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Bücher

Bologna - wichtigster Handelsplatz für Kinderbücher

Liegt es am guten Essen? Ja, schon. Aber nicht ausschließlich: Seit fast einem halben Jahrhundert versammeln sich im oberitalienischen Bologna alle diejenigen, die Bücher für Kinder machen.

Ein Ausstellungsstand aus Spielhäuschen bei der Kinderbuchmesse Bologna 2010 (Foto: BolognaFiere S.p.A.)

"Feria del libro per ragazzi"

Eigentlich sollte es diese Veranstaltung gar nicht geben: Spezialmessen für einzelne Segmente der nicht besonders großen und auch nicht besonders finanzstarken internationalen Verlagsbranche sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zum Scheitern verurteilt gewesen. Doch die "Feria del libro per ragazzi", die seit 1964 in Bologna stattfindet, hat ihren festen Platz im internationalen Buchmessekalender stets erfolgreich behauptet. Heute gehört sie mit mehr als 1200 Ausstellern aus rund 60 Ländern zu den Top-Buchmessen der Welt, mit gehörigem Abstand allerdings auf den unangefochtenen Primus in Frankfurt. Konkurrierende Kinderbuchmessen, etwa im französischen Montreuil, in Mexiko-Stadt oder auch in Kairo haben demgegenüber allenfalls nationale oder regionale Bedeutung.

Konzentration auf das Geschäft

Impression von der Kinderbuchmesse Bologna 2010 (Foto: BolognaFiere S.p.A.)

Der Rechtehandel steht zwar im Mittelpunkt der Buchmesse ...

Der dauerhafte Erfolg der Kinderbuchmesse in Bologna wird von Besuchern und Ausstellern zurückgeführt auf die rigorose Absage der Messemacher an das allgemeine Publikum – Bücherfreunde, die Lesefutter für ihren Nachwuchs kaufen wollen, sind hier nicht erwünscht. Statt dessen wird während der vier Messetage sehr intensiv mit Übersetzungsrechten gehandelt: Neben den Buchmessen in Frankfurt und London ist Bologna der dritte zentrale Ort, an dem Verlage aus aller Welt miteinander aushandeln, welche Bücher in welchen Ländern und in welchen Sprachen erscheinen. Darüber hinaus folgt Bologna seit einigen Jahren dem Vorbild der Frankfurter Buchmesse und hat ein eigenes, sehr erfolgreiches Programm zur Vermittlung von Film- und Fernsehrechten etabliert. Als eigentliches Herzstück der Messe gilt die Illustratoren-Ausstellung, bei der viele Verlage neue Entdeckungen machen.

Kinder- und Jugendbücher sind Exportschlager

Junge Frauen lesen Bücher auf der Kinderbuchmesse Bologna 2010 (Foto: BolognaFiere S.p.A.)

... aber zwischendurch wird auch mal einfach nur geschmökert.

Für die internationale Verlagsbranche gehören Kinder- und Jugendbücher nicht erst seit den Welterfolgen von Autorinnen wie Joanne K. Rowling, Stephenie Meyer oder Cornelia Funke zu den interessantesten Betätigungsfeldern. Hier werden schon seit vielen Jahren starke Umsätze erzielt. Dies gilt für die Industrieländer mit kaufkräftigen Einwohnern ebenso wie für Schwellen- und Entwicklungsländer, wo es häufig staatliche Stellen sind, die Kinder- und Jugendbücher für die Verwendung in Schulen ankaufen. Die deutschsprachigen Verlage sind dabei heimlicher Exportweltmeister: Seit Jahren sind Kinder- und Jugendbücher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr erfolgreich – rund ein Viertel aller Übersetzungen aus dem Deutschen in andere Sprachen entfallen auf dieses Segment. Ohne die Kinderbuchmesse in Bologna wäre dieser Erfolg kaum vorstellbar.

Trotz ihrer bemerkenswerten Rolle ist die Kinderbuchmesse in Bologna in den vergangenen Jahren unter wirtschaftlichen Druck geraten: Seit Ende der 90er Jahre ist die Ausstellerzahl um mehr als 20 Prozent geschrumpft; zusätzlich haben viele Verlage ihre Ausstellungsfläche verkleinert. Die Messeleitung in Bologna reagierte Ende 2009 darauf mit dem Versuch, die Dauer der Messe von vier auf drei Tage zu reduzieren. Nach massiven Ausstellerprotesten wurde diese Entscheidung revidiert.


Autor: Holger Ehling
Redaktion: Gabriela Schaaf

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