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Aktuell Afrika

Boko Haram übt Rache

Einen Tag nach einer Offensive der tschadischen Armee im Nordosten Nigerias hat die Islamistengruppe Boko Haram in der kamerunischen Grenzstadt Fotokol ein Massaker verübt.

Kamerun Nigeria Angst vor Boko Haram in Fotokol (Foto: Getty Images)

Vor dem Überfall sah in Fotokol alles anders aus

Offenbar aus Rache töten Kämpfer der Terrororganisation dort mehr als 100 Einwohner und sechs Soldaten. Ein Sprecher der kamerunischen Streitkräfte sagte, zahlreiche Menschen seien in den Moscheen und auf den Straßen abgeschlachtet worden. "Sie zündeten Häuser an und töteten Zivilisten und Soldaten", hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Gefechte mit der kamerunischen Armee und tschadischen Soldaten dauerten mehrere Stunden.

Bei den Kämpfen seien auch zahlreiche Boko Haram Kämpfer getötet worden, sagte ein Vertreter der kamerunischen Sicherheitskräfte in Fotokol. Erst Ende vergangener Woche waren bei Gefechten rund um die Stadt über 120 Boko-Haram-Mitglieder getötet worden.

Die Armee des Tschad greift ein

Ein Vertreter des nigerianischen Verteidigungsministeriums in Abuja erklärte, die Terrormiliz habe gegen die gegenwärtige Militärintervention keine Chance. "Es gibt keinen Ort mehr, an dem sich diese Idioten verstecken könnten. Mit der derzeitigen Offensive können sie nicht mithalten", sagte er.

Die tschadische Armee war am Dienstag erstmals von Kamerun aus auf nigerianisches Territorium vorgedrungen, um die Islamisten zurückzudrängen. Nach tagelangen Luftangriffen auf mutmaßliche Stellungen der Rebellen in Gamboru überquerten etwa 2000 Soldaten den Grenzfluss. Bei anschließenden Gefechten waren nach Militärangaben etwa 200 islamistische Kämpfer getötet worden.

Die Islamisten flohen anschließend über die Grenze nach Kamerun und starteten dort eine Gegenoffensive. Die beiden Grenzstädte sind durch eine 500 Meter lange Brücke voneinander getrennt. Von einigen nigerianischen Grenzdörfern bei Gamboru aus ist der Übergang nach Fotokol einfach.

Gemeinsam gegen den Terror

Der nigerianischen Armee gelang es bisher nicht, den Vormarsch von Boko Haram im Nordosten des Landes zu stoppen. Zuletzt drangen die Extremisten auch vermehrt auf kamerunisches Gebiet vor. Kamerun und der Tschad schickten daher Truppen zur Bekämpfung der Rebellengruppe, um eine Ausbreitung des blutigen Konflikts zu verhindern.

Auch an der Grenze zwischen Niger und Nigeria bezogen tschadische Truppen Stellung. Ein Kontingent von etwa 400 Armeefahrzeugen und Panzern sei zwischen den ostnigrischen Ortschaften Mamori und Bosso stationiert, berichtete der staatliche Radiosender Anfani. Nur der Fluss Komadougou Yobé trennt die beiden Orte von Nigeria. Die Region im Nordosten Nigerias ist eine der Hochburgen von Boko Haram.

Die Islamisten kämpfen mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union wurde am Wochenende die Einrichtung einer 7500 Mann starken Eingreiftruppe gegen die Terrororganisation beschlossen.

gmf/pab (afp, dpa, rtr)