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Nahost

Bombardierung führt zu Streit zwischen Türkei und Irak

Die türkischen Luftangriffe auf den Norden Iraks führen zu diplomatischem Streit zwischen den beiden Ländern. Die Angriffe bedrohten die "freundschaftlichen Beziehungen", warnte der irakische Vize-Außenminister.

Ein Mann trägt Reste eines Tisches durch Trümmer (AP Photo/Yahya Ahmed)

Die Angriffe haben dieses Haus im Nordirak in Schutt und Asche gelegt

Die irakische Regierung bestellte nach den türkischen Luftangriffen im Nordirak den Botschafter Ankaras in Bagdad ein. Der irakische Vize-Außenminister Mohammed Hadsch Hammud ermahnte ihn, die Türkei solle Angriffe unterlassen, "die unschuldigen Menschen Schaden zufügen und Auswirkungen auf die freundschaftlichen bilateralen Beziehungen haben". Hammud forderte ein sofortiges Ende der Angriffe.

Auch die kurdische Autonomieregierung kritisierte die Türkei. Der Präsident des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak, Massud Barsani, rief am Montag (17.12.2007) die Gouverneure der Provinzen Erbil und Suleimanija auf, den vor den Luftangriffen geflohenen Zivilisten zu helfen. Das sei es eine "nationale und humanitäre Pflicht", erklärte Barsani. Durch die Bombardierung seien "Krankenhäuser, Schulen und Brücken" zerstört worden. Im Nordirak liegen die Temperaturen im Dezember nachts oft unter dem Gefrierpunkt.

Tote und Verletzte

Türkische Kriegsflugzeuge bei einer Militärparade (Archiv) (AP Photo/Burhan Ozbilici, File)

Türkische Kriegsflugzeuge bei einer Militärparade (Archiv)

Der türkische Generalstab hatte erklärt, Ziel der Angriffe seien Stellungen der als Terrororganisation eingestuften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak gewesen. Medienberichten zufolge waren bis zu fünfzig Flugzeuge im Einsatz.

Nach irakischen Angaben war durch die stundenlangen Angriffe auf mehrere Dörfer im Gebiet des Kandil-Berges am Sonntag eine Frau getötet worden. Sechs Zivilisten seien verletzt worden, hieß es. Nach PKK-Angaben wurden sieben Menschen bei den Angriffen getötet. Fünf Untergrundkämpfer und zwei Zivilisten seien ums Leben gekommen, teilte die PKK im Internet mit.

USA an Angriffen beteiligt?

Unklar ist, inwieweit die USA die Angriffe gebilligt oder sogar unterstützt haben. Nach Angaben des türkischen Armeechefs stimmte die US-Regierung den Luftangriffen zu. Die amtliche Nachrichtenagentur Anatolien zitierte General Yasar Buyukanit am Sonntag mit den Worten: "Amerika hat vergangene Nacht den irakischen Luftraum für uns geöffnet. Mit der Öffnung des irakischen Luftraums für uns hat Amerika seine Zustimmung zu der Operation gegeben." Die USA hätten die Einsätze zudem mit Geheimdienstinformationen unterstützt.

Das US-Verteidigungsministerium wollte laut Agentur-Berichten zu Buyukanits Äußerungen keine Stellung beziehen. Ein Pentagon-Sprecher betonte aber, die USA arbeiteten mit der Türkei im Kampf gegen die PKK zusammen. Dazu würden vor allem Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt.

Ein Sprecher der US-Botschaft in Bagdad sagte nach Angaben der BBC, "Kommandeure der US-Armee" seien informiert worden, hätten die Angriffe jedoch nicht genehmigt. "Das ist nicht unsere Aufgabe", sagte der Sprecher.

Konflikt forderte bereits viele Opfer

Die PKK-Kämpfer nutzen den Nordirak als Rückzugsgebiet, um ihre Angriffe auf die Türkei vorzubereiten. Am 21. Oktober attackierten PKK-Kämpfer Einheiten der türkischen Armee, dabei wurden zwölf türkische Soldaten getötet. Die türkische Armee hat in den vergangenen Wochen wiederholt grenzüberschreitende Einsätze gegen die Rebellen gestartet und in der Region bis zu 100.000 Soldaten zusammengezogen. Das türkische Parlament ermächtigte die Regierung in Ankara, Truppen in den Nordirak zu entsenden, um dort Stellungen der PKK anzugreifen. Im Konflikt zwischen der PKK und der türkischen Armee wurden nach Angaben der Agentur AFP seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet. (mas)

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