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Kultur

Bobby Fisher ist tot

Das legendäre Schachgenie Bobby Fischer ist tot. Der Exzentriker, der auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges 1972 den sowjetischen Meister Boris Spassky schlug, machte sich viele Feinde.

Bobby Fischer, Quelle: AP

Eine der letzten Aufnahmen

Der frühere Schach-Weltmeister Bobby Fischer ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Er habe an einer nicht näher angegebenen Krankheit gelitten, berichtete das isländische Nationalradio am Freitag unter Berufung auf einen Sprecher Fischers. Der als Exzentriker bekannte Mann hatte Schachgeschichte geschrieben, als er 1972 in Reykjavik den sowjetischen Meister Boris Spassky schlug. Das Spiel hatte mitten im Kalten Krieg hohe Symbolkraft für die Auseinandersetzung zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion.

Angst vor Sendern im Zahn

Bobby Fischer 1962 in New York, Quelle: AP

Bobby Fischer 1962 in New York

Fischer machte zeitlebens nicht nur mit seinen legendären Taten am Schachbrett von sich reden. Meldungen machten die Runde, dass sich Fischer sämtliche Zahnfüllungen habe herausnehmen lassen, weil er überzeugt gewesen sei, der sowjetische Geheimdienst wolle ihn über Minisender im Amalgam beeinflussen.

Mit seinem Heimatland USA überwarf er sich, obwohl er mit seinem Sieg über Spassky 1972 die Vorherrschaft der Sowjets im Schach gebrochen hatte und von Washington zum Symbol des Kampfes gegen den Ostblock stilisiert worden war.

"Bester Spieler aller Zeiten"

Fischer wurde am 9. März 1943 in Chicago geboren. Trotz eines ungewöhnlich hohen Intelligenzquotienten von 184 war Bobby Fischer jedoch kein guter Schüler; bereits als 15-Jähriger verließ er 1959 die High School, um sich ganz seiner Schachkarriere zu widmen. Im Jahr 1968 zog er sich aus dem Turniergeschäft zurück. Um seinen Einsatz gegen Spassky 1972 hatte ihn US-Außenminister Henry Kissinger ausdrücklich gebeten - es wurde eine triumphale Rückkehr.

Das letzte Spiel gegen Boris Spassky 1972 in Reykjavík, Quelle: AP

Das letzte Spiel gegen Boris Spassky 1972 in Reykjavík

Nach diesem Höhepunkt seiner Karriere zog Fischer sich völlig zurück. Drei Jahre später wurde ihm der Titel wieder aberkannt, weil der internationale Schachverband (FIDE) seine Bedingungen für eine Titelverteidigung nicht akzeptieren wollte. 20 Jahre lang hielt er sich dem Profischach fern - nichts konnte ihn zu einer Rückkehr bewegen. Millionenangebote von Organisatoren in Las Vegas oder Manila schlug er aus, auch wenn er finanziell ruiniert und in einer schwierigen Situation war. Dennoch wählten ihn Leser der Fachzeitschrift "Europa-Rochade" im Jahr 1992 zum besten Spieler aller Zeiten. Fischer war der erste und einzige US-Schachweltmeister.

Schach als "illegaler Handel"

Die lebende Schachlegende entschwebte vollends ins Mysteriöse, als Fisher Mitte der 70er-Jahre plötzlich von der Bildfläche verschwand. Als es Ende der 80er-Jahre stiller um ihn wurde, kehrte der Amerikaner, der die Klaviatur der Medienbeeinflussung ebenfalls meisterlich beherrschte, mit einem Paukenschlag auf die öffentliche Bühne zurück, als er zu einem Revanchekampf gegen Boris Spassky antrat.

Dieses Spiel gegen seinen inzwischen zum Freund gewordenen Ex-Rivalen zog den Zorn der US-Behörden auf sich. Wegen des UN-Embargos gegen Jugoslawien wurde sein 3,35 Millionen Dollar hohes Preisgeld als "illegaler Handel" deklariert und ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgesprochen. Im Sommer 2004 wurde er in Tokio verhaftet und für acht Monate ins Gefängnis gesteckt. In seiner Heimat brachte er viele mit antisemitischen Tiraden und Sympathiebekundungen für die Anschläge des 11. September 2001 gegen sich auf.

Mit seiner Ausreise nach Island im März 2005 entging er einer langjährigen Haftstrafe in seiner Heimat. Bei seiner Haftentlassung zeigte Fischer sich mit weißem Vollbart und schimpfte auf US-Präsident George W. Bush, den er einen "Verbrecher" nannte. In jenem Frühjahr wurde es ruhiger um Fischer. Er erhielt die isländische Staatsbürgerschaft und ließ sich in der Hauptstadt Reykjavik nieder. (stu)

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