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Welt

Bombe von Talokan wurde ferngezündet

Den Anschlag von Talokan auf ranghohe afghanische und deutsche Sicherheitskräfte hat kein Selbstmordattentäter verübt. Dieses Ermittlungsergebnis wirft neue Fragen auf. Und das Töten in Afghanistan geht weiter.

Neubau des Sicherheitsgebäudes der Polizei in Herat im April 2011 (Foto: DW)

Neugebaute Polizeistation in Herat: Die Stadt im Westen war vergleichsweise sicher

Bei einem Doppelanschlag in der westafghanischen Stadt Herat sind am Montag (30.05.2011) mindestens vier Menschen getötet worden. Ein Selbstmordangreifer sprengte sein mit Sprengstoff beladenes Auto im Eingangsbereich eines italienischen Militärstützpunktes in die Luft. Die zweite Explosion ereignete sich auf einer belebten Kreuzung in der Innenstadt. Ein Polizist und drei Zivilisten seien getötet worden, sagte der Sprecher der Regionalpolizei, Rauf Ahmadi. Das Verteidigungsministerium in Rom meldet fünf verwundete italienische Soldaten, einer von ihnen sei schwer verletzt. Im Süden des Landes wurde ein NATO-Mitarbeiter von einem Mann erschossen, der eine afghanische Heeresuniform trug. Ob es sich bei dem Angreifer um einen afghanischen Soldaten oder einen Aufständischen handelte, ist noch nicht bekannt.

Ruhiges Herat?

Herat ist die größte Stadt im Westen Afghanistans. Sie galt als relativ ruhig und gehört deshalb zu den sieben Regionen, die im Juli von der NATO-Schutztruppe ISAF an die afghanische Regierung übergeben werden sollen. Bis 2014 sollen die Afghanen dann ihr gesamtes Land kontrollieren. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte Herat in der vergangenen Woche besucht und dabei festgestellt, dass die Region für die Übergabe bereit sei.

Nun haben sich die Taliban zu den Anschlägen in Herat bekannt. Die Extremisten hatten Anfang des Monats eine Frühjahrsoffensive ausgerufen, seitdem hat die Gewalt in Afghanistan erheblich zugenommen. Vor allem afghanische Behörden und Sicherheitskräfte sowie ausländische Truppen sind den Angriffen ausgesetzt. So starb am vergangenen Mittwoch ein deutscher Soldat auf seiner Patrouille. Am Samstag wurden in einem Gouverneurspalast im nordafghanischen Talokan zwei deutsche Soldaten und drei Einheimische getötet, darunter auch der für ganz Nordafghanistan zuständige Polizeichef. Zu den fünf verwundeten Bundeswehrsoldaten zählt auch der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF in Nordafghanistan, der deutsche General Markus Kneip.

Der Gouverneurspalast in Talokan nach dem Anschlag vom 28. Mai 2011 (Foto: AP)

Gouverneurspalast in Talokan: Sprengsatz im Fußboden

Bombe im Palast

Die Ermittlungen des afghanischen Geheimdienstes NDS in Talokan haben nun zu überraschenden Erkenntnissen geführt: Demnach sei die Explosion am Sitz des Gouverneurs nicht von einem Selbstmordattentäter in Polizeiuniform ausgelöst worden, sondern von einer ferngezündeten Bombe. NDS-Sprecher Lutfullah Maschal sagte, der Sprengstoff sei ein oder zwei Tage vor dem Anschlag im Boden der Eingangshalle vergraben worden. Die Ermittlungsergebnisse des NDS werden von der Internationalen Schutztruppe Isaf bestätigt. Wie es jedoch den Aufständischen gelingen konnte, mitten im Machtzentrum einer Provinz und kurz vor einer hochkarätigen Konferenz einen Sprengsatz im Fußboden zu verstecken und dann auch noch in dem Augenblick zu zünden, als sich die Offiziere und der Provinzgouverneur der Bombe näherten, bleibt vorerst noch ein Rätsel.

Auch wenn die Art des Anschlags nichts am verheerenden Ergebnis ändert: Sollte auch das endgültige Untersuchungsergebnis einen Attentäter in Polizeiuniform ausschließen, könnte das die Diskussion entschärfen, ob ausländische Soldaten den afghanischen Sicherheitskräften überhaupt noch trauen dürfen. Am Wochenende hatten sowohl afghanische Sicherheitskräfte als auch die Bundesregierung dem Eindruck widersprochen, Polizei und Armee in Afghanistan seien von Taliban-Schläfern unterwandert.

Autor: Rolf Breuch (dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Marko Langer

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