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Kultur

Booker Prize sorgt wieder für Schlagzeilen

Der Booker Prize 2005 hat einen überraschenden Sieger: Der Schriftsteller John Banville hat sich gegen die Favoriten durchgesetzt und darf sich schon jetzt auf steigende Verkaufszahlen für seinen Roman "The Sea" freuen.

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John Banville hat den Man Booker Prize 2005 gewonnen

John Banville heißt der überraschende Preisträger der wichtigsten englischsprachigen Literaturauszeichnung, dem Man Booker Prize. Ausgezeichnet wurde sein Roman "The Sea". Eine "meisterliche Studie der Trauer, der Erinnerung und der Liebe", sagte der Jury-Vorsitzende John Sutherland. Als frischgebackener Preisträger erhält Banville umgerechnet 72.000 Euro.

Überraschender Sieger

Banville konnte sich gegen fünf andere Finalisten durchsetzen, darunter auch der favorisierte Julian Barnes. Für Überraschung hatte aber bereits die Auswahl der Finalrunde gesorgt, in der Booker Prize-Sprache auch "Shortlist" genannt. Die Endrundenteilnehmer wurden aus der so genannten Longlist ausgewählt, also der Auswahl der letzten 17 Autoren. Und auf dieser Liste fanden sich unter anderem auch ehemalige Booker Prize-Träger wie Salman Rushdie, J. M. Coetzee und Ian McEwan. Alle drei hatten es aber nicht bis in die "Shortlist" geschafft. Als diese Anfang September bekannt gegeben wurde, löste das Fehlen der drei renommierten Autoren ein kleines Erdbeben in der Literaturszene aus.

Salman Rushdie

Salman Rushdie wurde 1981 mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

Nicht alle fünf Mitglieder der Jury, die aus jährlich wechselnden Personen der Literaturszene besteht, waren glücklich über das "Prominentenschlachten" ("Süddeutsche Zeitung"). "Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich Salman Rushdie gleich den Nobelpreis verliehen. Aber ich bin nicht der König der Welt hier", sagte Sutherland.

Booker Prize als Verkaufsgarant

Wichtiger als das Preisgeld ist das Prestige der Auszeichnung – für Autoren und Verlage. Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte Graham Swifts Roman "Last Orders", der 1996 prämiert wurde. Vor der Auszeichnung hatten nur 285 Menschen in Großbritannien sein Buch gekauft, einen Monat später waren es 33.000. Wer es alleine in die "Longlist" geschafft hat, kann mit einem Verkaufsschub rechnen. Und der Internet-Buchversand Amazon hat sogar eine eigene Rubrik für die "Shortlist"-Romane der vergangenen Jahre eingerichtet.

Alan Hollinghurst, Gewinner des Man Booker Preises 2004 The Line of Beauty

Alan Hollinghurst und der Booker Prize - ein echtes Gütesiegel.

Der Booker Prize ist ein Gütesiegel, mit dem sich jeder gerne schmückt – auch auf dem Buchdeckel. Auf der deutschen Übersetzung von Hollinghursts Roman, der als "Die Schönheitslinie" im September 2005 erschienen ist, verdrängt der rote Kasten mit dem Vermerk "Booker Preis 2004" gleich den Autorennamen. Der Roman des 51-jährigen Engländers, dessen vorherige Bücher nicht einmal alle übersetzt wurden, belegt auf den Verkaufsrängen von Amazon immerhin schon Platz 787 von Millionen von Büchern.

Bevor der Begriff "Booker" zum literarischen Gütesiegel wurde, war es lediglich der Firmenname eines international tätigen Lebensmittelkonzerns. Booker PLC besaß Mitte der 1960er-Jahre Rechte an Autoren wie Agatha Christie oder 007-Erfinder Ian Fleming und verdiente damit rund zwei Millionen britische Pfund im Jahr. Der britische Verlag Jonathan Cape überzeugte das Unternehmen, Teile dieser Gewinne in eine britische Variante des amerikanischen Pulitzer-Preises zu investieren.

Keine amerikanischen Autoren

In Anlehnung an die englische Romantradition sollte nun jährlich "der beste englischsprachige Roman" gekürt werden. Novellen, Kurzgeschichten, Krimis und Thriller schloss man so von vorneherein aus. Mit der Auflage, dass der Autor aus dem Commonwealth oder der Republik Irland kommen musste, wurden auch amerikanische Preisträger verhindert. Bekannte Gewinner sind die Britin Iris Murdoch, der aus Trinidad stammende V. S. Naipaul, Michael Ondaatje, Yann Martel und Magaret Atwood.

Streng genommen hat der literarische Ritterschlag seit 2002 einen neuen Namen: "The Man Booker Prize." Denn der Lebensmittelkonzern Booker hat sich als Sponsor zurückgezogen. Die 2002 gegründete "Booker Prize Foundation" und der neue Sponsor, das Investment-Unternehmen "Man", dürfen den Titel jedoch weiter verwenden. Der Booker Prize ist längst eine Marke für sich.

Die Finalisten des Man Booker Prize 2005:

  • John Banville "The Sea"
  • Julian Barnes "Arthur and George"
  • Sebastian Barry "A Long Long Way"
  • Kazuo Ishiguro "Never Let Me Go"
  • Ali Smith "The Accidental"
  • Zadie Smith "On Beauty"

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