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Deutschland

Bosnien: Der Letzte holt die Fahne ein

Nach über 17 Jahren geht der Einsatz der Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina zu Ende. Mehr als 63.000 deutsche Soldaten nahmen an der Mission teil, nun kehren die letzten Soldaten nach Hause zurück.

Zuletzt waren es noch zwei Soldaten, die im deutschen Hauptquartier im bosnischen Sarajevo die Stellung hielten. Mit ihrer Verabschiedung und dem Einholen der deutschen Flagge endete der bislang längste Auslandseinsatz der Bundeswehr.

Portraitfoto von Oberstleutnant Thomas Kolatzki, Sprecher für die Einsätze der Bundeswehr auf dem Balkan Bild: PIZ EinsFüKdoBw/Johanes Kunze-Scheunemann Bild zugeliefert: 27.9.2012, Rachel Gessat

Stolz auf den Bosnien-Einsatz: Oberstleutnant Thomas Kolatzki

Für Thomas Kolatzki vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr ein bewegender, aber auch beglückender Moment. "Für mich ist das ein gutes Gefühl, dass wir den militärischen Auftrag ausgeführt haben und einen Einsatz auch beenden. Da können wir, glaube ich, stolz und zufrieden sein", sagt der Oberstleutnant im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Gekommen waren die deutschen Soldaten zum Jahreswechsel 1995/1996 als Teil der internationalen Friedenstruppe IFOR. Nach drei Jahren Bürgerkrieg mit rund 100.000 Toten hatten die Kriegsparteien Serbien und Bosnien-Herzegowina im November 1995 ein Friedensabkommen unterzeichnet. Das Massaker von Srebrenica, bei dem bosnische Serben mehr als 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet hatten, lag damals gerade einmal fünf Monate zurück.

Massive militärische Präsenz

Mit über 50.000 Mann rückte die NATO-geführte Truppe damals ein, um gewaltsame Zusammenstöße zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik zu verhindern. Das erste deutsche Kontingent bestand aus rund 2600 Soldaten aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und dem Sanitätsdienst.

Nach einem Jahr ging die IFOR (Implementation Force), die die Umsetzung des Friedensvertrags garantieren sollte, in die SFOR (Stabilisation Force) über, die den Frieden stabilisieren sollte. Die SFOR, an der sich die Bundesrepublik mit bis zu 3000 Soldaten beteiligte, sicherte die Bewegungsfreiheit im Land, zeigte militärische Präsenz an Checkpoints und sammelte und vernichtete Waffen der ehemaligen Kämpfer.

Die Aufgaben verändern sich

Deutsche Feldjäger der Bundeswehr mit einem Jeep, Foto: dpa (Michael Hanschke)

17 Jahre war die Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina

2004 war dann die Sicherheitslage so weit verbessert, dass die Vereinten Nationen das SFOR-Mandat nicht verlängerten. Mit einer deutlich verringerten Anzahl an Soldaten übernahm die EU-geführte EUFOR (European Union Force) die Friedenssicherung.

Der Schwerpunkt des Einsatzes habe von da an stärker auf den "nicht-exekutiven" Aufgaben gelegen, erklärt Thomas Kolatzki. Die 1500 deutschen Soldaten, die im Rahmen der EUFOR in Bosnien-Herzegowina stationiert werden, halfen nun auch verstärkt bei der Ausbildung von bosnischen Armee- und Polizeikräften.

Militär vor Ort nicht mehr notwendig

Im Juli 2012 beschloss die Bundesregierung, die deutsche Beteiligung an der EUFOR zu beenden. Zu Recht, meint Thomas Kolatzki, "weil seit Bestehen dieser EU-geführten Operation nie das militärische Eingreifen der EUFOR-Truppe notwendig war. Man kann wirklich sagen, die Notwendigkeit für eine bewaffnete Truppe besteht hier nicht mehr".

Rainer Arnold im Deutschen Bundestag Foto: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde

Rainer Arnold: "Es gibt noch viel zu tun in Bosnien-Herzegowina"

Zu dem gleichen Schluss kommt auch Rainer Arnold, der verteidigungspolitische Sprecher der SPD. Im Gespräch mit der Deutschen Welle geht er sogar noch weiter: "Eigentlich bräuchten wir gerade in Bosnien-Herzegowina seit Langem eher mehr gut ausgebildete Polizisten als Soldaten für die Aufgaben".

Insgesamt sind im Rahmen der EUFOR noch rund 1000 internationale Soldaten in Bosnien-Herzegowina stationiert. Ob und wann auch sie sich aus dem Balkanland zurückzögen, werde sich vielleicht im nächsten Jahr entscheiden, meint Rainer Arnold. "In Bosnien-Herzegowina haben wir auch heute noch die ethnischen Spannungen. Und viele Kenner des Landes sagen, es ist alles andere als in trockenen Tüchern und für alle Zeiten stabil. Es birgt schon noch Risiken."

Auch wenn sich die Bundeswehr nun aus der Mission der EUFOR verabschiede, für Deutschland und Europa gäbe es auch in den nächsten Jahren noch viel zu tun: "Wir müssen den Prozess politisch, von der Sicherheit her und von der Wirtschaftsleistung des Landes noch viele Jahre unterstützen und begleiten."

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