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Politik

Bombenterror auf der Halbinsel Sinai

Bei der blutigsten Serie von Anschlägen auf israelische Touristen im Ausland sind in Ägypten über 30 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt worden. Das Auswärtige Amt in Berlin rät von Reisen in die Region ab.

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Israelische Urlauber verlassen fluchtartig den Sinai


Die meisten der Opfer der mit Autobomben verübten drei Attentate in den ägyptischen Badeorten Taba und Ras el Schaitani auf der Sinai-Halbinsel stammen aus Israel. Israelische Sicherheitsbehörden vermuten die Attentäter in Kreisen islamistischer Terrorgruppen, die dem Al Kaida-Netzwerk angeschlossen sein könnten. Aus Furcht vor weiteren Anschlägen wurde in Israel erhöhte Alarmbereitschaft ausgerufen.

Bürokratische Hürden bei Hilfeleistungen

Das Hilton in Taba

Das Hilton in Taba - ein Flügel wurde komplett zerstört

Die folgenschwerste von insgesamt drei Explosionen hatte sich am Donnerstagabend (7.10.) in Taba ereignet. Mindestens ein Selbstmordattentäter raste mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in die Lobby des Hilton-Hotels. Mehrere Stockwerke des Gebäudes stürzten ein, Feuer brachen aus. Ein weiterer Bombenanschlag sowie ein Feuerüberfall wurden auf Restaurants in Ferienanlagen im südlich von Taba gelegenen Ras el Schaitani verübt. Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Beth schickte Ermittler nach Taba.

Israelische Regierungsvertreter kritisierten, bei den Rettungs- und Bergungsarbeiten sei es wegen bürokratischer Schwierigkeiten auf der ägyptischen Seite zu erheblichen Verzögerungen gekommen. Nach israelischen Berichten hatten ägyptische Grenzbeamte israelischen Feuerwehr- und Krankenwagen nur nach genauesten Prüfungen der Identität jedes Mitarbeiters das Passieren der Grenze in den Sinai erlaubt. Dadurch sei kostbare Zeit vergeudet worden, hieß es von offizieller israelischer Seite.

Islamistischer Terror?

Ägyptisch-Israelische Grenze

Ägyptisch-Israelische Grenze

Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Sinai- Anschläge nicht ausdrücklich. Ein Sprecher des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat sagte, die israelische Besatzung sei verantwortlich für die anhaltende Gewalt in der Region. Solange sie andauere, könne niemand "Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Region oder der Welt garantieren", sagte Nabil Abu Rudeina. Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas-Bewegung betonte allerdings in Gaza, seine Gruppe stehe nicht in Verbindung mit den Anschlägen in Ägypten.

Israelische Sicherheitsexperten sagten der Online-Ausgabe der Zeitung "Jediot Achronot", die Anschläge im Sinai seien dem Augenschein nach sehr lange und genau geplant worden. Vermutlich hätten mehrere Terrororganisationen zusammengearbeitet. Offenbar seien mehrere mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge fast zeitgleich an verschiedenen Orten explodiert. Zu den Anschlägen bekannten sich am Freitag zwei bislang unbekannte Gruppen, die "Dschamaa el Islamia el Alamia" (Internationale Islamische Vereinigung) sowie eine Organisation namens "Islam-Brigade Monotheismus". Experten äußerten jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Bekennerschreiben. Tausende israelischer Urlauber im Sinai traten nach den Bombenanschlägen fluchtartig die Heimreise an.

Reisewarnungen für die Halbinsel Sinai

Anschläge auf israelische Urlauber im Sinai

Die Israelis reisen ab

Seit 1990 leidet der für Ägypten wichtige Tourismus unter Anschlägen. Während des ersten Irak-Krieges sorgten Attentate auf Touristenbusse für einen erheblichen Einbruch. Die Anschläge auf der Halbinsel Sinai treffen den Tourismus in Ägypten inmitten einer Aufschwungphase: Seit 1999 ist die Anzahl der nach Ägypten reisenden internationalen Touristen kontinuierlich auf mehr als sechs Millionen (2003) angestiegen. Die Strände der Halbinsel am Roten Meer sind auch bei Deutschen beliebt. Allerdings gehört die Region um den Urlaubsort Taba nicht zum Programm der großen europäischen Reiseaveranstalter wie TUI und Thomas Cook. Diese steuern die Region mehr als 200 Kilometer südlich um den Flughafen Sharm el Sheikh und vor allem den bei Tauchern sehr beliebten Ort Hurghada an.

In den klassischen ägyptischen Touristenzielen im Niltal sowie in Hurghada ist die Lage weiterhin ruhig. Kurzfristige Verschlechterungen sind allerdings möglich. Reisenden wird empfohlen, sich von Demonstrationen und größeren Menschenansammlungen fern zu halten. Wegen unzureichend gekennzeichneter Minenfelder ist besondere Vorsicht auf dem Sinai, in einigen Küstenbereichen des Roten Meeres, am Mittelmeerküstenstreifen westlich von El Alamein und in Grenzregionen zu Sudan und Libyen geboten. Von Reisen auf die Sinai-Halbinsel rät das Auswärtige Amt derzeit ab. (arn)

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