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Welt

Bobs Awards: Auszeichnung für Online-Aktivisten

Sie haben sich gegen mehr als 2300 Nominierte durchgesetzt. Jedes Jahr prämiert die DW besonders mutige und kreative Online-Aktivisten. Auf dem Global Media Forum gab es jetzt den Preis und emotionale Momente.

Auf dem Siegerfoto ist er nicht dabei und auch den Preis kann er nur mit dem Rücken zum Publikum an sich nehmen. Fotos von seinem Gesicht sind verboten - zu groß ist die Angst, in Bangladesch erkannt zu werden. Damit könnte sich die Tür zur Heimat für immer verschließen. "Ich bin stolz und dankbar für den Preis. Ich möchte ihn all den getöteten Blogger in Bangladesch widmen", sagte Nastiker Dharmakata (Artikelbild oben) bei der diesjährigen Preisverleihung der Bobs Awards auf dem Global Media Forum in Bonn.

Dharmakatha - der Name ist aus Sicherheitsgründen ein Pseudonym - setzte sich in der Kategorie Bürgerjournalismus durch. Seine Dokumentation "Razor's Edge" zeigt die gefährliche Situation von regimekritischen Bloggern und Schriftstellern in Bangladesch. Seit mehr als einem Jahr wird das Land von einer brutalen Mordserie an Bloggern und Autoren erschüttert, die es wagen, den Islamismus zu kritisieren. Dharmakatha erhielt Drohungen von Islamisten und von der Regierung. Vor einem halben Jahr floh er mit seiner Familie und seinen Kindern ins Exil nach Europa. "Ich vermisse mein Zuhause, die Kultur, die Sprache, alles. Aber wer etwas bewegen will, der muss auch Opfer bringen."

Wandel im Kleinen und im Großen

Auch die anderen Preisträger engagieren sich in besonderer Weise für Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung. In der Kategorie "Tech For Good" zeichnete die 14-köpfige internationale Jury die persische Smartphone-App "Gershad" aus. Dabei handelt es sich um ein Frühwarnsystem vor der Sittenpolizei des Landes. "Die Polizei sollte eigentlich unsere Interessen schützen. Stattdessen ist sie ein Instrument des Staates geworden", ließ der Preisträger, der nicht persönlich nach Bonn kommen konnte, in einer geschrieben Botschaft mitteilen.

Jafaar Abdul Karim und Alok Dixit (Foto: DW)

Moderator Jafaar Abdul Karim mit Alok Dixit aus Indien

"Wandel ist immer so ein großes Wort, aber wir können vor allem im Kleinen etwas tun", sagte der Preisträger in der Kategorie "Social Change" mit zittriger Stimme auf der Bühne. Alok Dixit aus Indien hat sich während seines Einsatzes für die Opfer von Säureattacken verliebt. Mittlerweile haben die beiden ein Kind. Säureattacken sind in Indien ein Tabuthema. Dixit hat eine Austausch-Plattform etabliert und den Betroffenen damit ein Forum gegeben. Ein Treffpunkt wurde ins Leben gerufen, wo Opfer sich auch persönlich kennenlernen können. "Wenn du den Menschen die Kraft und die Macht gibst, dann gehen sie den Weg danach alleine weiter", so Dixit.

Überraschungsauftritt von Bassem Youssef

Der Preis in der Kategorie "Arts and Culture" ging an das Zentrum für politische Schönheit in Berlin. Die Jury begründete diesen Schritt mit der innovativen Form, in der sich die Aktivisten Gehör verschaffen. So haben sie in provokanten Aktionen etwa auf die Flüchtlingspolitik Europas und die deutsche Waffenexporte nach Saudi-Arabien aufmerksam gemacht. Momentan arbeiten sie daran, 1000 Rettungsinseln auf der Flüchtlingsroute im Mittelmeer anzubringen und konnten deshalb den Preis nicht persönlich entgegennehmen.

Jafaar Abdul Karim und Bassem Youssef (Foto: DW)

Appell auch an Europa: TV-Moderator Bassem Youssef

Auch der ägyptische Fernsehmoderator und Satiriker Bassem Youssef besuchte die Preisverleihung. Er hatte seine Arbeit in Ägypten wegen massiver Drohung einstellen müssen. "Die Gewinner der Bobs sind eine Inspiration für alle. Sie sind ein Beispiel dafür, dass man etwas tun kann und der Preis ist ein Zeichen, dass es dafür auch Anerkennung gibt", so Youssef vor seinem Auftritt im Interview mit der DW. Auf der Bühne nutze er den Augenblick und appellierte auch an die westlichen Regierungen die eigenen Werte hochzuhalten und die Zusammenarbeit mit nicht demokratischen Regierungen zu überdenken. "Die Unterstützung Europas ist auch ein Grund, weshalb viele Diktatoren weiter an der Macht bleiben", so Youssef.

Asyl und Visa für Blogger?

Kurz vor der Preisverleihung hatte die Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Bärbel Kofler, auf einer Pressekonferenz des Global Media Forums den vielen bedrohten Online-Aktivisten in aller Welt Mut zugesprochen. "Ich finde es ganz wichtig, dass sich diese Menschen in Europa und in Deutschland eine Zukunft aufzubauen und weiter ihrer Tätigkeit nachgehen können." Es sei notwendig, dass dafür auch entsprechende Visa vergeben werden.

DW Gewinner der Bobs aus Bangladesch (Foto: Nicolas Martin)

Nastiker Dharmakata: "Preis geht an alle getöteten Blogger"

Auch für Bobs Award Gewinner Nastiker Dharmakata könnte das von Interesse sein. Zwar ist es sein Traum eines Tages nach Hause zurückzukehren, aber die Situation erlaube dies noch nicht. "Gerade deshalb möchte ich das Land von Außen verändern, indem ich weiter über die Gewalt spreche, die alle Andersdenkende erfahren, die sich laut äußern."

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