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Bolivien: „Die Menschen wünschen sich unabhängige Informationen“

Der TV- und Radiojournalist Peter Deselaers ist seit Mitte 2010 für die DW-AKADEMIE in Bolivien im Einsatz. Im Interview berichtet er über die Lage der Medien und seine Arbeit in dem Andenstaat.

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Peter Deselaers

Sie sind jetzt seit gut einem halben Jahr in Bolivien. Wie schätzen Sie derzeit die Lage der Medien vor Ort ein?

Peter Deselaers: Das Verhältnis von Medien und Regierung ist sehr angespannt. Die Regierung nimmt die Medien häufig fast wie einen Feind wahr. Und die Medien ihrerseits misstrauen der Regierung.
Alle gehen davon aus, dass es dieses Jahr ein neues Mediengesetz geben wird. Das alte ist von 1924 und in den Abläufen etc. schwerlich auf die heutigen Verhältnisse anwendbar. Schön wäre es, wenn ein solches neues Gesetz mit der Beteiligung der Bevölkerung entsteht, wenn man die Leute fragt, was sie sich von den Medien erwarten.

Was würden die Leute antworten?

Journalisten haben in Bolivien gerade einen recht schlechten Ruf. Die meisten Leute würden sich von den Medien wohl wünschen, dass sie der Regierung und anderen politischen Akteuren auf die Finger schauen – ausgewogen und fair und ohne ihre eigenen politischen Ziele zu verfolgen. Ich denke, die Menschen wünschen sich unabhängige, gut recherchierte Infos.

Welchen Stellenwert haben die Lokalradios, mit denen die DW-AKADEMIE in Bolivien hauptsächlich zusammenarbeitet?

In den Städten gibt es durchaus eine vielfältige Medienlandschaft. Für die zehn Millionen Menschen in Bolivien existieren gut zwanzig Tageszeitungen, darüber hinaus mehrere einheimische TV-Sender und bis zu 1.600 Radiosender. Das sind zum Teil extrem kleine Stationen. Aber auf dem Land ist das Radio eben das einzige Medium, das die Leute erreicht. Die drei regionalen Netzwerke, mit denen wir zusammenarbeiten, decken fast das gesamte Land ab.

Sie arbeiten in einem Kooperationsprojekt zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der DW-AKADEMIE in Bolivien. Was ist Ihre Aufgabe vor Ort?

Wir haben in Bolivien zwei große Arbeitslinien. Wir arbeiten mit Universitäten zusammen, die Kommunikationswissenschaften unterrichten. Und mit lokalen Radiosender.
Bei den Universitäten sind wir zunächst vor allem mit der Lehrplanentwicklung beschäftigt, weil die Universitäten im Studiengang Kommunikationswissenschaften den Journalismusunterricht stärken wollen. Mit den Lokalradios arbeiten wir an der Qualität der Informationsprogramme, die sollen verständlicher, ausgewogener und tiefer recherchiert werden.

Was ist dort der größte Bedarf?

Die häufigsten Fragen sind: Wie mache ich Nachrichten, die verständlich beim Publikum ankommen? Und: Wie kriegen wir die Hörer besser eingebunden?
Für die Radionetzwerke bieten wir dementsprechend Trainings und Beratungen an. Dadurch, dass wir dieses Projekt langfristig angelegt haben, lernen wir die Leute viel besser kennen und wissen, wie die einzelnen Redaktionen funktionieren. Wir können die Trainings dann natürlich besser an das anpassen, was die Sender wirklich brauchen. Damit laufen wir nicht Gefahr, ihnen etwas beizubringen, was nachher gar nicht in der Redaktion angewandt werden kann, weil dort die Strukturen nicht angepasst sind.

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