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Ostmitteleuropa

"Blutsonntag" 1939 in Bromberg wird untersucht

– Polnische Historiker sollen klären, wer für den Mord an den deutschen Bewohnern der Stadt verantwortlich war

Warschau, 19.10.2003, GAZETA WYBORCZA, poln.

Die Grundfrage, ob die Deutschen am 3. September 1939 eine Aktion hinter der Front selbst durchgeführt oder ob Polen als Racheakt für den Überfall Hitlers ein Blutbad unter ihren deutschen Nachbarn angerichtet haben, soll von einem Historikerteam endgültig geklärt werden. Dieses Team wird unter der Schirmherrschaft des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) arbeiten.

Noch bis vor kurzem gab es keine öffentlichen Kontroversen in Bezug auf die Geschehnisse vom 3. und 4. September 1939 in Bydgoszcz (Bromberg). Polnische Historiker sprachen einstimmig von einer organisierten Aktion der Deutschen. Die deutschen Historiker dagegen waren davon überzeugt, dass die Polen ihre deutschen Nachbarn überfallen und viele von ihnen ermordet haben. Erst Professor Wlodzimierz Jastrzebski von der Akademia Bydgoska (Bromberger Akademie) ist es gelungen, diesen Zustand zu ändern, in dem jede Seite von ihrer eigenen Version überzeugt war. Professor Wlodzimierz Jastrzebki ist nämlich der erste polnische Wissenschaftler, der zu dem Schluss kam, dass doch die Polen an diesem Blutbad schuldig seien. Das Interview, das Professor Jastrzebski der Zeitung "Gazeta Wyborcza" im August d. J. gab, sorgte für Aufsehen auf beiden Seiten der Oder. Daraufhin hat das Institut für Nationales Gedenken entschieden, neue Untersuchungen zu diesem Thema zu beginnen:

"Wir müssen die Wahrheit erforschen. Noch kann man vieles unternehmen, um diese Geschehnisse endgültig aufzuklären", sagte Pawel Machcewicz, Leiter der Bildungsabteilung des Institutes für Nationales Gedenken. Dabei handelt es sich vor allem um die Untersuchungen der Archive in Deutschland und in Russland, wo sich die noch nicht vollständig bearbeiteten deutschen Dokumente befinden, darunter auch die Akten der damaligen deutschen Abwehr.

Der "Blutsonntag" soll auf ähnliche Weise untersucht werden wie der Fall von Jedwabne. Das IPN wird ein Team von Historikern aus ganz Polen zusammenstellen. (...) Aus unseren Informationen geht hervor, dass sich alle angeschriebenen Wissenschaftler an dieser Untersuchung beteiligen werden. Auch Professor Wlodzimierz Jastrzebski möchte an dieser Untersuchung persönlich teilnehmen. Zu diesem Team werden jedoch keine deutschen Historiker gehören. (Sta)

  • Datum 21.10.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4Dkx
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