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Wirtschaft

Boni-Regen in der Kritik

Trotz Krise schütten Finanzinstitute wieder Rekordsummen für Boni aus. Das schürt die Diskussion darüber, ob man die Bonizahlungen begrenzen sollte und ob sie ethisch korrekt sind.

Aktienhändler streckt sich vor Bildschirmen (Foto: AP)

Wer gut ist, ist in der Finanzbranche heiß umworben

Schwarzer Anzug, glänzende Schuhe und dicker Geldbeutel: Ein Banker in Manhattan war früher ein guter Fang und ein gern gesehener Schwiegersohn. Heute ist jeder, der in der Finanzbranche arbeitet, der personifizierte Ursprung allen Übels. Das ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass auf der einen Seite mehr als jeder zehnte Amerikaner keinen Job hat, auf der anderen Seite in der Finanzbranche wieder riesige Summen an die Mitarbeiter ausgezahlt werden. 2009 flossen allein an der Wall Street Boni in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Nur dreimal in der Geschichte der New Yorker Börse war die Bonisumme höher.

Michael Moore (Foto: AP)

Michael Moore warnt vor der Wut der Menschen

Das liegt daran, dass der Druck der Branche hoch ist: Denn, wer nicht zahlt, muss auf gutes Personal verzichten. Dieses Prinzip beklagt auch der Autor und Filmemacher Michael Moore im US-Fernsehen: Wo sei die Logik dafür, dass man die "die Besten" bezahlt, nämlich die die unsere Wirtschaft ruiniert und zerstört haben? "14.000 Menschen verlieren täglich ihre Gesundheitsversorgung, 15 Millionen sind arbeitslos. Alle siebeneinhalb Sekunden verfällt eine Hypothek auf ein Haus… Da draußen baut sich eine enorme Wut auf!," warnt er.

Dabei sind die Boni nur ein Mosaikstein in einer Branche, in der an allen Ecken und Enden Millionensummen für Mitarbeiter fließen. David Beim, Professor für Wirtschaftsethik an der Columbia University in New York, meint daher, das es vielleicht schon helfen würde, einfach andere Begrifflichkeiten zu wählen. "Das Wort Bonus hört sich so an, als ob dieser an Erfolg geknüpft wäre." Denn das Wort Bonus kommt aus dem Lateinischen und heißt "gut". "Wenn man Boni richtig benennen würde, wäre es einfach eine hohe Bezahlung für Leute, denen man sie versprochen hat."

Handel um Händler

In der Finanzbranche wird hart gepokert um die besten Händler. Zwar sind Banken und Brokerhäuser untergegangen, dafür bekommen die die noch da sind mehr vom Kuchen - und können dementsprechend auch mehr bieten. 4000 registrierte Broker haben einer Studie zufolge 2009 den Arbeitgeber gewechselt. Gehälter, Abfindungen und Locksummen befinden sich im Höhenflug.

Das Gebäude der Investmentbank Goldman Sachs in New York (Foto: dpa)

Mit etlichen Millionen wurden Goldman Sachs-Mitarbeiter abgeworben

Im Februar verklagte die Investmentbank Goldman Sachs sieben Mitarbeiter, die für "mehrere zehn Millionen" Dollar Wechselsumme von der Credit Suisse geködert worden sein sollen. Das Verfahren wurde von Goldman Sachs abgebrochen. Konkurrent JP Morgan hat ähnliche Gerichtsverhandlungen gegen Ex-Mitarbeiter am Laufen - und Gerüchten zufolge sollen einem einzelnen Citigroup-Banker 20 Millionen für einen Wechsel zur Credit Suisse geboten worden sein.

Selbst wenn man Boni regulieren könnte, wird die Finanzbranche andere Wege finden, enorme Summen zu verteilen, meint David Beim. Außerdem seien Regierungen auch nicht unbedingt geeignet, um die Bezahlung einer Branche zu regulieren. "Regierungen sind nicht sehr gut im Treffen ökonomischer Entscheidungen". Außerdem hätten Regierungen wenig Einblick, wie Unternehmen handeln. "Und wenn sie versucht, Unternehmen zu betreiben, läuft es meistens schlecht," sagt Beim.

Keine Spur von Schuldgefühlen

Während um sie herum wütende Proteste toben, scheinen die Banker selbst in einer anderen Welt zu leben. Schuldgefühle? Haben sie nicht, meint Professor Beim. Er war früher selbst in der Finanzbranche tätig: "Ich bin überrascht wie schamlos die Banker sind und auch wie schamlos die Chefs großer Firmen sind. Keiner hat Schuldgefühle. Das zeigt auch wie schwierig und einschneidend die Probleme sind."

Tiger Woods (Foto: AP)

Der Golflegende Tiger Woods wird hohes Gehalt "verziehen"

Sozialwissenschaftler warnen: Die Kluft zwischen der amerikanischen Bevölkerung und den Finanztitanen werde immer größer. Das ist unbestritten, meint auch Wirtschaftsethiker David Beim. Für ihn ist es jedoch ein altes, bekanntes Problem, dass durch die Finanzkrise verstärkt wurde. "Menschen mit hohem Ausbildungsgrad oder besonderen Fähigkeiten werden so gut bezahlt, dass es dem Rest der Welt unfair erscheint. Tiger Woods wird das verziehen, auch Football-Spielern oder Filmstars." Aber durch die Krise würde sich die Aufmerksamkeit wieder darauf richten, was Banker bekommen. "Das war offen gesagt schon immer viel, aber es wurde nicht wahrgenommen, beziehungsweise es hat sich niemand beschwert."

Autorin: Miriam Braun

Redaktion: Insa Wrede

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