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Amerika

Bombenalarm bei Weihnachtsfeier

Die US-Bundespolizei hat in der Großstadt Portland einen Autobombenanschlag vereitelt. Polizisten nahmen einen gebürtigen Somalier fest. Verdeckte Ermittler hatten ihm Sprengstoff geliefert, der jedoch inaktiv war.

Menschen vor einem Weihnachtsbaum in Portland (Foto: ap)

Ziel des mutmaßlichen Attentäters: Besucher einer Christbaum-Einweihung

Der 19-jährige mutmaßliche Attentäter wurde bei einer Feier zum Auftakt der Weihnachtssaison in Portland im US-Bundesstaat Oregon festgenommen, als er eine Autobombe zünden wollte. Wie das Justizministerium und die Bundespolizei FBI am Samstag (27.11.2010) mitteilten, stammt der junge Mann aus Somalia. Er besitze aber die US-Staatsbürgerschaft. Sein Name wurde mit Mohamed Osman Mohamud angegeben. Er sei bereits seit August 2009 im Visier der Fahnder gewesen.

Der mutmaßliche Attentäter war nach offiziellen Angaben am Freitagabend mit seinem Lieferwagen in die Nähe der geplanten Feier in Portland an der Westküste der USA gefahren. Dort sollten eine Viertelstunde später zum ersten Mal in dieser Weihnachtssaison die Lichter am Christbaum angezündet werden. Der Freitag nach dem Erntedankfest ist in amerikanischen Einkaufszentren einer der betriebsamsten Tage des Jahres. Viele Amerikaner nutzen ihn als Brückentag, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Auch in anderen Städten wird mit dem Anschalten der Baumbeleuchtung der Beginn der Weihnachtszeit gefeiert.

Drahtzieher in Pakistan

Polizei-Foto des mutmaßlichen Attentäters: Mohamed Osman Mohamud, 19 (Foto: ap)

Polizei-Foto des mutmaßlichen Attentäters: Mohamed Osman Mohamud, 19

Laut dem lokalen FBI-Vertreter Arthur Balizan war die Bedrohung sehr ernst: Mohamud sei zu einem großangelegten Anschlag "fest entschlossen gewesen". FBI und örtliche Polizei hätten jedoch sichergestellt, dass die Öffentlichkeit zu keiner Zeit in Gefahr gewesen sei. Der Sprengsatz, den Mohamud habe zünden wollen, sei inaktiv gewesen. Den angeblichen Sprengstoff hatte er von verdeckten Ermittlern erhalten.

Dem FBI-Einsatz waren monatelange verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. Mohamud nahm laut Anklageschrift im August 2009 Email-Kontakt mit einem in Pakistan lebenden mutmaßlichen Terror-Drahtzieher auf. Die beiden Männer hätten über Möglichkeiten diskutiert, wie Mohamud nach Pakistan hätte reisen können. Er habe vorgehabt, sofort nach seinem geplanten Anschlag aus den USA auszureisen. Sein Kontakt-Mann habe Mohamud an einen dritten Mann verwiesen. Dieser habe ihn mit einem neuen Namen und neuer Email-Adresse versehen. Danach seien seine Kontakte zu beiden Ansprechpartnern abgebrochen.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Im Juni habe ein verdeckter FBI-Ermittler unter dem Vorwand, ein Vertrauter seiner pakistanischen Kontaktperson zu sein, Verbindung zu Mohamud aufgenommen. Dieser teilte dem Ermittler bei einem Treffen einen Monat später mit, dass er seit seinem 15. Lebensjahr vom "Heiligen Krieg gegen Ungläubige" träume und bereits ein konkretes Anschlagsziel habe - die Weihnachtsbaumfeier in Portland, wie aus der Anklageschrift weiter hervorgeht.

Trotz wiederholter Hinweise des Beamten, dass bei der Feier auch viele Kinder dabei seien, habe der mutmaßliche Attentäter sich nicht von der Idee abbringen lassen, eine "große Menschenmasse" während einer christlichen Feier anzugreifen. Im November habe er dann die Detonation eines Sprengsatzes mit dem FBI-Agenten geprobt und ein Bekennervideo aufgezeichnet. Er habe am späten Freitagnachmittag tatsächlich versucht, die vermeintliche Autobombe mittels eines Mobiltelefons fernzuzünden. Beamte des FBI und der lokalen Polizei nahmen ihn kurz darauf fest. "Wir gehen nicht davon aus", sagte anschließend ein Sprecher, "dass es weiterhin eine Bedrohungssituation gibt."

Der Mann soll am Montag einem Bundesgericht in Portland vorgeführt werden. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Autor: Martin Schrader (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Annamaria Sigrist