995) bei Gasprom noch nicht beglich, hat der russische Energiekonzern angekündigt, die Gaslieferungen zum 1. Februar einzustellen, falls keine Vereinbarung über die Rückzahlungsmodalitäten getroffen wird. Es geht um rund 104 Millionen Euro.

Lieferstopp hätte verheerende Folgen

Almir Becarevic, der Direktor der bosnisch-herzegowinischen Gasversorgungsfirma BHGas, warnt: Ein möglicher Lieferstopp könnte verheerende Folgen für die bosnischen Verbraucher und die Wirtschaft haben. "Das wäre eine Katastrophe", sagte Becarevic gegenüber DW-RADIO, "zuerst wären Großverbraucher aus der Industrie betroffen – Stahl- und Bergbauunternehmen wie BH-Stil und Birac Zvornik. Ferner wäre die Hauptstadt Sarajewo am meisten betroffen, in der 80 Prozent der Bewohner auf Gas angewiesen sind. An einen solchen Fall möchten wir gar nicht erst denken, weil dies für die Bevölkerung und Wirtschaft einer Katastrophe gleich käme."

Keine Lagermöglichkeiten

Im Gegensatz zu Deutschland, das über Gasreserven für etwa 75 Tage verfügt, hat Bosnien-Herzegowina nicht die Kapazitäten, Gas zu lagern. Becarevic erläutert: "Gerade das bereitet uns Sorgen. Wir haben keine Reserven. Weder wir noch unser Nachbar Serbien-Montenegro verfügen über solche Speicher, so dass wir auf tägliche Lieferungen angewiesen sind. Die Kosten für den Bau solcher Speicher sind einfach zu hoch."

Für den Bau eines Erdgasspeichers müsste der Staat 100 Millionen US-Dollar bereitstellen. Doch ihm fehlt das Geld. So wird Bosnien-Herzegowina auch in den kommenden Jahren nicht in der Lage sein, Erdgasreserven anzulegen.

Hoffen auf Einigung

Politische Vertreter in Sarajewo hoffen dennoch, bis Ende Januar eine Lösung zu finden und so eine langfristige Gasversorgung sicherzustellen. Sie spekulierten dabei darauf, dass die Russische Föderation Schulden in Höhe von 125 Millionen US-Dollar an Bosnien zurückzahlt, die noch aus Vorkriegszeiten stammen, so Becarevic: "Wir stehen eigentlich ganz gut da, denn unsere Schulden sind geringer als die von Russland. Auch der politische Wille, dieses Problem zu lösen, ist vorhanden. Der Gasimporteur für Bosnien-Herzegowina, die Firma Energoinvest, hat vor kurzem von Russland einen Vertragsentwurf über eine dreijährige Gasversorgung erhalten. Und wir hoffen somit, dass dieses langjährige Problem gelöst wird."

Zumindest hat Bosnien-Herzegowina keine Preiserhöhung zu befürchten wie die Ukraine. Denn es zahlt dem russischen Energiekonzern Gasprom bereits jetzt den marktüblichen Preis.

Belma Fazlagic-Sestic
DW-RADIO/Bosnisch, 4.1.2006, Fokus Ost-Südost