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Wirtschaft

Boom der Bio-Supermärkte

Deutschland ist das Land der Discounter. Aber offenbar schmeckt die Massenware längst nicht mehr jedem gut genug. Denn seit einigen Jahren gibt es einen neuen Trend in der Lebensmittelbranche: Bio-Supermärkte.

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"Unsere Möhren sind wunderschön"


Sie heißen "Basic", "Eat organic" oder "Supernatural": Lebensmittelgeschäfte, die auf den ersten Blick aussehen wie ganz normale Supermärkte, auf den zweiten Blick jedoch anders sind. Die Einrichtung ist ein wenig geschmackvoller, der Verkäufer etwas freundlicher und die Tomaten ein bisschen saftiger. Die Rede ist von den so genannten Bio-Supermärkten. In fast jeder größeren Stadt gibt es sie mittlerweile.

Schrumpelmöhren und Jutetaschen

Kunden im Bio-Laden

So macht Einkaufen Spaß - und der Salat schmeckt auch gut

"Was einen Biosupermarkt ausmacht, ist, dass er anders als der klassische Bioladen einen hohen Selbstbedienungs-Anteil hat. Und dass er es aber trotzdem geschafft hat, eine hochwertige Fachgeschäftsatmosphäre zu bewahren", erklärt Christoph Spahn, Unternehmensberater für Naturkostläden.

Lange Zeit dachte man bei Bioläden an Schrumpelmöhren und Jutetaschen. Es waren kleine, wenig attraktive Geschäfte. Der typische Verbraucher machte einen großen Bogen um sie, musste man doch für die Bio-Lebensmittel meist deutlich mehr bezahlen als im normalen Supermarkt. Für die ökologisch Korrekten, die im Bioladen regelmäßig ihr Tofu und ihr Müsli kauften, hatte man häufig nur ein mitleidiges Lächeln übrig.

Hedonistisches Publikum

Mittlerweile hat sich jedoch einiges verändert. "Die Biosupermärkte haben in den vergangenen Jahren sicherlich noch ein bisschen mehr die Entwicklung von der Familienspezifizierung hin auf hedonistisches Publikum geschafft", erzählt Spahn.

Und so, wie sich die Kundschaft gewandelt hat, haben sich eben auch die Bioläden verändert. Statt kleiner Naturkostläden gibt es immer mehr großflächige Biosupermärkte - in ganz Deutschland sind es inzwischen mehr als 200. Sie werben damit, günstiger zu sein als die klassischen Bioläden und kommen offenbar gut an.

Allgemeines Lebensgefühl

Bioladen in Köln

Nur Bioprodukte stehen in den Regalen im Basic-Bioladen in Köln

Nach Angaben von Christoph Spahn machen die Biosupermärkte mittlerweile bereits ein Fünftel des gesamten Umsatzes in der Naturkostbranche. Ein Ende des Booms sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: Spahn rechnet sogar damit, dass sich die Zahl der Biosupermärkte in den kommenden Jahren verdoppelt.

An die Zukunft der Biosupermärkte glaubt auch Andrew Murphy. Er ist Vorstandsvorsitzender der Supernatural AG, die im Rheinland fünf Supermärkte betreibt. Das Konzept kommt seiner Ansicht nach dem allgemeinen Lebensgefühl entgegen.

Geschmack und Qualität

Dem Geschmack sind im Biosupermarkt inzwischen fast keine Grenzen mehr gesetzt. Während früher etwa Fertig- oder Tiefkühlprodukte in Ökoläden verpönt gewesen seien, gehörten sie in den Biosupermärkten der neuen Generation selbstverständlich zum Sortiment, erklärt Murphy. Natürlich würden die ökologischen Standards auch bei diesen Waren strengstens beachtet.

Im Biosupermarkt von heute zählen Geschmack und Qualität mehr als die ökologische Gesinnung. Gekauft wird, was gefällt. Askese ist out. Sogar das Auge darf mitessen. Denn schrumpelig, so Andrew Murphy, seien ökologisch angebaute Möhren schon lange nicht mehr. "Die sind bei uns nicht mehr hässlich, die sehen gut aus. Unsere Möhren sind wunderschön", sagt Murphy.

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  • Datum 03.01.2005
  • Autorin/Autor Christiane Wolters
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  • Permalink http://p.dw.com/p/63iq
  • Datum 03.01.2005
  • Autorin/Autor Christiane Wolters
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