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Politik

Bombay-Terroristen sollen in Pakistan ausgebildet worden sein

Nach den Anschlägen in Bombay läuft die Suche nach den Hintermännern auf Hochtouren. Eine heiße Spur führt tatsächlich nach Pakistan. Derweil gibt es erste innenpolitische Konsequenzen in Indien.

Der Terror ist vorbei: Passanten fotografieren die zerstörte Fassade des Hotels Taj Mahal (30.11.2008, Quelle: AP)

Der Terror ist vorbei: Passanten fotografieren die zerstörte Fassade des Hotels Taj Mahal

Schon am Tag nach den Anschlägen machte die indische Regierung "Elemente" im Nachbarland Pakistan für die Terroraktion verantwortlich. Was am Donnerstag nach haltlosen Beschuldigungen klang, bekommt jetzt immer mehr Hand und Fuß. Indische Medien berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Angreifer von der von Pakistan aus operierenden Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba auf die Anschläge vorbereitet wurden. Das hätten Vernehmungen des einzig überlebenden Terroristen, dem 22-jährigen A.A. Kasav aus Faridkot in Pakistan, ergeben, berichtete der Sender CNN-IBN.

Polizisten in Bombay (30.11.2008, Quelle: AP)

Bombay wagt sich in die Normalität zurück

Dem Bericht zufolge habe Kasav außerdem ausgesagt, dass zwölf Terroristen von der pakistanischen Hafenstadt Karachi aus per Schiff in Richtung Bombay gefahren seien. Wie CNN-IBN unter Berufung auf Geheimdienstinformationen weiter berichtete, hätten sie dann auf See ein anderes Schiff gekapert, die Besatzungsmitglieder getötet und den Kapitän gezwungen, sie nach Bombay zu fahren. Fünf Seemeilen vor der Stadt hätten sie dann auch den Kapitän umgebracht. Später seien auf dem vor der Küste treibenden Boot Funktelefone und Navigationsgeräte der Terroristen gefunden worden. In den Anruflisten der Telefone seien Gespräche mit Anschlüssen im afghanischen Dschalalabad und mehreren Orten in Pakistan verzeichnet, hieß es.

Von langer Hand geplant

Glaubt man den Hinweisen der Polizei, wurde die Anschlagsserie von langer Hand geplant: Eine andere Gruppe sei bereits vor vier Monaten nach Bombay gereist, um alle möglichen Ziele gründlich auszukundschaften. Nach einem Bericht der Zeitung "Times of India" sollen mehrere Terroristen auch in dem jüdischen Zentrum in Bombay, das später zu einem der Hauptanschlagsziele wurde, für kurze Zeit gewohnt haben. "Sie haben im Nariman-Gebäude zur Miete gewohnt und sich als malaiische Studenten ausgegeben", zitierte die Zeitung eine namentlich nicht genannte Polizeiquelle. Auch dies hätten Vernehmungen Kasavs ergeben. Außerdem sei geplant gewesen, das Luxushotel "Taj Mahal" in die Luft zu sprengen.

Nach offiziellen Angaben gehen die Behörden bislang davon aus, das zehn Terroristen an den Anschlägen beteiligt waren. Neun von ihnen seien getötet worden. Sie hatten am Mittwochabend insgesamt zehn Ziele angegriffen, darunter die beiden Luxushotels "Taj Mahal" und "Oberoi Trident", das jüdische Gemeindezentrum, einen Bahnhof und ein Krankenhaus. Jüngsten offiziellen Angaben zufolge wurden dabei mindestens 183 Menschen getötet und 239 verletzt. Unter den rund 20 toten Ausländern sind nach Angaben des indischen Außenministeriums auch drei Bundesbürger. Zu den Anschlägen hatte sich eine bislang unbekannte muslimische Gruppe namens Deccan Mudschaheddin bekannt. Indien vermutet aber, dass die Lashkar-e-Toiba hinter der Bluttat steckt.

Innenminister übernimmt "moralische Verantwortung"

Indiens Innenminister Shivraj Patil (Archiv, Quelle: AP)

Indiens Innenminister Shivraj Patil hat seinen Rücktritt angeboten

Nach den verheerenden Terroranschlägen in Bombay und heftiger Kritik an der Sicherheitspolitik der indischen Regierung hat es am Sonntag erste politische Konsequenzen gegeben. Innenminister Shivraj Patil übernahm "die moralische Verantwortung" für die Anschlagserie mit mehr als 180 Toten und trat von seinem Amt zurück. Die Opposition kritisierte den Rücktritt von Innenminister Patil als nicht ausreichend. Die Anschläge seien auf "kollektives Versagen" der von der Kongresspartei geführten Regierung zurückzuführen, daher müsse diese geschlossen zurücktreten, forderte ein Sprecher der hindu-nationalistischen BJP im Fernsehsender NDTV.

Bei den dreitägigen Kämpfen mit den Terroristen seien mehr als 600 Geiseln befreit worden, teilte die indische Regierung am Sonntag mit. Allein aus dem Luxushotel "Taj Mahal", wo sich die letzten Attentäter verschanzt hatten, seien am Samstag 400 Geiseln befreit worden. Die Terroristen wollten nach Überzeugung des Vize-Premierministers im Bundesstaat Maharashtra ein noch viel größeres Blutbad mit Tausenden von Toten anrichten. "Wir haben dermaßen viel Munition bei ihnen gefunden - es ist offensichtlich, dass sie vorhatten, 5000 Menschen umzubringen", sagte R.R. Patil.

Pakistan weist Anschuldigungen zurück

Die Spurensuche im Nachbarland hat bereits für Spannungen im Verhältnis zwischen den Atommächten Indien und Pakistan gesorgt. Die pakistanische Regierung wies alle Anschuldigungen von indischer Seite zurück und drohte, ihre Soldaten aus der Grenzregion zu Afghanistan abzuziehen und in andere Gebiete zu verlegen, falls die Spannungen mit dem indischen Nachbarn weiter steigen sollten. Wie der pakistanische Sender Dawn TV unter Berufung auf Regierungskreise in Islamabad weiter berichtete, hatte zuvor Indiens Außenminister Pranab Mukherjee der pakistanischen Führung in einem Telefonat mit "ernsthaften Konsequenzen" gedroht.

Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi spielte Berichte über Spannungen mit Neu Delhi allerdings herunter. Es gebe zwar gewisse Spannungen, er hoffe aber sehr, dass man dieses Problem im Verhältnis zwischen den beiden Ländern werde lösen können, sagte er am Samstag. In der "Welt am Sonntag" mahnte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier alle Seiten, "besonnen zu reagieren". Alles andere drohe die gesamte Region zu destabilisieren. (mag)

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