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Wirtschaft

Boeing bekommt "Jahrhundert-Auftrag"

Das US-Verteidigungsministerium hat einen milliardenschweren Auftrag für den Bau von Tankflugzeugen an Boeing vergeben. Der europäische Konkurrent EADS mit seiner Tochter Airbus hatte das Nachsehen.

Tankflugzeug bei der Arbeit - Simulation (Foto: AP)

Tanken in der Luft: Boeing erhielt den Zuschlag

"Boeing war der klare Gewinner", erklärte William Lynn, der stellvertretende Verteidigungsminister bei der Pressekonferenz im Pentagon. Beide Angebote hätten den technischen Ansprüchen voll genügt, und so hat letztlich der Preis den Ausschlag gegeben. Die Entscheidung "spiegelt unser Bemühen wider, dem Steuerzahler einen Mehrwert für sein Geld zu liefern", so der beim Pentagon für die Beschaffung der Ausrüstung zuständige Unterstaatssekretär Ashton Carter.

Beide Firmen hatten erst vor kurzem ihre letzten Preisangebote eingereicht, und EADS hatte sein Angebot in der vergangenen Woche sogar noch einmal nach unten korrigiert. Dennoch betrug der Preisunterschied mehr als ein Prozent und der "Jahrhundert-Auftrag" von insgesamt über 30 Milliarden Dollar (25,5 Milliarden Euro) geht an den amerikanischen Konzern. Bis 2017 sollen die ersten 18 Tankflugzeuge geliefert werden, die Boeing nach seinem Langstreckenflugzeug vom Modell 767 in den US-Bundesstaaten Kansas und Washington bauen will. 50.000 Arbeitsplätze sollen durch den Deal entstehen, der insgesamt 179 Flugzeuge umfasst. Sie können andere Flugzeuge in der Luft auftanken.

Dritter Anlauf

Airbus-Werk mit roter Ampel (Foto: AP)

Ging leer aus: Airbus

Der Streit um die Vergabe des Pentagon-Auftrags dauert seit zehn Jahren und die Entscheidung vom Donnerstag (24.02.2011, Ortszeit) ist bereits die dritte. Auch die erste Ausschreibung 2003 hatten die Amerikaner gewonnen. Sie war vom Pentagon zurückgezogen worden, nachdem bekannt wurde, dass Boeing mit Hilfe einer Mitarbeiterin im Verteidigungsministerium widerrechtlich an Informationen gelangt war. Im zweiten Durchgang hatten die Europäer die Nase vorn. Damals, 2008, hatte EADS sich zusammen mit dem amerikanischen Partner Northrop Grumman beworben und den Zuschlag erhalten, doch Boeing konnte das Verfahren erfolgreich anfechten.

Dieses Mal versuchten es die Europäer allein, allerdings sollten amerikanische Firmen Teile des Flugzeuges liefern, das im US-Bundesstaat Alabama gebaut werden sollte. Doch daraus wird jetzt nichts. Freuen konnte sich dagegen Boeing: Obwohl die Bekanntgabe der Entscheidung bewusst nach Börsenschluss erfolgt war, sprang die Boeing-Aktie nachbörslich um fast vier Prozent nach oben.

Pleiten, Pech und Pannen

William Lynn (Foto: AP)

William Lynn: Diesmal verlief alles "fair, frei und offen"

Das ganze Verfahren war von Pannen und Streit begleitet. So stritten sich Europäer und Amerikaner mit der Welthandelsorganisation WTO über Regierungssubventionen, die beide Konzerne erhalten. Und der jüngste Skandal stammt aus dem November letzten Jahres: Durch einen Schreibfehler waren die Angebote des jeweils anderen versehentlich per Email an die Konkurrenten verschickt worden. Zwei Mitarbeiter der US-Luftwaffe wurden deswegen entlassen. Es habe sich für keinen der beiden Bewerber ein Vorteil daraus ergeben, hieß es aus dem Pentagon.

Obwohl die Vertreter von EADS im Vorfeld erklärt hatten, nicht noch einmal die Vergabeprozedur anfechten zu wollen, steht ihnen dieses Recht zu. Dabei betonte vor allem Vize-Verteidigungsminister Lynn, dass bei der Vergabe alles korrekt abgelaufen sei und nur die Angebote gezählt hätten. Denn die US-Luftwaffe will einen erneuten Einspruch verhindern und nicht noch länger auf ihre neuen Tankflugzeuge warten. Die jetzige muss Flotte dringend ersetzt werden: Sie stammt aus den 50er Jahren.

Autorin: Christina Bergmann, Washington

Redaktion: Christian Walz

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