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Politik

Blutigstes Jahr in Afghanistan seit 2001

6000 Tote, 140 Anschläge: Das Jahr 2007 ist das bisher blutigste in Afghanistan. Neue Anschläge der Taliban verschlimmern die Situation weiter.

Afghanische Feuerwehrleute löschen die Reste eines Minibusses (5.12.2007, Quelle: AP Photo/Musadeq Sadeq)

Wieder ein Selbstmordattentat in Kabul

Bei einem zweiten Selbstmordanschlag innerhalb von zwei Tagen sind am Mittwoch (5.12.2007) in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Neben dem Attentäter seien acht afghanische Soldaten und acht Zivilisten um ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher der NATO-Schutztruppe ISAF. Die Zahl könne allerdings angesichts der lebensgefährlichen Verletzungen einiger Betroffener weiter steigen.

AbtrasWrack eines zerstörten Minibusses (5.12.2007, Quelle: AP Photo/Musadeq Sadeq)

Ein mit Soldaten besetzter Minibus war Ziel des Anschlags

Wie die Behörden berichteten, steuerte der Attentäter sein mit Sprengstoff beladenes Auto auf einen Kleinbus mit Soldaten zu. Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für die Tat.

Die Explosion war der dritte Selbstmordanschlag in Kabul innerhalb von acht Tagen. Ein NATO-Sprecher berichtete am Mittwoch zudem von einer Explosion in Südafghanistan. Dabei wurde ein Soldat getötet und zwei weitere verletzt.

Zunehmende Gewalt der Taliban

Noch am Dienstag waren während eines überraschenden Afghanistan-Besuchs von US-Verteidigungsminister Robert Gates bei einem Selbstmordanschlag in Kabul der Attentäter getötet und mindestens 22 Menschen verletzt worden. Gates war am Dienstagabend in Kabul mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dem afghanischen Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak zusammengetroffen, um sich über die internationalen Bemühungen gegen die zunehmende Gewalt der Taliban zu informieren.

Am Tag von Gates Ankunft im US-Stützpunkt Bagram nördlich von Kabul hatte ein Selbstmordattentäter in der südwestafghanischen Provinz Nimroz zwei Zivilisten und zwei Polizisten mit in den Tod gerissen. Zu diesem Anschlag bekannten sich ebenfalls die Taliban. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, ein Student der Kabuler Universität sei der Selbstmordattentäter gewesen.

140 Selbstmordanschläge seit Januar

Afghanische Polizisten neben einem durch eine Explosion erzeugten Krater (5.12.2007, Quelle: AP Photo/Musadeq Sadeq)

Afghanische Polizisten neben dem Explosionskrater

Ende September waren bei einem Selbstmordanschlag auf die Armee in der afghanischen Hauptstadt mindestens 30 Menschen getötet worden, als ein Attentäter in Uniform mit einer Sprengstoffweste einen Militärbus in die Luft sprengte. Im Juni starben bei einem Selbstmordanschlag auf einen Polizeibus mindestens 35 Menschen. Bis Anfang Dezember wurden etwa 140 Selbstmordanschläge in Afghanistan verübt, deutlich mehr als im vergangenen Jahr.

6000 Tote in diesem Jahr

Allein in diesem Jahr kamen bei den militärischen Auseinandersetzungen in Afghanistan mehr als 6000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Aufständische. Aber auch 1000 afghanische Sicherheitskräfte und mehr als 200 ausländische Soldaten wurden getötet. Das afghanische Verteidigungsministerium hatte 2007 am Sonntag als das "blutigste Jahr" für das Land seit dem Sturz der Taliban vor sechs Jahren bezeichnet. Ziele der Selbstmord-Attentäter sind meist ausländische oder afghanische Soldaten. Die meisten der Todesopfer sind unbeteiligte Zivilisten.

Taliban kontrollieren fast zehn Prozent des Landes

Unterdessen betonte ein Sprecher der ISAF, die Taliban kontrollierten sechs Jahre nach ihrem Sturz nur kleine, isolierte Gebiete im Süden des Landes. Die 5 von 59 Bezirke stellten weniger als zehn Prozent des gesamten Gebiets dar, sagte der portugiesische General Carlos Branco. Der europäische Think Tank Senlis Council hatte im November erklärt, die Taliban seien in mehr als der Hälfte des Landes präsent. (mo)

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