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Aktuell Afrika

Boko Haram greift Gombe im Nordosten Nigerias an

Das Militär in Nigeria konnte nach eigenen Angaben einen Angriff von Boko Haram zurückschlagen. Hunderte Kämpfer der Extremistenmiliz zogen sich daraufhin aus der Großstadt Gombe zurück.

Rauchschwaden und fliehende Menschen nach einem Anschlag in Gombe, Nigeria 02.02.2015 (Foto: REUTERS)

Anschlag in Gombe vom 02.02.2015

Als Zeichen ihrer Macht hatten die radikalen Islamisten wenige Wochen vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Gombe attackiert. Explosionen und Gewehrschüsse seien zu hören gewesen. "Die ganze Stadt ist in Panik," fasste ein Bewohner die Stimmung zusammen. Die Kämpfer hinterließen Flugblätter, die die Einwohner Gombes zum Boykott der Parlaments- und Präsidenschaftswahlen Ende nächsten Monats aufriefen, wie die nigerianische Zeitung "Premium Times" berichtete.

"Der Angriff der Terroristen auf Gombe wurde abgewehrt", teilte die Militärführung auf Twitter mit. Dieser Aussage widersprechend hatten Augenzeugen zuvor geschildert, das Militär habe keinen Widerstand geleistet. In den Vororten Gombes lieferten sich die Armee und Boko Haram schwere Kämpfe. Die Regierung verhängte eine 24-stündige Ausgangssperre über den gleichnamigen Bundesstaat.

Wiederholter Angriff auf Gombe

Gombe, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats, war bereits mehrfach Ziel von Attacken und Anschlägen der Islamisten. Zuletzt entging Präsident Goodluck Jonathan dort vor rund zwei Wochen bei einer Wahlkampfveranstaltung nur knapp einem Attentat. Die Wahlen, zu deren Boykott die Terroristen aufrufen, sollten ursprünglich diesen Samstag stattfinden, wurden aber wegen der Aktivitäten Boko Harams aus Sicherheitsgründen um sechs Wochen verschoben.

Die Miliz kämpft seit 2009 für einen eigenen Staat im Nordosten Nigerias und hat ihre Angriffe auf die Nachbarländer Niger und Tschad ausgeweitet. Erst am Freitag hatten sie ein Dorf im Tschad angegriffen und dort erstmals mehrere Menschen getötet.

Die Miliz kontrolliert bereits weite Landesteile im Nordosten Nigerias. Bei ihren Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen hat sie insgesamt mehr als 13.000 Menschen getötet und zahlreiche verschleppt.

UN fordert mehr Einsatz

Boko Haram ist zur größten Bedrohung für die Sicherheit in dem erdölreichen Land geworden. Die Vereinten Nationen haben daher Nigerias Armee aufgefordert, ihren Kampf gegen die Islamistengruppe zu verstärken. Das Militär müsse bei der Bekämpfung dieses "ernstzunehmenden Feindes" eine "größere Entschlossenheit" zeigen als bisher, sagte der UN-Sondergesandte für Westafrika, Mohamed Ibn Chambas.

Nachdem die Islamisten wiederholt ins benachbarte Kamerun eingedrungen waren, formierte sich Ende Januar eine internationale Koalition gegen die Extremistengruppe. Neben Nigeria entsandten Kamerun, Niger und Tschad Truppen für den Kampf gegen die Islamisten.

nem/wl (afp, rtr)