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Afrika

Boko-Haram-Krise belastet Nigerias Nachbarn

In ganz Nigeria verbreitet die Terrorgruppe Boko Haram Angst und Schrecken. Ihre Machtbasis hat sie im Nordosten des Landes - und könnte auch in den Nachbarländern Fuß fassen. Auch dort fühlen sich die Menschen bedroht.

Nigeria ist in den Fängen von Boko Haram. Mit immer neuen Anschlägen, die sich inzwischen über die Hälfte des Landes erstrecken, sichert sich die islamistische Terrororganisation die internationale Aufmerksamkeit. Die Unsicherheit in Nigeria ist längst zum regionalen Problem geworden. Auch die Bevölkerung des nördlichen Nachbarlandes Niger ist in Sorge. Ein Thema: die

Entführung

von mehr als 200 Schülerinnen eines Internats im nigerianischen Chibok Mitte April. Boko Haram bekannte sich, die Mädchen verschleppt zu haben. Auch einen Monat später ist über ihren Aufenthaltsort noch nichts bekannt.

Bewohner von Nigers Hauptstadt Niamey zeigen sich im Gespräch mit der DW beunruhigt: "Das, was deinem Nachbarn passiert, kann auch dir passieren", sagt einer und fordert: "Es muss mehr getan werden, damit dieses Netzwerk entlarvt wird und die entführten Mädchen befreit werden." Der Terror macht auch vor den Staatsgrenzen nicht halt. Kämpfer der Miliz überqueren immer wieder auch die Grenze zum Niger und liefern sich Gefechte mit den dortigen Sicherheitskräften. Am letzten Dienstag (06.05.2014) seien 12 mutmaßliche Boko-Haram-Mitglieder nach Kämpfen festgenommen worden, berichtete der Gouverneur der ostnigrischen Region Diffa.

Armut: Nährboden für Boko Haram

Besonders der Osten des Niger sei eine vernachlässigte Region mit hoher Arbeitslosigkeit, sagt der Soziologe und Politikwissenschaftler Souley Adji von der Universität Niamey. Viele würden dort trotz Diplom keine Beschäftigung finden. "Natürlich fühlen sich solche Menschen auf eine gewisse Weise angezogen von einer Bewegung, die auch eine soziale Revolution anstrebt." Glaubt man Adji, so profitiert Boko Haram von der Armut in Nordnigeria und den benachbarten Gebieten. "Die Forderung, Arbeitsplätze zu schaffen, ist durchaus berechtigt", sagt er.

Grenze zwischen Kamerun und Nigeria, Grenzstadt Banki (Foto: Reinnier KAZE/AFP/Getty Images)

Die Grenze nach Kamerun: kein Hindernis für Terroristen

Boko Haram - ein Auffangbecken für Arbeitslose und Perspektivlose in der ganzen Region? In Nigerias Nachbarland Kamerun sind sich viele sicher: Die Miliz habe sich auch dort einen Stützpunkt eingerichtet. Nach der Entführung der Schülerinnen von Chibok seien einige der Mädchen in Kamerun gesichtet worden, berichten Augenzeugen. Dort seien sie Unterstützern der Gruppe als Ehefrauen angeboten worden, hieß es. Ein Verdacht, den die Regierung zurückwies. "Kamerun wird niemals als Basis für die Destabilisierung anderer Länder herhalten", sagte Regierungssprecher und Kommunikationsminister Issa Tchiroma Bakari im Gespräch mit der DW.

Gemeinsames Vorgehen?

Das Land sei regelmäßig Ziel von Anschlägen, die aus Nachbarländern heraus verübt würden, betonte Bakari. "Wir sind mehr als willig, gemeinsam mit Nachbarländern gegen grenzübergreifende Kriminalität vorzugehen - im Respekt für die gegenseitige staatliche Souveränität." Ein gemeinsames Vorgehen gegen Boko Haram - das wünschen sich viele Einwohner Kameruns. Doch die Skepsis angesichts der

Ohnmacht der nigerianischen Regierung

ist groß. Daher sollte Hilfe auch von Übersee kommen, meint eine Geschäftsfrau in der Hauptstadt Yaoundé, und appellierte an die Internationale Gemeinschaft: "Dies ist der Augenblick, wo wir internationale Unterstützung wirklich gebrauchen können."

Tschadische Soldaten bei Rückkehr aus Mali mit Präsident Idriss Deby Itno (Foto: STR/AFP/Getty Images)

Tschads Präsident Idriss Déby zeigt Stärke gegen Islamisten

Verschont von Anschlägen blieb bisher der

Tschad

. Wie Niger und Kamerun grenzt auch er unmittelbar an den nigerianischen Bundesstaat Borno, wo Boko Haram zuerst von sich Reden machte. Es gebe Hinweise, dass sich auch im Tschad Zellen der Terrororganisation aufhielten, sagt Helga Dickow vom Arnold-Bergsträsser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung. Dass diese bisher noch nicht in Aktion getreten seien, habe auch mit der Rolle des tschadischen Präsidenten Idriss Déby zu tun. "Déby hat sich in den letzten Jahren als Bollwerk gegen islamistischen Terror gezeigt", sagt die Tschad-Expertin. So habe er Truppen nach Mali entsandt, nachdem Islamisten dort Teile des Landes eroberten. Zudem wisse der Präsident - selbst ein Muslim - um die Sprengkraft, die ein Krieg im Namen des Islam im Tschad haben könne. Auch dort hatte es in der Vergangenheit Konflikte zwischen muslimischen und christlichen Bevölkerungsgruppen gegeben.

Auch wenn Boko Haram noch vor Débys Sicherheitskräften zurückschrecken mag: "Die Bevölkerung beobachtet die Entwicklung im Nachbarland mit Sorge", sagt Dickow der DW. Bedrohlich nahe sei ihnen der Konflikt inzwischen gekommen.

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