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Fokus Osteuropa

Bosnien: Exhumierung bei Brcko beendet

Auch über zehn Jahre nach dem Bosnien-Krieg werden noch Opfer gefunden. So auch im Savegebiet. Dort wurden die sterblichen Überreste von 277 Einwohnern von Brcko exhumiert. Noch immer sind etwa 500 vermisst gemeldet.

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Lange Suche nach den Opfern

Die Exhumierungsarbeiten an einem Massengrab in Gorica bei Brcko hat das Expertenteam der Vermisstenkommission der Föderation Bosnien-Herzegowina nach mehr als einem Monat beendet. Das Massengrab gilt als das bislang größte im bosnischen Savegebiet entdeckte. An diesem Fundort sind die sterblichen Überreste von insgesamt 277 Opfern ausgegraben worden. Vermutlich handelt es sich um Bosniaken und Kroaten aus Brcko, die im Frühjahr 1992 ermordet wurden. Murat Hurtic, ein Mitglied der föderalen Vermisstenkommission, bekräftigte gegenüber DW-RADIO, alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass die Toten Bosniaken und Kroaten seien.

Hinweise auf Herkunft

"Nun können wir sagen, dass wir auch die letzten sterblichen Überreste geborgen haben. Insgesamt sind es 277 Skelette und Skelettteile. Davon sind 115 Skelette vollständig und 162 unvollständig. Dass die Opfer Einwohner von Brcko waren, bestätigen auch die Papiere, die wir gefunden haben. Wir haben drei Ausweisdokumente gefunden, die wir auch entziffern konnten, und alle drei Personen waren aus Brcko und Umgebung. Sie werden bei den entsprechenden Verbänden als vermisst geführt", meint Murat Hurtic.

Mehrere Einschusslöcher

Hurtic und sein Team sind seit mehr als elf Jahren auf diesem Gebiet tätig. Doch Details haben den Spezialisten erstaunt. Hurtic sagte: "Wir haben bei mehr als zehn Skeletten am Schädel drei Einschusslöcher gefunden. Das spricht für die Richtigkeit einer von den Serben, die die Erschießungen vorgenommen haben, benutzten Floskel, die besagt, dass sie durch Kopfschüsse aus nächster Nähe ‚den Tod einer Person bestätigen oder bescheinigen‘". Neben den Schädeln mit den drei Einschusslöchern haben die Experten auch zertrümmerte Schädel gefunden.

Identifizierung läuft

Alle sterblichen Überreste aus dem Massengrab in Gorica wurden nach Tuzla überstellt, wo bereits ein Expertenteam an ihrer Identifizierung arbeitet. Als vermisst gelten noch 500 Bosniaken und Kroaten aus Brcko. Diese Zahl ist jedoch nicht vollständig und wird laufend ergänzt. Für die in Brcko verübten Kriegsverbrechen sind bis jetzt drei Personen verurteilt worden. Goran Jelisic und Branko Cesic sind zu mehrjährigen Haftstrafen vom UN-Kriegsverbrechertribunal und Konstantin Simeunovic von der einheimischen Justiz verurteilt worden.

Zoran Matkic, Brcko
DW-RADIO/Bosnisch, 13.12.2006, Fokus Ost-Südost

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