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Aktuell Afrika

Boko Haram veröffentlicht Video mit entführten Schülerinnen

Vor fast einem Monat entführte die Terrorgruppe Boko Haram über 200 Schülerinnen in Nigeria. Jetzt haben die Islamisten ein neues Video veröffentlicht, das nach ihren Angaben die von ihr entführten Schulmädchen zeigt.

"Diese Mädchen, mit denen ihr Euch beschäftigt, wir haben sie befreit. Wisst ihr, wie wir sie befreit haben? Diese Mädchen sind Muslime geworden", sagt der Chef der Terrorgruppe Boko Haram, Abubakar Shekau, in dem Video. Die Schülerinnen würden nur freikommen, wenn im Gegenzug alle inhaftierten Islamisten freigelassen würden. In dem 17-minütigen Video sind rund 130 Mädchen mit einem Ganzkörperschleier beim Gebet an einem unbekannten ländlichen Ort zu sehen. Dabei rezitieren sie Verse aus dem Koran und falten die Hände zum Gebet.

Mädchen zum Islam konvertiert

Drei der Mädchen werden in dem Video interviewt. Sie seien Christen gewesen und seien zum Islam konvertiert, sagen zwei der Schülerinnen. Die Mädchen wirken ruhig. Eine sagt, ihnen sei kein Schaden zugefügt worden. Hinweise, wann der Film gedreht wurde, gibt es nicht. Die Qualität ist besser als in vorangegangenen Videos. An einer Stelle ist ein bewaffneter Mann mit einer Handkamera zu sehen.

Die USA lassen das Video derzeit nach Hinweisen auf den Aufenthaltsort der entführten Schülerinnen durchleuchten. "Unsere Geheimdienstexperten durchkämmen jedes Detail", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, in Washington. Und dann weiter: "Wir haben keinen Grund, an der Echtheit zu zweifeln."

Kämpfer von Boko Haram hatten Mitte April eine Schule im Nordosten Nigerias überfallen und 276 Schülerinnen verschleppt; 223 werden noch immer vermisst. Vor einer Woche entführte die Gruppe elf weitere Mädchen. Die USA, Großbritannien und Frankreich schickten inzwischen Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, um bei der Suche nach den Mädchen zu helfen. Die nigerianische Regierung war unter starken internationalen Druck geraten, weil sie nur zögerlich auf die Entführung reagiert hatte.

Den Vorschlag des Boko Haram-Chefs, die Mädchen im Austausch gegen inhaftierte Boko-Haram-Kämpfer freizulassen, lehnte die Regierung ab.

Hollande regt Gipfeltreffen gegen Terror an

Frankreichs Staatschef François Hollande machte machte unterdessen einen Vorstoß für ein Gipfeltreffen, das über eine gemeinsame Strategie und eine abgestimmte Reaktion auf diese Terrorgefahr beraten soll. Gemeinsam mit Nigerias Präsident Goodluck Jonathan habe er ein Treffen der Nachbarländer Nigerias zur Sicherheit in Westafrika angeregt, teilte Hollande am Sonntag am Rande eines Besuchs in Aserbaidschan mit.

Das Treffen solle am kommenden Samstag in Paris stattfinden, "wenn die Länder zustimmen". Nach Angaben aus dem Umfeld des französischen Präsidenten sollen Vertreter aus Nigeria, dem Tschad, Kamerun, Niger und Benin anreisen.

Die radikalislamische Gruppe Boko Haram, die auch als Taliban Nigerias bezeichnet wird, verübt seit 2009 immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Allein in diesem Jahr wurden etwa 1500 Menschen bei Angriffen der Gruppe getötet. Das ursprüngliche Ziel von Boko Haram, einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias zu errichten, ist angesichts der Gewalt zunehmend in den Hintergrund getreten.

cr / kle (dpa, afp, rtr)