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Asien

Bootsflüchtlinge: "Weitere 8000 warten auf Rettung"

Etwa 2000 Bootsflüchtlinge konnten gerettet werden, aber noch viel mehr dürften vor den Küsten Thailands unter unmenschlichen Bedingungen ausharren. Die DW sprach mit dem Migrations-Experten Jeffrey Labovitz.

Deutsche Welle: Wie viele Flüchtlinge aus Myanmar und Bangladesch befinden sich nach Ihren Informationen derzeit in Booten vor der thailändischen Küste?

Laut Zahlen des Arakan-Projekts, die von der Internationalen Organisation für Migration für realistisch gehalten werden, handelt es sich um rund 8000 Personen. Das Arakan-Projekt beobachtet die Situation der Rohingya-Flüchtlinge und die Flüchtlingsströme in den Gewässern der Länder Bangladesch, Thailand und Malaysia.

Die Reise eines solchen Flüchtlingsbootes dauert geschätzte vier bis sechs Wochen. Man geht von 7800 Menschen aus, die im März in See gestochen sind, und von 5000 weiteren im April. Nach den jüngsten Landungen von Booten mit insgesamt rund 2000 Passagieren in Aceh (Nordwest-Indonesien) und auf der malaysischen Insel Lankawi unmittelbar vor der südthailändischen Küste kann man von einer beträchtlichen Anzahl von Flüchtlingen ausgehen, die sich noch auf dem Meer vor der Küste befinden.

Nach Recherchen des Arakan-Projekts soll aktuell ein Boot mit etwa 450 Menschen an Bord führungslos im Gebiet von Langkawi auf dem Meer treiben. Versorgungsboote mit Nahrung und Wasser sind nicht in der Nähe.

Thailand Jeffrey Labovitz Migrationsexperte bei IOM

Jeffrey Labovitz: "Regierungen müssen Landung von Flüchtlingen rasch ermöglichen"

Wie wirkt sich das harte Vorgehen der thailändischen Behörden gegen Schmuggler und Flüchtlingslager auf die Lage der Flüchtlinge aus?

Bislang hatten die Menschenschmuggler sich die letzte Rate ihres Lohns an Land auszahlen lassen, häufig in ihren Camps in den Kautschukplantagen an der thailändisch-malaysischen Grenze. Jetzt werden diese Zahlungen an Bord der Boote erledigt, weil es für die Schmuggler zu riskant geworden ist, in Thailand an Land zu gehen.

Welche Risiken und Gefahren drohen den Flüchtlingen in den Booten?

Je länger die Wartezeit auf See dauert, desto bedrohlicher wird ihre Lage. Knapp zwei Prozent von ihnen leiden an der Vitaminmangelerkrankung Beriberi, was im schlimmsten Fall zur Gehunfähigkeit führt, die Betroffenen sehen aus wie lebende Skelette. Rund 40 Prozent sind unterernährt. Die Lebensbedingungen auf den Booten sind unmenschlich, es gibt kaum Bewegungsfreiheit und nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Toilettennutzung, Trinkwasserverschmutzung durch Exkremente ist eine stete Gefahr, ebenso wie Dehydrierung durch Seekrankheit. Wer sich beschwert, muss mit körperlichen Strafen rechnen, es sollen auch schon Passagiere über Bord geworfen worden sein. Längere Wartezeiten auf dem Meer werden dazu führen, dass Flüchtlinge sterben.

Was können die Behörden tun, um diesen Menschen zu helfen?

Wir fordern die betroffenen Regierungen zu Dialog und regionaler Kooperation auf. Alle Länder sollten es den Flüchtlingen zügig ermöglichen, an Land zu gehen. Teams der IOM in Aceh helfen derzeit einer Gruppe von 582 Personen, die dort an Land gegangen sind. Die IOM leistet auch solchen Bootsflüchtlingen dringend benötigte Hilfe, die bereits früher in Thailand an Land gegangen waren und die man in Camps an der Grenze gefunden hat.

Was ist die Ursache für den Anstieg der Flüchtlingszahlen?

Auf den Booten kommen Flüchtlinge aus Bangladesch und aus Myanmars Rakhine-Staat zusammen. Zu den Motiven dieser Menschen gehören der Wunsch nach einer besseren wirtschaftlichen Zukunft ebenso wie Schutz vor Verfolgung. Wir beobachten außerdem einen zunehmenden Anteil von Frauen und Kindern an den Bootsflüchtlingen.

Jeffrey Labovitz leitet das Büro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Thailand.

Das Interview führte Gabriel Dominguez.

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