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Nahost

Blutvergießen nimmt kein Ende

Unverändert geht das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen die Opposition vor. Beim ersten Besuch der UN-Beobachter am Schauplatz des jüngsten Massakers bot sich ihnen ein Bild des Grauens.

In dem Dorf Al-Kubeir in der Provinz Hama berichteten die UN-Beobachter, sie hätten blutige Hauswände gesehen und "einen starken Geruch von verbranntem Fleisch" wahrgenommen, teilte die UNO am Freitag (08.06.2012) in New York mit. Das Dorf Al-Kubeir, wo regierungstreue Milizen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch 55 Menschen getötet haben sollen, war laut UNO bei der Ankunft der mehr als 20 Beobachter verlassen. An manchen Stellen hätten noch Feuer gebrannt. Außerdem seien an Häusern Einschüsse von Raketen und großkalibrigen Waffen gefunden worden.

Nach Oppositionsangaben wurden die Menschen mit Knüppeln erschlagen und mit Messern aufgeschlitzt. "Wir haben gesehen, dass mehrere Häuser durch Beschuss zerstört wurden", sagte Sausan Ghosbeh, eine Sprecherin der UN-Beobachter. "Andere Häuser waren niedergebrannt mit verkohlten Leichen darin." Das Dorf sei "beinahe menschenleer".

Syrische Regierung weist Verantwortung von sich

Ein UN-Beobachterkonvoi im syrischen Damaskus (Foto: reuters)

Die UN-Beobachter wurden auf der Anreise beschossen

Über die tatsächliche Zahl der Opfer konnte die UNO zunächst noch keine Angaben machen. Die Untersuchung der Ereignisse werde aber fortgesetzt. Die syrische Regierung hatte jede Verantwortung für das Massaker von sich gewiesen und wie so oft "Terrorbanden" dafür verantwortlich gemacht.

Ein BBC-Journalist, der die Beobachter begleitete, berichtete von zwei ausgebrannten Häusern. In einem der Räume seien sehr viel Blut und "Reste von Fleisch" gewesen, schrieb Paul Danahar im Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter. Sogar das Vieh sei getötet worden. Aktivisten hätten ihm erzählt, dass Ordnungskräfte die sterblichen Überreste der Opfer am Donnerstag weggebracht hätten. Am selben Tag waren die UN-Beobachter unter anderem durch Beschuss daran gehindert worden, zu der Ortschaft vorzustoßen.

Ein Einschussloch spiegelt sich in einem Fenster (Foto: dapd/afp)

Seit März 2011 ist die Gewalt in Syrien nicht zu stoppen

Daraa und Homs unter Beschuss

Währenddessen berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dass am Samstag regierungstreue Truppen in Syrien landesweit 83 Zivilisten getötet hätten. Unter den 20 Toten in der südlichen Oppositionshochburg Daraa seien auch neun Frauen und drei Kinder gewesen. Demnach beschossen Truppen von Präsident Baschar al-Assad vor dem Morgengrauen ein Wohnviertel der Stadt. In Daraa seien außerdem zahlreiche weitere Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Oppositionelle berichteten weiter, dass alle Mobilfunkverbindungen nach Daraa unterbrochen seien. Daraa liegt im Süden des Landes und ist jene Stadt, in der der Aufstand gegen Präsident Assad im März vergangenen Jahres seinen Anfang nahm.

In der zentralsyrischen Stadt Homs, ebenfalls einer Hochburg der Opposition, wurden der Beobachtungsstelle zufolge 29 Zivilisten getötet. Assad lässt seit Mitte März 2011 einen Aufstand gegen seine Führung blutig niederschlagen. Dabei wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle bisher mehr als 14.100 Menschen getötet. Alle Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um eine Beilegung des Konflikts liefen bislang ins Leere. Zudem streitet der Westen mit Russland und China, die traditionelle Verbündete Syriens sind, über das weitere Vorgehen gegen Assad.

Russland lehnt militärische Intervention weiter ab

Der russische Außenminister Sergej Lawrow (Foto: dapd)

Russlands Außenminister Lawrow will kein militärisches Eingreifen

Zwar wächst auch in Moskau die Sorge über den Konflikt in Syrien. Dennoch lehnt Russland weiterhin den militärischen Einsatz von außerhalb ab. "Die Situation wird besorgniserregender", sagte Außenminister Sergej Lawrow. Als Mitglied des UN-Sicherheitsrates werde Russland dem Einsatz von Gewalt aber nicht zustimmen, sagte er.

In Istanbul trafen sich derweil Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrat (SNC) und wählten den syrischen Kurden Abdel Basset Sajda als ihren neuen Vorsitzenden. Sajda ist bereits Mitglied des SNC-Exekutivkomitees. Der frühere SNC-Chef Burhan Ghalioun war Ende Mai zurückgetreten, nachdem es immer wieder Kritik an seinem Führungsstil gegeben hatte. Der SNC ist die größte Oppositionsgruppe Syriens.

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