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Wissen & Umwelt

Boom und Bremse bei globaler Windkraft

Unser Strombedarf wird immer mehr durch Windkraft gedeckt - zumindest in Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Dort beginnt der Boom gerade. In den westlichen Industrieländern dagegen verliert der Windausbau an Fahrt.

Der Ausbau der Windenergie schreitet global weiter voran und wird zunehmend zu einem wichtigen Pfeiler der Stromversorgung. Nach Angaben des World Wind Energy Reports, der jetzt veröffentlicht wurde, wurden im Jahr 2013 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 36 Gigawatt (GW) neu aufgestellt. Damit sind weltweit Windanlagen mit einer Leistung von 318 GW in Betrieb und decken rund vier Prozent des weltweiten Strombedarfs.

Globaler Zubau 2013 fast zur Hälfte in China

Die Dynamik des globalen Windausbaus ist jedoch sehr unterschiedlich. Im vergangenen Jahr wurden in China 45 Prozent aller weltweit aufgestellten Windanlagen installiert. Anlagen mit einer Leistung von 16 GW kamen hinzu. Im Jahr zuvor waren es noch 13 GW. Damit befindet sich China weiter auf der Überholspur bei der globalen Windstromerzeugung. 91 GW Windkraft wurden bisher in China aufgestellt, in Europa erzeugen Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 119 GW sauberen Strom, in den USA sind es 61 GW.

Stefan Gsänger erklärt in der DW die globalen Trends der Windenergie in der DW (Foto: DW/M. Müller)

Stefan Gsänger erklärt in der DW die globalen Trends

Nach Angaben von Stefan Gsänger, Generalsekretär der World Wind Energy Association (WWEA), hat China in diesem Jahr erstmalig mehr Geld in erneuerbare Energien investiert als in fossile Kraftwerke. Neben der Windkraft wurden 2013 auch Solarkraftwerke mit einer Kapazität von über elf GW neu aufgebaut. Die Gründe sind für Gsänger eindeutig: "China braucht viel Energie - günstige und saubere Energie. Gerade die Luftverschmutzung ist katastrophal, die Grenzwerte werden teilweise um das Hundertfache überschritten und die Leuten werden massenhaft krank", so Gsänger.

Eine Dynamik des starken Zubaus von Windanlagen gibt es nach Reportangaben inzwischen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern, in Asien, Afrika und Lateinamerika, sowie in Osteuropa. Die installierte Windkraftleistung stieg in diesen Ländern im Durchschnitt um über 25 Prozent.

Gedämpft ist die Entwicklung des Zubaus jedoch in Westeuropa und den USA. In Europa stieg die installierte Windkraftleistung 2013 nur um elf Prozent, in den USA nur um zwei Prozent. "Man sieht mittlerweile eine starke Bewegung gegen Windenergie, gegen Erneuerbare Energien. Der fossile- und atomare Sektor verstärkt den Gegenangriff", so

Gsänger im DW-Interview.

"Sie wollen den Ausbau der Windenergie, der Erneuerbaren stoppen, weil dieser auf Kosten ihres traditionellen Geschäftsbereichs geht."

Gsänger zeigt sich überzeugt, "dass der Durchbruch der Erneuerbaren nicht aufzuhalten ist." Eine zunehmend große Dynamik erwartet der Windexperte aber vor allem in den Ländern, wo viele Menschen noch keinen Stromanschluss haben. "Das sind riesige Märkte für Wind- und Solaranlagen. Da wird sich eine neue Dynamik entwickeln, die längerfristig die Dynamik in den Industrieländern wieder befeuern wird."

Für 2020 rechnet die World Wind Energy Association mit einer installierten Windkraftleistung von über 700 GW. Damit würde etwa die Strommenge produziert wie derzeit alle Atomkraftwerke in der Welt.

Großes Potenzial für Energieversorgung mit Windkraft

Wind zählt weltweit zur günstigsten Energie der Stromerzeugung. Derzeit ist vorallem

Dänemark Vorreiter beim Umbau der Energieversorgung.

34 Prozent des Stroms wird im deutschen Nachbarland mit Windkraft bereits erzeugt, neun Prozent aus Sonne und Biomasse. Bis 2050 will das Königreich Dänemark seinen Bedarf für Strom, Wärme und Kraftstoffe zu 100 Prozent mit erneubaren Energien decken. Die wichtigste Stütze soll die Windenregie sein.

Führend bei der Windkraft sind in Europa auch Spanien und Portugal, mit einem Anteil von über 20 Prozent an der Stromproduktion. In Deutschland liegt der Anteil des Windstroms am Energiemix bei neun Prozent.

Nach einer

Studie des Bundesumweltamtes (UBA)

gibt es für Windkraft in Deutschland noch ein sehr großes Potenzial. Die dreifache Menge des deutschen Strombedarfs ließe sich allein mit der Windkraft an Land decken. "Für den Ausbau an Land ist viel mehr Platz vorhanden, als wir praktisch brauchen", so Jochen Flasbarth. "Wir müssen das immense Potenzial nur zu einem kleinen Teil ausschöpfen, um unsere Klimaziele zu erreichen", sagt der ehemalige UBA-Präsident Flasbarth, heute Staatssekretär im Umweltministerium.

Infografik Prognose von Stromkosten aus neuen Großkraftwerken

Das Forschungsinstitut Prognos berechnet die Stromkosten regelmäßig: Windstrom ist klimafreundlich und günstig

Deutsche Regierung will Windausbau bremsen

Hinter China führt Deutschland beim Ausbau der Windenergie. Windanlagen mit einer Leistung von 3,3 GW kamen 2013 in Deutschland neu hinzu. Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 35 GW wurden bisher installiert.

Landesregierungen wollen den Windausbau vor Ort weiter stark ausbauen, doch nun bremst die Bundesregierung mit der geplanten Reform zur Förderung der erneuerbaren Energien (EEG). "Es gibt viel Verunsicherung, die Stimmung in der deutschen Windbranche ist nahezu depressiv", beschreibt Gsänger die Situation.

Würde die EEG-Reform wie geplant umgesetzt, dann könnte der Windausbau in Deutschland "nahezu zum Erliegen kommen", so Gsänger. "Das wäre eine Katastrophe, noch mehr Unternehmen könnten pleite gehen." Nach Gsänger würde durch ein Abwürgen des Heimatmarktes die deutsche Technologieführerschaft bei der Windtechnik aufs Spiel gesetzt. "Konkurrenzunternehmen, vor allem aus Asien würden gerne diese Märkte übernehmen."

Für den Versuch die Windkraft abzubremsen, sind laut Gsänger die großen Energiekonzerne verantwortlich. Sie wollen mit Kohle- und Atomstrom in Deutschland noch möglichst lange verdienen wollen und "üben so massiven Druck auf die Gesetzgebung aus." Den Druck beobachtet der Windexperte weltweit in allen Industrieländern und nach seiner Einschätzung wird er in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen.

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